https://www.faz.net/-hrx-9w9ip

Trendstück Seife : Hände, Körper und vor allem Haare

  • Aktualisiert am

Am Stück statt aus der Flasche: Seifen erobern wieder die Bäder Bild: Jung Porzellan

Seife galt lange als altmodisch. Sie kann jedoch mehr als nur Hände sauber machen und ist äußerst umweltfreundlich. Besonders eine Seifenart liegt gerade im Trend.

          2 Min.

          Viele kennen die gute alte Seife noch aus der Kindheit oder von ihren Großeltern. Doch das angestaubte Image der Seife wandelt sich gerade. „Seifen erleben eine Renaissance“, sagt die Marktforscherin Elfriede Dambacher, die auf Naturkosmetik spezialisiert ist. Vor allem wer umweltbewusst und möglichst verpackungsarm konsumieren will, seift Hände, Körper und seit neustem auch Haare ein. „Der Schaum der Seife zerfällt und belastet die Gewässer nicht“, sagt Dambacher. Außerdem sei sie sehr ergiebig. „Ein Stück hält so lange wie vier Flaschen Shampoo oder Duschgel.“

          Und davon verbrauchen wir Deutschen eine Menge. Mehr als 14 Milliarden Euro gaben die Verbraucher im vergangenen Jahr nach einer Hochrechnung des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel für Schönheitsprodukte aus. Die Naturkosmetik wächst Dambacher zufolge seit Jahren und kommt inzwischen auf einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent. Vom 12. Februar an trifft sich die Branche in Nürnberg auf der internationalen Naturkosmetikmesse Vivaness, die parallel zur weltgrößten Bio-Lebensmittel-Messe Biofach läuft.

          Mehrere Aussteller werden dort auch ihre Haarseifen präsentieren, darunter Treibholz aus Nordrhein-Westfalen. „Die Nachfrage ist enorm nach Haarseife“, sagt Lucia Scheige, die Tochter des Firmeninhabers. Das Unternehmen vertreibt seit einigen Jahren drei verschiedene Haarseifen, die vor allem in Bioläden erhältlich sind. Zurzeit sind die Bestände aber so gut wie leer gekauft. „Aufgrund hoher Nachfrage vergriffen“, steht auf der Homepage. Erst im Mai soll es wahrscheinlich wieder Nachschub geben.

          „Keine Vorschriften, was Haarseife enthalten darf“

          Im Geschäft der Seifenmanufaktur Haused Wolf stapeln sich Seifen in Regenbogenfarben, Pastelltönen oder tiefem Schwarz auf Blechen hinter der Kasse. Mehrere Wochen reifen die Stücke dort. In den Regalen steht an einigen Stellen ein Schild: „Ausverkauft – wird gerade nachproduziert.“ Die beiden Besitzer erweitern gerade die Produktion und suchen zu ihren vier Mitarbeiterinnen weitere Verstärkung, um die Lücken schneller wieder auffüllen zu können.

          Bisher rühren sie die Zutaten für ihre Seifen in Zehn-Liter-Töpfen in der Küche hinter dem Verkaufsraum zusammen. „Die Rezepturen sind Betriebsgeheimnis“, sagt Cosmin Katko. Nur so viel verrät er: Die Seife wird nicht gekocht, sondern kalt gerührt - und alle Zutaten sind natürlich.

          Das ist nicht bei jeder Haarseife zwingend der Fall. „Es gibt keine Vorschriften, was Haarseife enthalten darf“, sagt Marc-Simon Wolf. „Es gibt auch welche, denen zusätzlich Tenside und Filmbildner hinzugefügt werden.“ Außerdem kann man Haarseifen leicht mit festen Shampoos verwechseln. Die sehen zwar ähnlich wie eine Seife aus, enthalten aber die gleichen Inhaltsstoffe wie flüssiges Shampoo. „Das ist wie bei einer Ernährungsumstellung“, sagt Cosmin Katko. „Man muss die Verpackungsrückseite genau studieren.“

          Nicht massentauglich

          Früher bekam man Haarseifen meist nur in spezialisierten Naturkosmetikgeschäften. Heute gibt es sie auch in Unverpackt-Läden, Biomärkten, Parfümerien und Drogerien. „Der Trend geht in die Breite“, sagt Elmar Keldenich vom Handelsverband Kosmetik. „Er spricht aber eine ganz bestimmte Zielgruppe an.“

          Die Drogeriekette dm hat zum Beispiel seit vergangenem Herbst Haarseife im Sortiment. Zusammen mit den festen Shampoos kommt die feste Haarpflege damit auf zehn Produkte. Im Vergleich: Bei den flüssigen Shampoos sind es rund 270. „Wir betrachten die Produkte als Ergänzung unseres Sortiments“, sagt Marketinggeschäftsführer Sebastian Bayer. Ähnlich sieht es bei Konkurrent Rossmann aus: Aktuell führt er elf feste Shampoos und etwa 280 flüssige.

          „Haarseife ist nicht massentauglich“, erläutert Expertin Dambacher. Wieso? „Über Generationen hinweg hat sich ein Waschempfinden gebildet, dass es extrem schäumen muss und die Haare danach leicht kämmbar sind.“ Das meint auch Keldenich: „Die Mehrzahl der Menschen wird weiterhin normales Shampoo benutzen.“

          Weitere Themen

          „Wir sind praktisch verheiratet“

          Heidi Klum und Tim Gunn : „Wir sind praktisch verheiratet“

          In der Castingshow „Project Runway“ suchten Heidi Klum und Tim Gunn gemeinsam nach neuen Designern. Nun starten beide ein neues Projekt. Im Interview sprechen sie über „Making the Cut“, Diversität in der Modebranche und ihr Verhältnis zueinander.

          Topmeldungen

          Mittlerweile hat Nils Jonathan Lenssen aus Berlin die Situation akzeptiert: „Das Hauptding ist der Abschluss und was erreicht zu haben“, sagt er.

          Abitur zu Zeiten des Virus : Der Corona-Jahrgang

          Sie haben von einer besonderen Zeit geträumt, Partys und Reisen vorbereitet. Jetzt aber müssen auch sie zu Hause bleiben. Unsere Autorin hat sich bei Abiturienten umgehört, wie Träume platzten und neue Pläne entstehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.