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Künstlerin Rosemarie Trockel : Dem Duft auf der Spur

  • -Aktualisiert am

Höchstens zwei Flaschen pro Käufer: Der Duft ist streng limitiert. Bild: Simon Vogel

Die Künstlerin Rosemarie Trockel hat ein Parfum kreiert. Es ist ihr bisher flüchtigstes Kunstwerk – und ihr rätselhaftestes. Experten helfen, den Duft zu entschlüsseln.

          7 Min.

          Das jüngste Werk von Rosemarie Trockel ist kein Bild, kein Gemälde, keine Keramik, keine Collage, keine Zeichnung und auch keine Fotografie. Dieses Mal nutzt die Künstlerin kein vertrautes Medium, das sie bislang benutzte, kein Material, mit dem sie bisher arbeitete. Der Grande Dame der zeitgenössischen Kunst, der es in den vergangenen Jahrzehnten immer gelungen ist, mit ihrer Experimentierfreude und ihrem subversiven wie ironischen Blick auf die Dinge Fans und Kritik aufs Neue in Staunen zu versetzen, wird auch diesmal die Überraschung gelingen: Rosemarie Trockel macht einen Duft.

          Duft. Aha. Ein Parfum? Wie riecht es, Frau Trockel? Sie antwortet: „A walk in the woods with animal crossing. A bush is a bear.“ Punkt. Es folgt – zunächst – keine weitere Erklärung. Rosemarie Trockel gilt als medienscheu, und das ist sie wirklich. Also müssen sich andere Wege finden, dem Duft auf die Spur zu kommen. Es folgt eine Reise quer durch die Republik, von Köln nach Berlin. Die Assoziationen, die sich von einem Busch und einem Bären einstellen, brauchen Futter, wenn es keine Tester, keine Proben von der neuen Mischung gibt. Übersetzungshilfe kommt von Fachmännern – dem Duftproduzenten Robert Müller-Grünow und dem Parfümeur Geza Schön.

          „Es ist eher ein bisschen dirty“

          Handelt es sich um einen grasigen Busch oder um einen dunklen Wald, der olfaktorisch in den 50-Milliliter-Flakons steckt, auf die groß und schwarz und schlicht die Initialen RT gedruckt sind? Meint die Künstlerin einen kleinen süßen Bären oder ein gefährliches Tier? Und wie setzt man überhaupt bedrohliche Assoziationen in ein duftendes, parfumölhaltiges Wasser um?

          Streift man gedanklich durch das vielschichtige Werk der Konzeptkünstlerin, von den Strickbildern, mit denen sie in den achtziger Jahren Weltruhm erlangte, bis zu ihren jüngsten Foto- und Objektarbeiten, bei denen sie weiter mit Rollenklischees spielt, lässt sich allenfalls erahnen, was sie kreiert haben könnte.

          Man kann vermuten, dass es weniger um eine klebrig-süße Essenz geht als um ein komplexes, vielschichtiges Parfum, das eher dunkel als hell und schrill erscheint. Oder, wie Geza Schön, bekannt für seine reduzierten Düfte und klaren Aussagen, die einjährige Zusammenarbeit mit Trockel zusammenfasst: „Schnell wusste ich, dass Rosemarie Trockel nicht auf süße Blumen abfährt. Es ist eher ein bisschen dirty.“

          RT – Rosemarie Trockel

          Das ist schon mal ein hilfreicher Hinweis. Aber wie riecht RT, die Nummer eins der neuen Künstler-Duft-Edition, der Robert Müller-Grünow, Unternehmer und Kunstliebhaber, noch weitere folgen lassen will?

          Die Reise beginnt. Bevor sie nach Berlin führt, wo Geza Schön zu Hause ist und auch die Künstlerin mittlerweile lebt, hilft Müller-Grünow auf die Sprünge, in Köln, im Mülheimer Hafen, wo sein Unternehmen sitzt.

          Industriebrache. Verlassene Backsteinhallen aus der Gründerzeit, die lange von Künstlern, Clubs und jüngeren Unternehmen mit Leben erfüllt wurden, bevor sie vor ein paar Jahren von Immobilienentwicklern für die schicke Verwandlung entdeckt wurden. Hier ist seine Duftfirma angesiedelt, Scentcommunication, in der ehemaligen Farbenfabrik Lindgens. Wo früher Lacke produziert wurden, entwickelt Müller-Grünow Duftkonzepte und Technologien, für Luxus-Hotels und Modeunternehmen, für große Firmen wie Telekom, Samsung, Commerzbank, Deutsche Bahn – mit gerade einmal zehn Mitarbeitern. Seine Düfte werden als Marketinginstrument eingesetzt, „um intuitiv das Wohlbefinden der Menschen zu steuern, um eine positive Bewertung der Marke zu erreichen“, sagt der Dreiundfünfzigjährige. „Mit unserer Technologie können wir Düfte per Knopfdruck oder Sensor erscheinen, aber auch wieder verschwinden lassen“, sagt er. „Duft ist meine Leidenschaft, aber eben auch die Kunst, und es war so naheliegend, beides zu verbinden, ohne kommerziellen Druck, sondern als Liebhaberprojekt.“

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