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Der Wandertipp für Rhein-Main : „Guck ins Loch“

  • -Aktualisiert am

Bild: Thomas Klein

Kein Bodensee, aber ein kleines Naturidyll ist er, der Möttauer Weiher nahe Weilmünster. Er ist ebenso eine Rarität im Taunus wie der benachbarte, 100 Meter tiefe Diabasbruch.

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          So vielgestaltig der Taunus ist, steile Höhen und weite Hochflächen, Wälder und Felder einander ablösen, eines fehlt – nennenswerte Gewässer, die sich für Freizeitvergnügen oder zum stillen Naturgenuss eignen. Nur wo der Mensch durch Stauwehre nachhilft, gibt es größere Wasserflächen, etwa Hattsteinweiher und Meerpfuhl bei Usingen oder der Möttauer Weiher nahe dem gleichnamigen Ortsteil von Weilmünster.

          Der ist mit viereinhalb Hektar zwar auch kein Bodensee und nicht einmal Wassersport darf betrieben werden, doch seit seiner Wiederbelebung an historischer Stelle 1976 und dem Ausbau als Naherholungs- und Naturschutzgebiet hat sich eine grüne Oase mit rund 75 Baum- und Straucharten entwickelt. Rasenflächen und Uferwege erlauben das ungestörte Beobachten der Vogelwelt, darunter eine Graureiher-Kolonie. Der reiche Fischbesatz zieht freilich nicht nur sie an: Mit Angelschein darf man die Rute auswerfen.

          Ein besteigbarer Rundturm

          Bei der Renaturierung des Weihers ließ sich noch auf den früheren Damm zurückgreifen. Schon im 15. Jahrhundert entstanden zwei Teiche, die später den Grafen von Nassau-Weilburg zur Fischzucht dienten, nur um 1590 das Trockenlegen anzuordnen. Nachdem die überwiegend von der Eisenproduktion lebenden Möttauer für Holzkohle fast alle Bäume gefällt hatten, wurde die Waldweide verboten und im Möttbachtal Ersatz geschaffen.

          Dabei waren es die Weilburger Herrscher, die massiv Abbau und Verhüttung von Eisenerz förderten. Nicht zuletzt zum Schutz ihrer Montaneinrichtungen legten sie mit der Philippstein eine Trutzburg gegen die in Sichtweite residierenden Grafen von Solms-Braunfels an. Nach Verfall und Raubbau blieb allerdings von den Aufbauten und der mächtigen Schildmauer wenig. Erst ehrenamtlicher Einsatz sicherten sie und den – besteigbaren – Rundturm.

          Die Burg wurde naheliegend aus Diabas errichtet. Dieses extreme harte Gestein, ein Kubikmeter wiegt bis zu drei Tonnen, ist im Verein mit dem vorherrschenden Quarzit der eigentliche Grund, warum sich auf der Hochebene des Taunus keine größeren Gewässer bildeten. Wie tief das mehr als 350 Millionen Jahre alte, unterseeisch entstandene Vulkangestein reicht, gibt die Aussichtsplattform „Guck ins Loch“ eines Diabasbruchs nicht weit vom Möttäuer Weiher eindrucksvoll preis: Über acht Sohlen oder gut 100 Metern.

          Bereits in der vierten Generation baut ein örtliches Familienunternehmen rund eine Million Tonnen jährlich für Splitt, Schotter oder auch dekorative Natursteine ab. Die gerundeten, schon bei leichtem Polieren grünlichgrau glänzenden Felsen veredeln aufs Schönste Parks und Privatgärten.

          Wegbeschreibung

          Trotz seiner Lage an der B 456 ist Weilmünster-Möttau nicht aus dem Rhein-Main-Gebiet mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Autofahrer finden dagegen viel Parkraum: Entweder am Ortseingang oder auf einem kleineren Streifen 200 Meter vor dem Weiher. Den Fußweg verlässt man in einen unscheinbaren Durchschlupf, weiter über die Wiese und an der rechten Seeseite entlang – entweder auf dem Forstweg unter schattigen Bäumen oder über ein schilfgesäumtes Pfädchen am Ufer. Knapp vor dem unscheinbaren Erddamm dann rechts in den Hangpfad gen Altenkirchen.

