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Conte und „Ferragnez“ : Bei Anruf Maske tragen

Nun auch als Maskenbotschafter tätig: Fedez und Chiara Ferragni Bild: Reuters

In Italien hat diese Woche ein Anruf für Aufregung gesorgt: Ministerpräsident Conte soll das Influencer-Paar Chiara Ferragni und Fedez gebeten haben, für das Tragen von Masken zu werben. Ein Armutszeugnis, fanden manche.

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          Die Miene von Fedez war ungewöhnlich ernst: „Leute, ich habe eine wichtige Botschaft für euch.“ Tatsächlich folgte in der Instagram-Story des Rappers mit den rosa Haaren zu Beginn der Woche ein Inhalt, der weder mit Rabattcodes noch mit Selbstdarstellung zu hatte. Er habe am Vortag einen „unerwarteten“ Anruf erhalten – nämlich vom italienischen Ministerpräsidenten, so Fedez. Dieser habe ihn und seine Frau bei der Verbreitung eines Appells um Hilfe gebeten: „Bitte tragt Masken.“ Fedez hielt einen weißen Mund-Nasen-Schutz in die Kamera. Die Situation sei angespannt, es gehe um die Zukunft Italiens. Wenig später wandte sich auch seine Frau, Super-Influencerin Chiara Ferragni, mit der gleichen Bitte an ihre Fans: „Lasst uns gemeinsam das Schlimmste verhindern.“

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Die Botschaft des Paares, das Fans „Ferragnez“ nennen, hat wegen der Verwicklung Giuseppe Contes hohe Wellen in Italien geschlagen. Der Ministerpräsident hat sich zu dem angeblichen Anruf zwar nicht geäußert, ihn aber auch nicht dementiert. Die „Ferragnez“ gelten als Italiens erfolgreichstes Influencer-Paar. Ferragni, die mit ihrem Fashion-Blog „The Blonde Salad“ internationale Berühmtheit erlangte, folgen mehr als 21 Millionen Menschen auf Instagram, Fedez, der in der Jury der italienischen Ausgabe von „X-Factor“ sitzt, immerhin 11 Millionen.

          Dass der Ministerpräsident sich in der Krise jedenfalls ausgerechnet auf eine Fashionbloggerin und einen Rapper setzt, gefällt nicht jedem. Einer, der von den durchaus authentisch besorgt wirkenden Maskenbotschaften der beiden demonstrativ unbeeindruckt blieb, war Lega-Chef Matteo Salvini. Er nutzte den Rummel um die beiden und ihr Telefonat mit Ministerpräsident Conte für seine eigene Agenda: Er beklagte sich über die schlechte Zusammenarbeit Contes mit ihm, dem Oppositionsführer. Dabei repräsentierten er und seine Lega „einen großen Teil Italiens“, sagte er in einem Videointerview.

          Ein Konflikt, der schon länger schwelt

          Nicht ohne sarkastischen Unterton in der Stimme monierte Salvini, dass Conte in den vergangenen Monaten lediglich 40 Sekunden Zeit für ihn gehabt habe. Am Sonntag hatte Conte Kontakt zur Opposition aufgenommen, um die verschiedenen Parteivorsitzenden über das neue Corona-Dekret zu informieren. In diesen Stunden kam es wohl auch zum Anruf Contes bei „Ferragnez“. Offensichtlich hätten „Fedez und Ferragni interessantere Dinge zu sagen“, polemisierte Salvini. Das sei nicht die Art von Zusammenarbeit, auf die Staatspräsident Sergio Mattarella zuletzt zum Wohle des Landes gedrungen habe. Er hoffe, dass Mattarella nun zum Telefon greife – und dann nicht Fedez anrufe, sondern Conte. Um ihm zu sagen: „Mein Freund, Italien braucht alle. Du schaffst es nicht alleine.“

          Dem geht ein Konflikt voraus, der schon länger schwelt. Salvini, aber auch andere Oppositionspolitiker haben zuletzt immer wieder beklagt, dass sie nicht richtig in die Pandemie-Bekämpfung eingebunden würden. „Wir haben Ideen, wie sich bestimmte Probleme lösen ließen. Mir erscheint es mit Blick auf das Land nicht sinnvoll, uns zu ignorieren“, sagte Salvini. Auf Twitter empfahl er Conte gar, er solle Fedez auch beim Thema Kurzarbeitergeld um Rat fragen – eine Maßnahme zum Abfedern der Corona-Folgen, die auch in Italien heftig diskutiert wird.

          Fedez ließ das nicht unkommentiert. Er schrieb auf Twitter: „Salvini ohne Maske bei den Covid-Beratungen im Senat: ‚Ich habe sie nicht und ich setze sie nicht auf‘, 27. Juli 2020.“ Tatsächlich hatte sich der Lega-Chef (2,3 Millionen Instagram-Follower) lange Zeit nicht unbedingt als Maskenbotschafter in Position gebracht und sich demonstrativ ohne Mund-Nasen-Schutz gezeigt. Wenn er doch einen trug, dann eher lässig unterm Kinn. Zuletzt zeigte er sich hingegen öfter mit Maske, etwa mit einer zur Unterstützung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump bei der anstehenden Präsidentenwahl.

          Süffisant setzte Fedez hinzu: „Beim Kurzarbeitergeld habe ich leider keine Möglichkeit, einzugreifen. Schmatzer.“ Genau diese Schlussformel – „bacioni“, Schmatzer – ist ein Markenzeichen Salvinis, mit dem er nicht nur seine Unterstützer grüßt, sondern auch seine Lieblingsfeinde, wie etwa den Autor und Anti-Mafia-Aktivisten Roberto Saviano. „Ein Schmatzer für alle, die uns Böses wollen“, ist Salvinis Motto.

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