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25 Jahre Harry Potter : Zu Bett gehen mit Harry, Ron und Hermine

  • Aktualisiert am

Eifrige Leserinnen: Drei Mädchen lesen Harry Potter. Bild: Picture Alliance

Vor einem Vierteljahrhundert erschien der erste Band von Harry Potter auf Deutsch. Inzwischen hat schon die nächste Generation den Zauberlehrling für sich entdeckt, oft gemeinsam mit ihren Eltern. Ein paar Erinnerungen ans Lesen – und Vorlesen.

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          Vom Widerwillen zum Fantum

          Ich erinnere mich noch recht gut an den Abend, an dem mein Vater mit einem Buch aus der Bibliothek ankam, um es mir vor dem Einschlafen vorzulesen. „Harry Potter und der Stein der Weisen“ lautete der Titel, von dem ich selbstverständlich zuvor gehört hatte. Mein Vater hatte das Buch selbst noch nicht gelesen. Ich hatte jedoch keine sonderliche Lust darauf und lehnte das Angebot zunächst ab. „Ich bin noch nicht bereit dafür“, sagte ich, die damals zehn Jahre alt war. Mein Vater war etwas enttäuscht. Aber auch beeindruckt, dass ich mit dem Buch, von dem alle redeten, noch warten wollte. Vielleicht waren es auch eher die über 300 Seiten Text, die mich abschreckten, als der eigentliche Inhalt. Meine Einstellung war zunächst also negativ. Wäre es dabei geblieben, hätten wir sicherlich viel Geld gespart. Denn als ich bald doch ein gewisses Interesse entwickelte, hervorgerufen wohl eher durch die Beliebtheit des Buches unter meinen Altersgenossen, wurde abendliches Vorlesen zur Routine. Leider kam es schnell zu unvorhergesehenen finanziellen Nebeneffekten. Fanartikel waren immer als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk erwünscht. Ich wollte Mut wie Hermine, eine Freundschaft wie Harry und Ron und Fächer wie auf Hogwarts haben. Harry Potter schien mir wie eine eigene Welt, die mich in ihren Bann zog. Durch ihren Schreibstil und die individuellen Charaktere boten die Bücher mir eine gewisse Flucht aus der Realität. Ich habe es jedenfalls nicht bereut, meinen Widerstand gegen Harry Potter aufgegeben zu haben. Nina Thomann, 17 Jahre

          Warten bis es endlich losgeht

          Ich kannte Harry Potter schon, bevor ich die Bücher gelesen habe. Einerseits durch Erzählungen meiner Schwester, aber auch durch den Besuch im Londoner Harry-Potter-Park, der auch wegen meiner Schwester stattfand. Anders als sie wusste ich schon vieles, aber auch noch nicht alles. Meine Eltern sagten mir immer, dass ich die Bücher vor den Filmen lesen sollte. Ich sprach sogar einmal in der ersten Klasse meine damalige Englischlehrerin darauf an, dass ich nicht möchte, dass sie den Film abspielt, weil ich noch nicht das Buch gelesen hatte. Ich glaube, den Rest meiner Klasse habe ich damit nur genervt. Wir schauten den Film trotzdem. Aber auf Englisch, deshalb verstand ich ihn auch nicht. Ich habe meinen Vater wahrscheinlich jede Woche gefragt, wann wir endlich anfangen könnten, die Bücher zu lesen, aber ich musste warten, bis ich neun war. Als mein Vater sagte: „Jetzt beginnen wir zu lesen“, war ich, wie ich mich erinnern kann, sehr aufgeregt und erzählte es allen. Doch dann, im ersten Kapitel, merkte ich, dass mein Namensgedächtnis mir Probleme bereiten würde. Ich erinnere mich noch daran, wie ich die ganze Zeit Snape und Filch verwechselte. Auf jeden Fall gefiel mir das erste Kapitel gar nicht, und ich glaubte, dass alles so kompliziert geschrieben sein würde. Ich gab dem Buch trotzdem noch eine Chance, und auf einmal merkte ich, wie mich eine neue Welt umgab. Ich wartete jeden Tag auf den Abend, bis mein Vater mir vorlas. Ich wurde der größte Fan und redete mit den Kindern aus meiner Klasse darüber. Manchmal erfuhr ich schon früher, wer sterben würde oder wer mit wem zusammenkam. Nach jedem ausgelesenen Buch schauten wir den Film. Das ging ein halbes Jahr so. Irgendwann waren wir dann beim letzten Kapitel vom siebten Buch angelangt. Ich weinte, weil ich wusste, dass für mich ein wichtiger Teil des Abends zu Ende gehen würde. Mittlerweile kenne ich jeden Film auswendig und habe selbst jedes Kapitel mehrmals gelesen. Liliana Thomann, 11 Jahre

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