https://www.faz.net/-hrx-a06bt

Natalie Dormer im Interview : „Wir scheinen zyklisch die Sünden unserer Vorfahren zu wiederholen“

  • -Aktualisiert am

Natalie Dormer als „Magda“ in „Penny Dreadful – City of Angels“ Bild: Warrick Page/SHOWTIME

„Game of Thrones“-Darstellerin Natalie Dormer spielt in „Penny Dreadful – City of Angels“ eine todbringende Dämonin. Im Interview erzählt sie, warum auch eine historische Serie ein Licht auf aktuelle Ereignisse werfen kann und welche Macht Kostüme haben.

          4 Min.

          Ihr Leinwanddebüt gab Natalie Dormer direkt nach ihrem Schauspielstudium an der Seite von Heath Ledger in „Casanova“. Berühmtheit erlangte die Engländerin dann allerdings im Fernsehen: zunächst mit einer Rolle in der Historien-Soap „The Tudors“, später als Margaery Tyrell im Welterfolg „Game of Thrones“. Darüber hinaus war Dormer auch in den letzten beiden „Tribute von Panem“-Filmen und dem selbst geschriebenen Thriller „In Darkness“ zu sehen. Nun hat die 38 Jahre alte Schauspielerin abermals eine Serienhauptrolle übernommen und spielt in „Penny Dreadful: City of Angels“ eine todbringende Dämonin.

          Frau Dormer, die Corona-Pandemie ist noch in vollem Gange und weit über Amerika hinaus protestieren die Menschen aktuell gegen Rassismus und Polizeigewalt. Da kommt es einem beinahe seltsam vor, über eine neue Fernsehserie zu sprechen, oder?

          In der Tat, schließlich gibt es so viel Wichtigeres. Andererseits ist es interessant zu sehen, wie viele Themen in „Penny Dreadful: City of Angels“ verhandelt werden, die dieser Tage überall auf der Welt eine Rolle spielen. Der Serienschöpfer John Logan hat letztes Jahr bei den Dreharbeiten schon immer gesagt, dass die Geschichte zwar 1938 spielt, aber eben vom Hier und Jetzt handeln würde. Und obwohl das Hier und Jetzt 2020 nochmal ganz anders aussieht als 2019, gilt das heute mehr denn je. Rassismus, Populismus, Polarisierung – alle diese Themen werden in der Serie verhandelt, also kommt sie womöglich doch nicht zur verkehrten Zeit.

          Die Vergangenheit, und sei es auch fiktionalisierte, heranzuziehen, um über die Gegenwart zu erzählen, ist ja ein beliebtes Stilmittel.

          Weil wir natürlich auch immer wieder hoffen, dass die Menschheit aus ihrer eigenen Geschichte doch etwas lernen könnte. Aber leider gibt es ja genügend Präzedenzfälle, dass wir genau das nicht tun. Mein Kollege Nathan Lane hat vor ein paar Wochen in Interviews zu „Penny Dreadful: City of Angels“ immer wieder Gore Vidal zitiert, der die Vereinigten Staaten als United States of Amnesia bezeichnete. Das ist traurigerweise recht passend, finden Sie nicht? Und auch im Rest der Welt scheinen wir irgendwie zyklisch die Sünden unserer Vorfahren zu wiederholen.

          Die Dämonin Magda, die Sie in der Serie spielen, hält nicht viel von der Menschheit. Sie glaubt, der Mensch ist von Natur aus böse und egoistisch. Blicken Sie ähnlich pessimistisch auf uns und unsere Gesellschaft?

          Sagen wir mal so: Die Richtung, die in den vergangenen Jahren sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Großbritannien politisch und gesellschaftlich eingeschlagen wurde, finde ich unglaublich besorgniserregend und verstörend. Diese Polarisierung zwischen links und rechts, durch die wir kaum noch vernünftige Gespräche und Diskussionen führen können, ist doch zum verzweifeln. Genauso wie die Dämonisierung von allem, was wir als anders empfinden. Genau deswegen reizte mich auch  „Penny Dreadful: City of Angels“ beziehungsweise John Logans spannende Auseinandersetzung mit besagten Themen so sehr. Die Parallelen zwischen jenen Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg und der Welt im Jahr 2019 fand ich schon verblüffend. Und die Erkenntnis, dass es nie so simpel ist wie „gut gegen böse“, sondern dass auch gute Menschen Schlechtes tun können, ist zwar nicht neu, aber auch immer wieder wichtig. Magda ist in der Serie allerdings der Ansicht, dass es die Menschheit nicht wert ist, sich für sie einzusetzen. Wohingegen ich die Rolle angenommen habe, damit John Logan sie eines Besseren belehrt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.