https://www.faz.net/-hrx-9zgpy

Katy Perrys neuer Song : Gänseblümchen, Gänseblüüüümcheeeen!

So kündigte Katy Perry ihr neues Lied auf Instagram an. Bild: Instagram/katyperry/Screenshot

Im Video zu ihrem neuen Song „Daisies“ badet die schwangere Katy Perry in einer Grotte und lässt ihr champagnerfarbenes Kleid wehen. Und auch für Mitgröl-Fans ist was dabei.

          2 Min.

          Eine weißblonde, schwangere Frau in einem Meer aus Wildblumen, das entspricht nicht ganz ihrem gewöhnlichen Perfect-Plastic-Look, doch die mit Autotune gestreckte Stimme lässt keinen Raum für Zweifel: Das Video zu Katy Perrys neuem Song „Daisies“ spielt im Freien, ist überlegt mit jeder Menge Retro-Filtern, die schwangere Perry badet am Ende nackt an einer Wildwasserstelle, inklusive Mini-Wasserfall. Ansonsten sehr viel wehendes, champagnerfarbenes Hippiekleid im Wind, der draußen, in der Natur, natürlich immer wehen muss, kleine Risse im angeblich uralten Film, Perry, die sich blass und nachdenklich an irgendwelchen Felsen herumdrückt. In dieser Welt gibt es keine Smartphones, keine coronabedingt erschwerten Ultraschalltermine oder Probleme dabei, eine Hebamme zu finden.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Und die Musik? Zum „Natural Look“ Perrys passt auch der Song, der für ihre Verhältnisse stark auf handgemachte Elemente wie Klavier und Akustikgitarre setzt. Das Lied wird, so wie jedes Perry-Lied, von nun an ständig im Radio laufen, man wird sofort erkennen, dass es von ihr ist, und sich gleich fragen: Ach, die gibt’s immer noch? Ein Radiosender, der nicht zweimal am Tag einen Katy-Perry-Song spielt, den man sofort und ohne nachzudenken mitsingen kann, ist ja eigentlich auch kein Radiosender. Natürlich grölt Perry im Refrain, so wie sie es in jedem Refrain tut, aber das ist ja nicht unbedingt schlecht, vor allem, wenn man gerne mitgrölt.

          Sowieso ist ihr in den vergangenen zwölf Jahren (2008 erschien ihr erster Hit „I kissed a girl“) gelungen, was nur sehr wenigen Popstars gelingt: konstanter Erfolg. Ein Album mit lauter Nummer-eins-Hits nach dem anderen. Die sind immer nach Schema F aufgebaut: Etwas zarter vorgetragene Strophen, dann ein sehr eingängiger Refrain, in dem Perry sehr hoch und sehr laut singt. Da können dann alle mitsingen und sich denken: Stimmt, ich bin wirklich ein Feuerwerk, Baby! Manchmal steigert sich der Refrain noch mal um eine halbe Oktave nach oben, damit Perry noch lauter schreien kann und man sich beim nicht mehr ganz sauberen Mitschreien denken kann: Ja, öffne dein Herz und lass es einfach beginnen! Allerdings hat auch kaum ein Popstar einen ähnlichen Output an Musik wie Perry. Es gibt sehr, sehr viele Songs, fast alle mit aufwendigen Videos dazu. Bei den meisten kann man sofort mitsummen und uffta-ta-tanzen, bei anderen fragt man sich, wie viele gleich klingende Lieder eine Person eigentlich produzieren kann, ohne verrückt zu werden. Viele, anscheinend.

          Katy Perry schreibt darüber hinaus die meiste ihrer Musik selbst, hat außerdem etliche Songs für andere Stars wie Selena Gomez oder Kelly Clarkson geschrieben (die, wenig überraschend, dann genauso klangen wie die Katy-Perry-Schema-F-Songs) und hat ein Händchen für den Zeitgeist. Eigentlich wird so ziemlich alles, was sie in die Hand nimmt, zu Gold. Vielleicht liegt es an der Tatsache, dass Perry selbst schon in frühen Karriere-Jahren das ultimative Rezept für Boom-boom-Pow-Pophymnen entwickelt hat, dass ihre Songs trotzdem immer nach ihr klingen und nicht, wie andere Hits, die ähnlich funktionieren, nach seelenlosen Metall-Algorithmen.

          „Ich hab dieses Lied vor ein paar Monaten geschrieben, als einen Appell, dem Kurs, den man sich selbst gesetzt hat, treu zu bleiben, egal, was andere denken“, schrieb Perry nun auf Instagram, als sie ihren Song dort postete. Da ist er wieder, der Perry-Pathos: Bleib dir treu! Hör nicht drauf, was andere denken! Du wirst mich rooaaren hören! Und so weiter. „Nun hat der Song eine neue Bedeutung für mich bekommen, angesichts dessen, was die ganze Welt gerade erlebt. Jeder von uns ist einer in mehr als sieben Milliarden, mit seiner eigenen Geschichte der Stärke und Resilienz.“

          Ja, das erinnert entfernt an einen schrecklichen deutschen Song, in dem jemand einer in 80 Millionen ist, wo-ba-dop!, doch wenn dies ein Lied ist, in dem Menschen in dieser Zeit Halt finden können, ist es das vielleicht wert. Und auch hier gilt: Man kann sehr schnell wunderbar mitschmettern! Gänseblümchen, Gänseblümchen, Gänseblüüüümcheeeeen!

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Islamistischer Mord an Lehrer : Die Angst regiert

          „Die Lehrer sind Zielscheiben“: Nach dem Mord an Samuel Paty kann Frankreich die islamistische Bedrohung von Schulen nicht länger leugnen. Wird das Land auch diesmal versuchen, seine Konflikte in Erinnerungspolitik aufzulösen?
          Pendler sitzen mit Mund-Nase-Masken am 15. Oktober in einem Bus in Paris

          Paris, Madrid, Rom und London : Wie Corona Regionen und Hauptstädte entzweit

          Nicht nur in Deutschland wird darüber gestritten, wie viel Einheitlichkeit in der Corona-Pandemie landesweit nötig ist. Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien gehen dabei ganz unterschiedliche Wege.

          Nach Söders Drängen : Berchtesgadener Land geht in den Lockdown

          Im Berchtesgadener Land ist die Pandemie außer Kontrolle geraten. Die Einwohner dürfen ihre Wohnungen in Kürze nur noch in Ausnahmefällen verlassen. Es sind die schärfsten Beschränkungen des öffentlichen Lebens seit Monaten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.