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Der Greenglam Naturkosmetikladen in Augsburg ist 2008 entstanden, als die beiden Apotheker sich entscheiden mussten, sich dem Preisdruck zu beugen oder etwas anderes aufzuziehen Bild: Verena Müller

Greenglam Naturkosmetik : „Was heißt schon vegan? Ein Autoreifen ist auch vegan“

  • -Aktualisiert am

Die Apothekerin Christina Kraus glaubte früher als viele andere an Naturkosmetik. Ein Gespräch über die Entscheidung, im Internet zu verkaufen, die Zukunft von pflanzlichem Haarfärbemittel fernab von Henna – und darüber, was die Haut glücklich macht.

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          Frau Kraus, Sie sind eigentlich Apothekerin. Heute führen Sie einen Onlineshop für Naturkosmetik. Wie kamen Sie auf diese Idee?

          Mein Mann und ich sind beide Apotheker und haben Greenglam 2008 in Augsburg gemeinsam gegründet. Damals kamen die Billigapotheken auf den Markt, die mit starken Rabatten und Reduzierungen gearbeitet haben, und es war schnell klar, dass man sich dem Preisdruck beugt und mitmacht oder etwas anderes aufzieht, um sich zu unterscheiden. Da für uns Arzneimittel kein Produkt sind, das man verscherbelt, kam uns die Idee einer grünen Apotheke. Mein Mann und ich wurden beide in Arznei-Pflanzenkunde promoviert. So haben wir in unserer Apotheke in einer Ecke mit Homöopathie und drei Bio-Beauty-Brands angefangen.

          Heute ist daraus ein ganzes Sortiment entstanden.

          Als es immer mehr wurde, hat mein Mann ein bisschen Angst bekommen, wer das alles in Augsburg kaufen soll. Da kam er auf die Idee, dass wir mit diesen Produkten online gehen. Aber auch das war nicht so leicht. Wir hatten anfangs Probleme, unsere Wunschmarken zu bekommen. Damals galt das Internet noch als billig und war vor allem bekannt für seine Rabattschlachten. Viele Firmen haben zu dieser Zeit nicht ans Internet geglaubt, und sie waren auch nicht begeistert von der Idee, dass ihre Produkte in einer Apotheke zusammen mit Arzneimitteln verkauft werden. Also musste ich mich entscheiden. Es hat mir aber von der ersten Stunde an so viel Spaß gemacht, dass klar war, dass ich diesen Weg weitergehen möchte. Und so suchte ich mir eine eigene Ladenfläche, die ich gleichzeitig als Lager nutzen konnte.

          Sie kommen ursprünglich aus Schweden, können uns Deutsche also mit etwas Distanz betrachten. Wo ist man im Hinblick auf Naturkosmetik schon weiter, als wir es sind?

          Tatsächlich in Skandinavien und auch in Großbritannien. Vor allem die Clean-Classic Ästhetik der Skandinavier passt gut zu deutschen Frauen und entspricht auch meiner Vorstellung von Ästhetik. Ich bin damit aufgewachsen, und Design ist mir neben dem Inhalt auch wichtig. Die Verpackung muss umweltfreundlich sein, sie muss sich schön anfühlen und gut aussehen.

          Jedes Jahr drängen etliche weitere Naturkosmetik-Unternehmen auf den Markt. Worauf achten Sie?

          Zuerst frage ich mich natürlich, wo wir Bedarf haben. Zur Zeit habe ich zu wenig Marken für Haarfärbemittel, dafür sechs verschiedene Brands für Nagellack. Dann schaue ich mir aber sofort die Inhaltsstoffe an, um zu entscheiden, ob eine Marke überhaupt infrage kommt. Oft heißt es vegan, aber das entspricht nicht meinen Vorstellungen von natürlicher Kosmetik. Was heißt das schon, vegan? Ein Autoreifen ist auch vegan.

          Gründerin Christina Kraus vor ihrem Naturkosmetikladen in Augsburg.
          Gründerin Christina Kraus vor ihrem Naturkosmetikladen in Augsburg. : Bild: Verena Müller

          Gibt es Produkte, die man nicht zu 100 Prozent auf natürlicher Basis produzieren kann?

          Es ist schwierig, Düfte zu finden, die zu 100 Prozent auf natürlicher Basis produziert sind. Wir haben einige wenige, aber auch viele, die nur zu 85 Prozent auf natürlichen Inhaltsstoffen beruhen. Wir erklären aber, warum man für die Produktion eines Dufts ein synthetisches Molekül braucht. Auch bei Nagellacken geht es nicht ganz ohne Lösungsmittel.

          Gibt es wirklich Kundinnen, die ein Parfum online kaufen, das sie nicht kennen? Oder eine Gesichtscreme? Muss man so etwas nicht riechen und fühlen?

          Tatsächlich finden sehr viele Erstkäufe im Laden statt. Daher haben wir Ende August unseren Onlineshop komplett umgestellt, und man kann jetzt von nahezu jedem Produkt, das wir führen, eine Probe zugeschickt bekommen. Das ist natürlich unter Nachhaltigkeitsaspekten ein bisschen zwiespältig, wenn man an die Einwegplastikverpackung denkt. Andersherum ist das Hin- und Herschicken auch nicht gut für die Umwelt.

          Gibt es Bestseller-Produkte?

          Definitiv. Das Serum von The Organic Pharmacy von der ersten Stunde an zum Beispiel. Von Susanne Kaufmann laufen Körperbutter und Augencremes hervorragend. Seit der Pandemie verkaufen wir auch sehr gut Nagellacke.

          Testen Sie die Produkte, bevor Sie sie listen?

          Wir testen die meisten Produkte 28 Tage lang auf ihre Wirksamkeit. Das gilt natürlich nicht für Nagellacke. Wir achten aber schon darauf, dass die richtige Person im Team das Produkt testet. Wenn es zum Beispiel um ein Produkt für gelocktes Haar geht, bekommt das die Kollegin, die auch die entsprechenden Haare hat.

          Im Moment sind Gesichts- und Körperöle sehr angesagt. Können Sie den Trend erklären?

          Man kann das ganz gut an meiner Person erklären. Ich habe eine latente Rosacea.

          Chronische Hautrötungen . . .

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