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Oversharing bei Celebrities : In eigenen Rollen

Schaffen sie es, Themen zu enttabuisieren?

In der Serie „Sex and the City“ schaut man in der Folge „Models und Menschen“ zu, wie sich die vier Freundinnen zu einem Abend mit Take-Away-Essen im Apartment von Carrie Bradshaw treffen. Als die Frauen ihre Modemagazine in die Hände bekommen, sagt die zierliche Charlotte den Satz: „Ich hasse meine Schenkel.“ Das Essen wird daraufhin angewidert beiseite geschoben. Dabei verkörpern hier vier Schauspielerinnen mit nahezu perfekten Figuren jene Großstädterinnen, die Komplexe mit ihren Körpern haben sollen. Sie tun es glaubwürdig: Mittlerweile gibt es Websites, die auf Charlottes „perfekte Schenkel“ spezialisiert sind.

Will Smith zeigte sich dank Corona- Kilos „in der schlimmsten Form“ seines Lebens.
Will Smith zeigte sich dank Corona- Kilos „in der schlimmsten Form“ seines Lebens. : Bild: willsmith/Instagram

Verändern sich unsere Normen also, wenn die Idole zeigen, dass hinter ihrer Perfektion harte Arbeit steckt – wie Will Smith es nun mit seinem Fitnessprogramm gegen den Pandemiebauch tut? Oder wenn wir ihre Schwächen sehen? Schaffen es diese vormaligen Halbgötter gar, Themen zu enttabuisieren, wenn sie sie an die Öffentlichkeit bringen? Denn Schauspielerinnen, Models und Sängerinnen sprechen nicht nur öffentlich über ihre Schwangerschaften, sie sprechen auch über all die Dinge, die dazugehören, über die aber selbst Mütter selten mit ihren Töchtern reden.

Was man nie auf Hochglanz, aber in der Sauna sieht

Die Komikerin Amy Schumer informierte ihre Fans ausführlich darüber, was mit ihrem Körper auf dem Weg zur, während und nach der Schwangerschaft geschah. Sie postete ein Foto ihres Bauchs mit blauen Flecken um den Nabel und auf Höhe der Eierstöcke während einer In- Vitro-Befruchtung. Sie zeigte ihren Bauch auch auf der Bühne, auf der sie noch im letzten Schwangerschaftsdrittel auftrat. Und sie machte kein Geheimnis aus den körperlichen Beschwerden, die sie während der Schwangerschaft plagten. Einige ihrer Shows musste sie aufgrund von Übelkeit absagen. Nach der Geburt teilte sie auf Instagram ein Foto, auf dem sie in fleckiger Hose und schlabberigem T-Shirt das Kind auf dem Arm trägt. Darunter steht: „Das war das weitaus beste Jahr meines Lebens, und ich habe mich die Hälfte davon jeden Tag übergeben.“

Gisele Bündchen stillt nur öffentlich, wenn das Foto sie umringt von zehn Stylisten vor dem nächsten Auftritt zeigt.
Gisele Bündchen stillt nur öffentlich, wenn das Foto sie umringt von zehn Stylisten vor dem nächsten Auftritt zeigt. : Bild: gisele/Instagram

Nun mögen das manche geschmacklos und narzisstisch finden. Doch Schumers weit mehr als zehn Millionen Instagram-Follower kommentieren es zu Tausenden, viele posten Herzen oder Liebeserklärungen. Auch Lena Dunham, Erfinderin und Hauptdarstellerin der Serie „Girls“, ist ein Beispiel für den veränderten Umgang von Prominenten mit der Öffentlichkeit. Dunham schrieb im Februar 2018 in der Zeitschrift Vogue über die Entscheidung, sich aufgrund von Endometriose Eierstöcke und Gebärmutter im Alter von 31 Jahren entfernen zu lassen. Neun Monate später stellte sie „zur Neun-Monats-Feier“ des Eingriffs ein Nacktbild auf Instagram, auf dem sie ohne Make-up oder Filter mit allem zu sehen ist, was Modemagazine gerne wegretuschieren: Äderchen, Pölsterchen, das, was man nie auf Hochglanz, aber in der Sauna sieht.

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