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Liam Neeson im Gespräch : „Ich find’s noch immer Klasse, mit Stuntmännern Kampfszenen zu trainieren“

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Es ist auf jeden Fall meine Heimat. Aber ich lebe schon lange nicht mehr dort, sondern in New York. Und seit November 2019 war ich durch die Corona-Pandemie und zuletzt viel Arbeit auch nicht mehr dort. Selbst als im vergangenen Jahr meine Mutter mit 94 Jahren und nach einem erfüllten Leben starb, konnte ich nicht rüberfliegen. Ihre Beerdigung am Computerbildschirm verfolgen zu müssen, war kein schönes Gefühl. Aber diese Tragödie teile ich mit vielen Menschen. Allein in den USA starben ja mehr als 600.000 Menschen an diesem verfluchten Virus, und viele von ihnen waren mutterseelenallein, weil niemand bei ihnen sein konnte und durfte. Deswegen bin ich so dankbar, dass es inzwischen Impfungen gibt und Wissenschaftler rund um die Uhr damit beschäftigt sind, noch mehr für unsere Sicherheit und Gesundheit zu tun.

Sie haben vorhin den Bruder erwähnt, den Sie in „The Ice Road“ haben. In Wirklichkeit waren Sie dagegen der einzige Junge in der Familie und haben drei Schwestern, nicht wahr?

Das stimmt, und ich habe eine recht enge Beziehung zu ihnen. Allerdings hat die sich erst entwickelt, als wir alle erwachsen waren und nicht mehr zuhause lebten. In unserer Jugend war dafür irgendwie kein Platz – das ist ganz wörtlich gemeint. Wir waren als Familie eher arm und lebten recht beengt in einer Sozialwohnung. Da war man froh, wenn man überhaupt mal ein bisschen Raum für sich alleine hatte und wusste, wann man das Bad benutzen kann.

Heutzutage hört man gerade in Großbritannien häufig, dass die Schauspielerei mehr und mehr zu einem Beruf für Kinder aus sozial besser gestellten Familien werde, weil sich alles um Ausbildungen an teuren Eliteschulen dreht. Stimmen Sie dem zu?

Ehrlich gesagt habe ich von dieser Diskussion gar nichts mitbekommen. Für meinen Teil habe ich die Schauspielerei nie als elitäre Angelegenheit empfunden, aber das mag an meinen persönlichen Erfahrungen liegen. Seit ich 17 Jahre alt war, stand ich auf der Bühne, anfangs vor allem bei Laien-Inszenierungen. Eine Schauspielschule konnte ich mir tatsächlich nie leisten, aber das hat mich nie abgeschreckt. Und auch später habe ich immer wieder fantastische Kolleginnen und Kollegen erlebt, die der Arbeiterklasse entstammen, in Shakespeare-Stücken am Theater genauso wie beim Film. Aber wie gesagt: ich kenne da keine Zahlen oder Erhebungen.

Sie selbst arbeiten seit bald 50 Jahren eigentlich unermüdlich. Allein in den letzten zwölf Monaten haben Sie drei Filme gedreht, darunter in Berlin den Thriller „Retribution“. Sind Sie ohne Arbeit unglücklich?

Vergangenes Jahr saß ich gezwungenermaßen ein halbes Jahr zuhause und war vielleicht nicht glücklich, aber doch sehr zufrieden. Die Decke fiel mir zumindest nicht auf den Kopf. Aber es stimmt schon, ich arbeite gerne. Ich mag die Atmosphäre an Filmsets und bin immer wieder fasziniert, was für eigenwillige Menschen so eine Crew ausmachen. Mir ist es aber auch wichtig zu betonen, dass ich weiß, wie viel Glück ich immer hatte. Ganz allgemein, aber natürlich auch besonders während der Pandemie. Ich kenne viele tolle Kolleginnen und Kollegen, gerade in der Londoner Theaterszene, die anderthalb Jahre keine Jobs hatten. Ich weiß also meine privilegierte Situation sehr zu schätzen, selbst wenn ich weiß, dass ich auch meines eigenen Glückes Schmied war und zum Beispiel immer gezielt nach Arbeit gesucht habe. Deswegen bin ich im Laufe der Jahre ja von Belfast nach Dublin, dann nach London und weiter nach Los Angeles und schließlich nach New York gezogen.

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