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„Ich glaub ich hab nen Plan“, Odernichtoderdoch Bild: Hersteller

Trend zum Notizbuch : Warum Planer gerade so angesagt sind

Pläne für 2021? Egal, was Sie vorhaben: Es gibt mit Sicherheit schon einen Planer dafür. Vom Kinderwunsch bis zum Glück – das Sortiment ist riesig.

          4 Min.

          Unter den vielen verheißungsvollen Mails mit Ankündigungen neuer Produkte, die das Leben angeblich noch lebenswerter machen und die in dem E-Mail-Postfach landen, das ich beruflich nutze, habe ich eine von vor ein paar Monaten nicht vergessen. Es ging um einen neuen – Kinderwunschplaner.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nichts gegen eine Kinderwunschbehandlung und schon gar nichts dagegen, sich vorab über entscheidende Punkte Gedanken zu machen. Aber was für ein Name für ein Produkt: Kinderwunschplaner. Die Papeterie-Marke Jo & Judy habe ihn so gestaltet, so stand es in der heiter geschriebenen Mail, „dass du ihn für deine individuelle Behandlung perfekt nutzen kannst. In diesem Buch findest du allgemeingültige Seiten zu deiner Person, zur Diagnose, deinem Behandlungsplan, der Finanzierung, Medikamenten, Literaturlisten, leckeren Rezepten und Tagebuchseiten für deine Behandlungszeit.“

          Sicher, der unerfüllte Kinderwunsch gehört noch immer zu den Tabuthemen unserer Gesellschaft. Je mehr darüber gesprochen wird, umso mehr kann das Paaren helfen, die nichts unversucht lassen, um eine Familie zu gründen. Aber rechtfertigt ein ernstzunehmendes Lebensthema ein locker-flockiges Lifestyleprodukt?

          Irgendeinen Planer gibt es sicher

          Nun ruht dieser Kinderwunschplaner keineswegs allein auf dem imaginären Kalender-Stapel. Egal, was man in diesem Jahr so vorhat, die Chancen stehen nicht schlecht, dass irgendjemand in der Industrie einen spezialisierten Planer bereithält. Finanzplaner, Projektplaner, Jahresplaner, Tagesplaner, Klausurenplaner, rückwärtsgewandte Planer, Achtsamkeitsplaner, Hochzeitsplaner, Planer für die Trauzeugen, Reiseplaner. Gut, letztere drei werden aktuell wohl nicht gerade reißenden Absatz finden, es sei denn, ihre Käufer planen die Enttäuschung über das vielleicht doch nicht verwirklichte Vorhaben gleich mit ein. Dennoch lässt sich festhalten: Dass Planungssicherheit gerade nicht gegeben ist, scheint dem Sortiment haptischer Planer nichts anzuhaben. Es ist riesig.

          Der Kinderwunschplaner von Jo & Judy Bilderstrecke
          Mehr als Terminplaner : Bücher des Lebens

          In diesem Sinne auch schön: ein Glückskalender von Odernichtoderdoch („Planen, organisieren und Glücksmomente sammeln“). Oder: „Klarheit“, so der Name „deines Ankers im Chaos des Alltags“. Zur Handhabe des Kalenders gibt es mehrere Erklärvideos. Es geht um Leitgedanken der Woche, zum Beispiel: „enjoy“. Um Ziele, Aufgaben, um Gutes, das passiert ist, um das, was man erreicht hat. Und wer anschließend ernsthaft noch etwas aus seinem Alltag hinzuzufügen hat: Weißraum ist auch noch da. Jede Doppelseite ein Strategiepapier über das eigene Leben.

          Soll noch jemand sagen, Schreiben bleibe zunehmend auf der Strecke. Gelegenheiten, um das zu tun, gibt es genügend. Wer in einem der netten Dekoläden in den Stadtvierteln kramt oder im Netz in den Online-Shops der diversen Papeterie-Start-ups unterwegs ist, der bekommt einen Eindruck davon, was Planwirtschaft heute auch bedeuten kann: So viele Bücher gibt es zu kaufen, deren Seiten bereitstehen, mit dem gefüllt zu werden, was in unserem Leben so passiert, mit hübschen Einbänden, die die Essenz des eigenen Daseins garantiert auf den Punkt bringen. Zeige mir deinen Planer, und ich sage dir, wie dein Leben läuft.

          (K)ein Leben ohne Notizbuch?

          Das nächste Jahr solle besser werden, sagte die Freundin, die in der Gastronomie arbeitet, im September. Sie habe sich deshalb schon jetzt einen Planer für 2021 zugelegt, nicht in Schwarz wie sonst, sondern mal in Pink. Auch ich kann mir ein Leben ohne ein solches Notizbuch schwer vorstellen. Seit zwölf Jahren kaufe ich mir alle paar Monate einen Moleskine, immer schwarz, immer Blankoseiten, und entwerfe für jede Woche eine Liste. Sehr unkreativ angesichts dessen, was es da draußen so gibt.

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