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Geschäftsführer von Mytheresa : „Luxus ist cool und jung geworden“

  • -Aktualisiert am

Vertreibt jetzt auch Männer-Mode: die Münchner Menswear-Boutique von Mytheresa Bild: Hersteller

Aus der Boutique Theresa in München ist einer der größten Händler für Luxusmode im Internet geworden. Geschäftsführer Michael Kliger spricht über das wachsende Geschäft und erzählt von anspruchsvollen Kundinnen und faulen Männern.

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          Herr Kliger, vor einigen Jahren galt es als unmöglich, Luxusgüter online zu verkaufen. Mittlerweile wird der Markt immer größer. Allein Ihr Unternehmen Mytheresa hat seinen Umsatz von Januar bis März um 48 Prozent gesteigert. Woran liegt das?

          Als ich 2015 bei Mytheresa anfing, wurden vier Prozent des gesamten Umsatzes im Luxussegment online erzielt. Heute sind wir bei 12 Prozent, bis 2025 rechnen Analysten mit dem Doppelten bis Dreifachen. Der Markt wächst nicht zuletzt, weil immer mehr Frauen in leitenden Positionen arbeiten. Wir wissen aus der Marktforschung, dass 85 Prozent unserer Kundinnen angestellt oder selbstständig sind. Es läuft ja immer auf dasselbe Problem hinaus: Die meisten Menschen haben keine Zeit mehr. Oder zumindest denken sie das. Wer Luxus liebt und genügend Zeit und Geld hat, geht vielleicht lieber in die Bond Street oder auf die Avenue Montaigne. Aber wenn man abends nur mal 20 Minuten hat, kauft man eben online. Gerade Einkäufe über das Handy haben in letzter Zeit rapide zugenommen.

          Gibt es tatsächlich Menschen, die sich mal eben vor dem Schlafengehen ein Kleid für 6000 Euro kaufen?

          Natürlich muss man das nötige Kleingeld haben, um bei uns regelmäßig einzukaufen. Das heißt aber nicht, dass die Kunden das Produkt nicht zu schätzen wissen. Selbst Kunst und Immobilien werden heute online gekauft.

          Michael Kliger ist seit März 2015 Geschäftsführer von Mytheresa.com
          Michael Kliger ist seit März 2015 Geschäftsführer von Mytheresa.com : Bild: Mytheresa

          Das Internet ist groß, und das Sortiment Ihrer Wettbewerber wie Net-a-porter oder Matchesfashion wesentlich größer. Mit welchem Argument überzeugen Sie Kunden, bei Ihnen einzukaufen?

          Wir haben eine sorgfältig kuratierte Auswahl – 250 Marken, mehr nicht. Wir sind ja kein Marktplatz. Weil wir ausschließlich Luxusmarken verkaufen, stoßen wir schnell an unsere Grenzen. Für uns geht es um Inspiration, nicht um Aggregation. Sie können bei Amazon nicht nach „etwas Schickem“ suchen. Aber wenn Sie auf unsere Seite gehen und zum Beispiel nach Midikleidern suchen, bekommen Sie eine Auswahl von etwa 120 Modellen und finden Ihren Favoriten. Wer Inspiration anbieten will, kann nicht einen endlosen Stapel an Produkten anbieten. Das ist wie wenn Sie in einen Kaufhof gehen: Da gibt es zwar auch Luxusprodukte, aber luxuriös fühlt sich das Einkaufserlebnis nicht an.

          Und online schon?

          Diese Diskussion habe ich schon häufig mit Luxusmarken geführt. Die sagen: Im Laden bekommen die Kunden unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, sie können Dinge anprobieren, wir nehmen uns alle Zeit der Welt für sie. Aber da sind wir wieder beim Thema: Wenn ich Urlaub mache, in ein Hotel einchecke und 30 Minuten lang prächtig unterhalten werde – toll. Auf einer Geschäftsreise? Der reinste Albtraum. Schnelligkeit und Inspiration, nur das zählt.

          Verlieren Sie da nicht potentielle Kunden, wenn Sie Ihr Sortiment bewusst reduzieren?

          Im Luxusbereich gibt es zwei grundlegend verschiedene Arten von Käufern. Der eine weiß genau, was er will. Das ist die Art von Kunde, der vor Louis Vuitton oder Hermès Schlange steht, um eine bestimmte Tasche zu bekommen. Die machen etwa 70 Prozent des Marktes aus und sind für die ganzen Accessoire-Häuser essentiell. Das andere Extrem sind Kunden, die wirklich viel Ready-to-wear kaufen, jede Saison das Neueste vom Laufsteg. Die betreiben „Wardrobe Building“. Das sind unsere Kunden. Luxus erfindet ja Produkte, von denen niemand wusste, dass er sie will, aber wenn man sie sieht, will man sie unbedingt haben. Einige unserer besten Kunden wissen nicht einmal, was sie wollen, wenn sie auf unsere Seite kommen. Sie warten darauf, von uns überrascht zu werden.

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