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Gucci-Mord wird verfilmt : Lady Gaga als Lady Gucci

Glamouröses Paar: Adam Driver und Lady Gaga bei Dreharbeiten am Comer See. Bild: EPA

Die Sängerin dreht in Italien derzeit mit Adam Driver „The House of Gucci“. Den wahren Stoff dazu hätte Hollywood nicht besser schreiben können: Es geht um Luxus, Machtspiele und endet mit einem Auftragsmord.

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          Es ist eine romantische Szene. Adam Driver hebt Lady Gaga in ein kleines Holzboot, mit einem Arm stützt er ihre Beine, den anderen hat er um ihre Taille geschlungen. Das Wasser glitzert in der Sonne, als Driver losrudert, und auf der Mitte des Comer Sees werden Küsse ausgetauscht. Er trägt einen weißen Rollkragenpulli unter seinem blauen Sakko, sie einen beige karierten Trenchcoat über einem gemusterten Kleidchen, dazu die hellbraune Mokassins, natürlich von Gucci.

          Julia Anton
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Die beiden drehen in diesen Tagen in Italien gemeinsam mit Regisseur Ridley Scott „The House of Gucci“. Driver übernimmt die Rolle des Gucci-Erben Maurizio, Lady Gaga spielt seine Frau, Patrizia Reggiani – sie wird später den Mord an ihm in Auftrag geben.

          Der Film über die Familie, die einst hinter der Luxusmarke stand, ist schon im Gespräch. Die italienische Presse begleitet die Dreharbeiten auf Schritt und Tritt, und schon die Fotos vom Set lassen den Glamour der siebziger und achtziger Jahre aufleben: schöne Kleider, opulenter Schmuck – und diese Frisuren!

          Dazu zwei Hauptdarsteller, die jeweils schon für einen Oscar nominiert waren. In die Rollen weiterer Familienmitglieder schlüpfen Al Pacino und Jared Leto. Die Geschichte hätte man sich auch in Hollywood nicht besser ausdenken können. Der Film basiert auf der gleichnamigen Familienbiografie der früheren „Women’s Wear Daily“-Korrespondentin Sara Gay Forden, die im Jahr 2000 den Aufstieg und Fall der Guccis rekonstruierte.

          Die ganze Familie arbeitete mit

          Im Jahr 1921 hatte Guccio Gucci, der in seiner Jugend als Liftboy tätig war, mit seiner Frau ein kleines Geschäft für Lederwaren in Florenz eröffnet. Er hatte Geschmack, legte Wert auf Qualität und faire Preise, und eröffnete schon zwei Jahre später einen zweiten Laden. Auch seine Kinder halfen mit: Grimalda, die Erstgeborene, kümmerte sich um die Filiale in Florenz. Aldo, der älteste Sohn, trieb die Expansion des Unternehmens nach Rom und später ins Ausland voran. Rodolfo managte die neue Filiale in Mailand, entwarf Taschen und den Flora-Schal, Vasco führte die Gucci-Fabrik nahe Florenz.

          Die Familienstruktur war patriarchal, im Mittelpunkt stand das Unternehmen, das Sagen hatte Guccio Gucci. Jedes Mal, wenn ein Enkelkind die Welt erblickte, soll er gesagt haben: „Lass es an einem Stück Leder riechen, es ist der Geruch der Zukunft.“ Als Guccio Gucci starb, hatte sein Sohn Aldo gerade die erste Filiale in New York eröffnet und folgte seinem Vater auf den Posten des Firmenoberhaupts. Prompt kam es zum ersten Rechtsstreit: Im Gegensatz zu ihren drei Brüdern erbte Grimalda Gucci keine Anteile des Unternehmens – weil sie eine Frau war. Auch in den nächsten Generationen: Streitigkeiten, bei denen auch mal Gucci-Handtaschen flogen, teils endeten sie vor Gericht. Während Aldo Gucci mit seinen Söhnen über geschäftliche Alleingänge stritt, war Rodolfo Gucci mit Maurizios Beziehung zu Patrizia Reggiani nicht einverstanden.

          Es soll die große Liebe gewesen sein: Maurizio Gucci und Patrizia Reggiani 1972
          Es soll die große Liebe gewesen sein: Maurizio Gucci und Patrizia Reggiani 1972 : Bild: Picture-Alliance

          Das Paar hatte sich Anfang der Siebziger auf einer Party kennengelernt. Maurizio Gucci war von Reggianis Schönheit hingerissen. Reggiani, eine verwöhnte junge Frau, war an Geld und Status interessiert – und verliebte sich in den jungen Gucci. Rodolfo Gucci jedoch misstraute Reggiani und warf Maurizio sogar aus dem Haus. Das Paar blieb jedoch zusammen und heiratete 1972. Schließlich holte Aldo Gucci seinen Neffen zurück zu Gucci. Seinen Söhnen traute er nicht zu, später die Führung zu übernehmen. Maurizio Gucci zog mit seiner Frau in die amerikanische Unternehmenszentrale nach New York. Reggiani machte sich dort als „Lady Gucci“ einen Namen mit ihrem luxuriösen Lebensstil und snobistischen Sprüchen: „Ich weine lieber in einem Rolls, als glücklich auf einem Fahrrad zu sitzen.“

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