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Hafermilch statt Benzin : Merken Sie sich diese Preise!

Tipp für Interessenten: Wissen, wie hoch der Zuschuss ist. Bild: dpa

Bei Spitzenpolitikern wird Volksnähe noch immer darin bemessen, ob sie den Benzinpreis kennen. Dabei sind die Preise anderer Dinge längst viel wichtiger.

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          Einen Lauf hat die SPD gerade ohnehin nicht, aber dass ihr Spitzenkandidat bei dieser Frage ins Schleudern geriet, kam unerwartet. Ob er den aktuellen Preis für einen Liter Benzin wisse, hat ihn diese Woche die Bild-Zeitung gefragt, und was hat Olaf Scholz geantwortet? Er gucke nicht täglich auf diesen Preis, sagte er, und außerdem: „Ich gehe nicht selbst tanken.“ Das sah fast schon nach Totalschaden aus: kein Gespür – und das als Finanzminister – für den Geldbeutel des motorisierten kleinen Mannes sowie das Geständnis, stets nur vom Chauffeur durch die Gegend kutschiert zu werden. Ein schwacher Trost für Scholz wird gewesen sein, dass anderntags Armin Laschet bei derselben Frage nur zögernd antwortete und Markus Söder nur deshalb sehr schnell, weil er sich die Antwort per SMS hatte schicken lassen.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie alle jedoch sollten sich nicht grämen. Ist die Kenntnis des Benzinpreises tatsächlich noch die Einheit, in der sich die Volksnähe moderner Spitzenpolitiker messen lassen sollte – so wie Flächen offenbar grundsätzlich in Fußballfeldern angegeben werden müssen oder in Saarländern (dem Bundesland, nicht seinen Bewohnern)? Sind wir wirklich noch das bratwurstmampfende, hinter Butzenscheiben biertrinkende Volk von Autofahrern, als das die Welt uns einst zu kennen glaubte? Werden wir nicht ohnehin bald alle Elektroautos fahren?

          Angesagt: die Hafermilch der Marke Oatly
          Angesagt: die Hafermilch der Marke Oatly : Bild: Andreas Pein

          Nein: Wer heute möglichst breite Schichten von Wählern überzeugen möchte, der muss nicht unbedingt den Preis für einen Liter Diesel kennen oder den für ein Stück Butter – sondern den Wert eines zeitgemäßen Warenkorbes.

          Ein Liter Haferdrink kostet 2,19 Euro. Jedenfalls die total angesagte Barista-Edition der total angesagten Marke Oatly, die meistens längst ausverkauft ist, wenn wir abends in den Supermarkt hetzen. Dass es in Deutschland so viele Baristas gibt, also Leute, die professionell Kaffee zubereiten, wäre uns zwar neu, aber es schäumen sich ja auch täglich Leute mit „Sports“-Duschgel ein, die gar nicht mehr wissen, wo ihre Laufschuhe stecken. Man kriegt auch Haferdrinks für 99 Cent, was in der Regel noch immer teurer ist als profane Milch, aber Sie zahlen halt für das gute Gewissen, dass hier kein Haferkörnchen gleich nach der Geburt seiner Mama entrissen wurde.

          Eine FFP2-Maske kriegen Sie beim Discounter inzwischen für nur 65 Cent; gut zu wissen vor allem, falls Sie gerade Gesundheitsminister sind und Ihr Ministerium des Öfteren zu teuer einkauft. Im Internet gibt’s die Dinger zum Teil noch viel billiger, doch achten Sie auf die Bewertungen und auf die Zustandsbeschreibung: Bei „gebraucht – praktisch wie neu“ lieber Finger weg.

          Gibt’s günstig beim Discounter – und noch günstiger im Internet.
          Gibt’s günstig beim Discounter – und noch günstiger im Internet. : Bild: Laila Sieber

          Eine Handyhülle schlägt ungefähr mit 20 Euro zu Buche. Also mit 240 Euro im Jahr, falls Sie ein Teenagermädchen daheim haben, das die Hülle aus modischen Gründen mindestens monatlich wechseln muss.

          Ein Liter Wasser kostet 12 Cent, wenn es die No-Name-Marke aus dem Supermarkt ist, einen knappen Euro, wenn es das elitäre Evian ist, und 0,2 Cent, wenn es aus der Leitung kommt. In manchen Restaurants zahlen Sie für Leitungswasser gern auch mal fünf Euro, wenn der Kellner eine Zitronenscheibe in die Karaffe schmeißt.

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