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Kann sogar Pizza backen: Influencerin Chiara Ferragni Bild: ddp socialmediaservice

Kinder, Küche, Klicks : Wenn Influencern langweilig ist

Homeoffice, das haben die letzten Wochen gezeigt, kann ziemlich langweilig sein. Influencer aber mussten das Beste daraus machen, denn die Kundschaft hat Erwartungen.

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          Wie viele Millionen andere Menschen sind auch Influencer wegen Corona seit Wochen im Homeoffice. Aber während andere Leute E-Mails schreiben, herumtelefonieren, Videokonferenzen halten und ihre Wohnung verlottern lassen, müssen Influencer liefern – die Fans warten auf Futter. Wer aber die Posts in diesen Tagen durchgeht, stellt fest, dass sich Influencer von ihren Followern kaum unterscheiden: Ihr Alltag ist mindestens genauso öde. Was aber tun, wenn die Welt stillsteht? Wie kommt man an Content? Wie beliefert man eine Kundschaft, die Schminktipps kaum gebrauchen kann, weil sie nicht ausgeht? Zu sehen sind Timelines voller Verzweiflungstaten. Wir haben die wichtigsten Strategien aufgelistet.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Strategie 1: den Kunden bei Laune halten. Das ist sozusagen das A und O des Business, denn ohne Kunde keine Kohle. Das heißt auch in Corona-Zeiten: immer und jederzeit sagen, was man trägt, auf dem Tisch stehen hat, in der Hand hält. Chiara Ferragni gehört beim Namedropping zu den Vollprofis: Die Italienerin, mit 20 Millionen Followern eine der erfolgreichsten Influencerinnen der Welt, setzt alles brillant in Szene: T-Shirts, Taschen, Kekse, Mozzarella. Sie muss ein ganzes Warenhaus in ihrer Mailänder Penthousewohnung haben. Und zieht sich mehrmals am Tag in ihrem begehbaren Kleiderschrank um, damit auch alle Marken zur Geltung kommen. Auch schön: sich wie Leonie Hanne auf den Boden legen und alle Logo-Taschen, die man in der Wohnung auftreiben konnte, um sich herumdrapieren.

          Strategie 2: Kochen. Das geht immer. Und sendet den Botenstoff „bodenständig“ aus. Gemüse schnippeln in der Luxusküche. Schinkennudeln gibt’s bei Cathy Hummels, dazu noch selbstgemachtes zuckerfreies Ketchup. Schön, wenn man das mit Product Placement verbinden kann: Cathys Kochbuch „Zuckerfrei Kochen mit Kindern“ ist gerade erschienen.

          Strategie 3: vor der Kamera rumturnen. Das macht sonst nur Pamela Reif, die Sportskanone unter den Influencern. Kann aber plötzlich jeder, der eine Gummimatte besitzt. Pull-ups, One-Arm-Row, Knee-lift. Pamela ist schon in Phase zwei und hat jetzt ihr eigenes Fitnessstudio zu Hause. Forever Homeoffice!

          Strategie 4: Kinder. Die letzte Verzweiflungstat, wenn sonst nichts mehr geht: die lieben Kleinen in die Kamera halten. Social-Media-Polizist Oliver Pocher hätte seine wahre Freude an Chiara, die ihre Familie wie eine Soap inszeniert. Der kleine Leo mit den blonden Löckchen, wie er böse guckt, wie er mit dem Ball spielt, wie er Mama zum Geburtstag gratuliert, wie er ein Lied singt und mit den Augen rollt. Mamma mia!

          Strategie 5: Tiere. Das geht ganz easy: einfach mit Hund/Katze aufs Sofa setzen und den Bauch kraulen. Oder sich dazulegen, wenn Wuffi oder Miezi schlafen. Macht sogar Til Schweiger. Klappt auch super im Verbund mit Kindern!

          Strategie 6: Alte Fotos posten. Aus Zeiten, als die Welt noch in Ordnung war. Zum Beispiel Poserbilder vom Sommerurlaub in der Karibik oder vom letzten Auftritt auf dem roten Teppich. Emotionaler wird es bei Fotos aus der Kindheit, auch für jene Influencer eine interessante Variante, die keine Kinder haben. Und: Klickgarantie, wenn noch ein Hund mit drauf ist.

          Strategie 7: Haltung bewahren. Das ist die hohe Kunst des Influencens, das kann nicht jeder. Tipp: Einfach mal Alexa Chung über die Schulter schauen. Die Engländerin beweist in diesen Tagen wahre Größe. Kein sinnentleertes Product Placement, keine hohlen Kommentare. Sie inszeniert sich in ihrer stilvollen Wohnung, plaudert via Skype mit Modedesignern und sieht einfach phantastisch aus, auch wenn sie an vier Tagen hintereinander die gleiche Jeans trägt.

          Strategie 8: das Dilemma transparent machen. Und damit die Botschaft transportieren: Ja, okay, mein Leben zu Hause läuft aus dem Ruder wie bei euch auch! Eine Meisterin darin ist Heidi Klum, die entweder im Bett liegt oder Bademantel trägt. Genial, wie sie an ihrem unaufgeräumten Schreibtisch sitzt und die Füße hochlegt, die in Hausschuhen stecken, die wie Plastikkarpfen aussehen. Einen echten Coup landete Jennifer Aniston, die ein altes Foto von sich postete, das sie ungekämmt im Tanktop beim Lunch zeigt, während sie den Mittelfinger hochhält. Damals galt das den Paparazzi, jetzt schreibt sie: „Dear Covid...? You can kindly F@!k off now, thank you, bye.“ Gefiel am 7. Mai stolzen 6.800.482 Followern.

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