https://www.faz.net/aktuell/stil/trends-nischen/filmfestival-locarno-matt-dillon-bekommt-auszeichnung-fuer-sein-lebenswerk-18224701.html

Matt Dillon im Interview : „Das war von Anfang an mehr als ein Job, eher eine Berufung“

  • -Aktualisiert am

Matt Dillon beim Filmfestival in Locarno. Der Schauspieler wurde gerade mit einem Ehren-Leoparden für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Bild: EPA

Beim Filmfestival in Locarno wurde er gerade für sein Lebenswerk ausgezeichnet: Matt Dillon verrät im Interview, wie er durch Zufall vor der Kamera landete, welcher Regisseur ihn besonders geprägt hat – und wie oft er schon gefeuert wurde.

          5 Min.

          In den 40 Jahren, die Matt Dillon nun schon als Schauspieler arbeitet, hat er die unterschiedlichsten Höhen und Tiefen durchgemacht. Mit Filmen wie „Die Outsider“ oder „Rumble Fish“ wurde er Anfang der Achtzigerjahre zum coolen Teenie-Idol, Später etablierte er sich mit „Drugstore Cowboy“, „Singles – Gemeinsam einsam“ oder „To Die For“ als ernsthafter Schauspieler mit Kult-Faktor. Er spielte in Erfolgskomödien wie „Verrückt nach Mary“ genauso mit wie im Oscar-Gewinner „L.A. Crash“, für den er selbst als Bester Nebendarsteller nominiert wurde. Zuletzt war der 58-jährige, der für seine Hörbuchfassung von Jack Kerouacs „Unterwegs“ auch für den Grammy nominiert war, unter anderem neben Eva Green und Lars Eidinger in „Proxima – Die Astronautin“ sowie in Til Schweigers geflopptem US-Remake von „Honig im Kopf“ zu sehen. Beim Filmfestival in Locarno wurde er gerade mit einem Ehren-Leoparden für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Auf deutschen Leinwänden kann man ihn ihm Herbst gleich zweimal bewundern: in Shirin Neshats „Land of Dreams“ (ab 3.11. im Kino) sowie in „Asteroid City“, dem neuen Film von Wes Anderson.

          Mr. Dillon, beim Filmfestival in Locarno erhalten Sie in diesem Jahr einen Ehrenpreis für Ihr Lebenswerk. Fühlt man sich da plötzlich alt?

          Na ja, tatsächlich war einer meiner ersten Gedanken, als ich von dem Preis erfuhr, tatsächlich: Moment mal, ich bin doch noch mittendrin in meinem Lebenswerk. Ich bin ja noch lange nicht fertig. Gleichzeitig habe ich mich natürlich auch gefreut, schließlich ist so etwas eine wundervolle Anerkennung. Und tatsächlich bin ich ja schon ziemlich lange dabei. Nach über 40 Jahren in diesem Job geht so eine Ehrung also vielleicht doch in Ordnung.

          Sie waren noch ein Teenager, als Sie Ende der 1970er-Jahre Ihren ersten Film gedreht haben. Wie erinnern Sie sich daran?

          Wir drehten „Over the Edge Wut im Bauch“ damals in Greeley in Colorado, wo McDonald’s seine großen Schlachthäuser betreibt. Beeindruckt hat mich vor allem, welchen Menschen ich dort bei der Arbeit am Film begegnete. Ich lernte zum Beispiel einen Kulissenmaler kennen, der schon am „Zauberer von Oz“ mitgearbeitet hatte, 40 Jahre früher. Genauso gut hätte ich Mozart treffen können das war für mich jemand aus einer vollkommen anderen Zeit. Andere in unserer Crew hatten noch Western mit John Wayne gedreht. Und viele im Team waren das, was man in Hollywood „red diaper babies“ nannte.

          Rotwindel-Babys?

          Ja, so bezeichnete man Leute aus kommunistischen Familien. Oder besser gesagt: Kinder von Eltern, die sich in der kommunistischen Bewegung oder Partei engagiert hatten – und in der Filmbranche in den Fünfzigerjahren von Senator McCarthy verfolgt und auf die Schwarze Liste gesetzt wurden. Der Regisseur Jonathan Kaplan und der Drehbuchautor Tim Hunter hatten zum Beispiel beide Eltern, die damals nicht mehr arbeiten durften. Der Ehemann meiner ersten Schauspiellehrerin war ebenfalls betroffen. Das waren alles Leute, die lieber nicht arbeiteten, als ihre Ideale zu verraten. Diese Geschichten zu hören hat mich als Jugendlicher ziemlich beeindruckt.

          Wie schnell haben Sie damals geahnt, dass die Schauspielerei für Sie mehr werden könnte als ein Hobby für die Sommerferien?

          Ich bin diesen Weg von Anfang an ganz alleine gegangen, meine Familie hatte keinerlei Verbindung zum Showgeschäft und mir ging es auch nie ums Rampenlicht oder so. Ich bin durch Zufall entdeckt worden und bekam diese erste Filmrolle, aber sobald ich das erste Mal vor der Kamera stand, fühlte sich das gleich richtig an. Es gab nicht diesen einen Moment, wo ich beschlossen habe, dass ich das auch beruflich machen will. Viel mehr kam mir einfach nie wieder in den Sinn, irgendetwas anderes tun zu wollen. Das war von Anfang an mehr als ein Job. Eher eine Berufung. Und definitiv eine große Leidenschaft.

          Hatten Sie Vorbilder, denen Sie nacheiferten?

          Natürlich die großen Drei: Marlon Brando, James Dean und Montgomery Clift. Die gelten nicht umsonst als die Begründer der modernen Filmschauspielerei, das Triumvirat schlechthin. Von denen und ihrem von innen herauskommendem Spiel haben sich Robert de Niro, Al Pacino oder Gene Hackman inspirieren lassen, und auch für mich waren sie es, die ich beobachtete und von denen ich lernte. Diese Authentizität, nach der wir seither alle streben, gab es vor ihnen in Hollywood nicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gespaltene Reaktionen auf ihren Wahlsieg: Giorgia Meloni in Rom

          Reaktionen auf Melonis Sieg : Respekt für eine Wahl

          Wenn in einem EU-Land die Freiheit in Gefahr ist, dann muss man handeln. Darauf gibt es in Italien bisher keinen Hinweis. Melonis Haltung zur Ukraine sollte in EU und NATO sogar willkommen sein.
          Illustration der „Dart“-Sonde

          Abwehr-Test : Nasa-Sonde rast in Asteroiden

          Eine unbemannte Sonde der Mission „Dart“ hat wie geplant den Asteroiden Dimorphos gerammt. Die Nasa probt so einen möglichen Ernstfall.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.