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Zum Jahreswechsel : Österreichisches Dorf Fucking ändert seinen Namen

Beliebt bei Touristen: Ein Mann posiert vor dem Ortsausgangsschild von „Fucking“ Bild: AFP

Schaulustige Touristen, obszöne Witze und gestohlene Ortsschilder: Die rund 100 Einwohner des kleinen Dorfes Fucking in Oberösterreich haben genug. Nun soll ein neuer Name her.

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          Ja, es gibt schon seltsame Ortsnamen. Zum Beispiel finden sich in der schönsten Landschaft, dem südhessischen Odenwald, Orte mit so kuriosen Namen wie Frau-Nauses und Weiten-Gesäß. Manchmal wird ein ganz harmlos klingender Name erst dadurch lustig, dass man ihn mit dem Zungenschlag einer anderen Sprache ausspricht. Ein Beispiel dafür ist Fucking, ein Weiler im oberösterreichischen Innviertel.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Noch vor drei oder vier Jahrzehnten wird sich außer ein paar Pennälern kaum jemand etwas dabei gedacht haben. Aber mit dem Vordringen von Worten der amerikanischen Vulgärsprache, die ihren meistgebrauchten Kraftausdruck nicht wie im Deutschen dem fäkalen Genre entnimmt, sondern dem sexuellen, konnte es nicht ausbleiben, dass der Ort Fucking für manchen Witz herhalten musste. Nicht jeder ist schlecht. Zum Beispiel hat sich der Schriftsteller Kurt Palm den Namen – verfeinert durch die Aufwertung zum Heilbad – als Titel für eine Heimatgroteske mit shakespearehaftem Blutzoll ausgeborgt: Bad Fucking.

          Die Einladung zum unfeinen Wortspiel blieb auch international nicht verborgen. Fucking wurde zum Pilgerort für Menschen, die sich neben dem Ortsschild fotografierten und das oberösterreichische Idyll so im weltweiten Netz verbreiteten. Eine britische Serie, die mit automobilen Rundreisen zu tun hat und etwas prätentiös alteuropäisch „The Grand Tour“ betitelt wurde, wählte für eine Folge deutsche und österreichische Stationen mit angelsächsisch-assoziativen Namen aus: Wank, Kissing, Petting, Fucking, Wedding.

          Die Begeisterung über diese Bekanntheit war bei den etwa 100 Einwohnern von Fucking auf die Dauer eher durchwachsen. Zumal die Ortsschild-Touristen (anders als in besagtem Spielfilm) eher Durchreisende waren, statt mit einem schwunghaften Fremdenverkehr örtliche Grundbesitzer wohlhabend zu machen. Und nicht alle beließen es beim schlichten Fotografieren. Die acht Ortstafeln an den vier Zufahrten wurden so oft abmontiert und gestohlen, dass sie vor 15 Jahren festgeschweißt wurden. Und für Fotos sollen – zweifellos für analphabetische Betrachter – bisweilen auch die englische Wortbedeutung unterstreichende Posen eingenommen worden sein.

          Jetzt hat Fucking davon endgültig die Nase voll gehabt und im Gemeinderat eine Umbenennung beschlossen. Künftig soll ein neuer Name auf dem Ortsschild stehen: „Fugging“. In der regionalen Aussprache macht es keinen Unterschied. Und einer Bewerbung um die Zulassung als Heilbad, sollten entsprechende Quellen gefunden werden, steht auch nichts mehr entgegen.

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