          Ein kurzer „Stich“ und man läuft 700Meter zwischen Waldrand und Felderebene auf den in der Ferne sichtbaren Ort zu. Nach dem Linksschwenk zur Markierung blauer Punkt bleibt er auf Distanz, verdeckt von einer Linden- und Birkenallee. Sie endet mit Kreuzen der Landstraße. Jetzt ist auch der Aussichtspunkt „Guck ins Loch“ angezeigt; weiter oben, nach dem Sportplatz und im Wald heißt es 200 Meter zur Plattform hoch über den grauen Steinbruchwänden mit ihren wie ein Schneckengewinde wirkenden Transportstraßen.

          Wieder zurück, gehen wir im abwechslungsreichen Wald geradeaus den ebenen Höhenweg entlang, der unnötigerweise mit Asphalt versehen ist. Ein Stück auch, wenn wir gut 1500 Meter nach dem Steinbruch an einer Kreuzung links gen Burg Philippstein eingewiesen werden, bald abgelöst vom Hinweis auf eine Grillhütte. Das große Gebäude vor der Waldwiese umkurvt man, und dann über einen Pfad zwischen Eichen und Buchen, der in den Burghof mündet.

          Auch ohne den Turm zu besteigen, wofür im Ort der Schlüssel besorgt werden muss, öffnet sich ein beeindruckendes Sichtfenster auf die wie ein Luftschloss über den Bäumen schwebende Braunfelser Residenz. Bei den Philippsteinern ging es etwas bescheidener zu, Burg und Gemeinde setzte das Möttbachtal enge Grenzen. Immerhin leistete man sich 1913 eine neue Kirche, deren Rechteckform mit Turmaufsatz über geschiefertem Dach eher an säkulare Gebäude, ein Schul- oder Rathaus denken lässt.

          Wir sehen es, nachdem von der Burgruine durch Wald und dann die Linden- zur Braunfelser Straße abgestiegen wurde. Dieser folgen wir mit dem unterdessen hinzugetretenen schwarzen X. Ausgangs weist es links in die Straße Am Wald und, wie der Name verspricht, unter Eichen und Hainbuchen in das Möttauer Tal – rechts das erlengesäumte Bächlein und ein Wiesenstreifen, links steil ansteigend teilweise freiliegender Diabas.

          Wenn zwischenzeitlich das X rechts entschwindet, bleibt die Richtung unverändert, zunächst bis zum Splittwerk vor einem stillgelegten Steinbruch. Man darf, rechts an dem grünen Gebäude vorbei, durch das Betriebsgelände laufen. Die Arbeit ruht am Wochenende; optional lässt sich auf die parallele Landstraße ausweichen und oben um die tonnenförmige Lagerhalle auf die andere Talseite. Nutzt man die Werksdurchfahrt, dann hinter der hohen Mischanlage links ebenfalls zu dem Randweg. Wie bisher geht es munter im wildromantischen Möttautal weiter.

          Sieht man von den Verarbeitungsbetrieben für den Diabas ab. Der zweite, gut ein Kilometer weiter, wird allerdings nicht durchquert, sondern nach dem Eisenbrückchen gleich rechts verlassen: über die Einfahrt zur nahen Landstraße und mit ihr links 100 Meter an die Einmündung. Dort hinüber, und in kaum zehn Minuten zwischen Wald und Weiden erreicht man den Mötterauer Weiher und die Parkplätze. Zum Einkehren bietet sich jenseits der Bundesstraße etwas versteckt das Landhaus Einhaus mit Freisitz an.

          Sehenswertes

          Selten und schön: der Möttauer Weiher bei Weilmünster. Das ursprünglich im Spätmittelalter zur Fischzucht angelegte Gewässer wurde 1976 für Natur- und Freizeitbelange reaktiviert. Lagern, Grillen und Angeln sind erlaubt, jedoch keine wassersportlichen Aktivitäten.

          Einblick in einen der größten Steinbrüche im Taunus gibt die Aussichtsplattform „Guck ins Loch“ 100 Meter über der Talsohle. Der dort gewonnene Diabas wird unterhalb in zwei Werken verarbeitet.

          Aus dem widerstandsfähigen Vulkangestein ist Burg Philippstein im gleichnamigen Ort erbaut. Im 14.Jahrhundert zum Schutz ihrer Montaneinrichtungen von den Nassau-Weilburger Grafen errichtet, zeichnete die Anlage eine mächtige Schildmauer aus. Teile davon und der runde Bergfried sind restauriert. Burg Philippstein ist frei zugänglich; den Schlüssel für den Turm erhält man in der Gaststätte Gombel (Braunfelser Straße 26)

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