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Besuch am Set von „Respect“ : „Es war immer klar, dass es keine zweite Aretha gibt“

  • -Aktualisiert am

Jennifer Hudson in der Rolle der Aretha Franklin Bild: Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

Wie stellt man bloß Aretha Franklin dar? Jennifer Hudson versucht es – auch, weil sie selbst ein bewegtes Leben als schwarze Frau hatte. Ein Besuch am Set des Films „Respect“.

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          Wenige Wochen, bevor die Corona-Pandemie von China aus den Rest der Welt erreicht, steht Jennifer Hudson auf der Bühne einer gesichtslosen Mehrzweckhalle in der amerikanischen Kleinstadt Duluth. Knapp 35 Kilometer nordöstlich von Atlanta spielen normalerweise die Eishockey-Mannschaft der Atlanta Gladiators und das Lacrosse-Team Georgia Swarm, immer wieder treten auch Musiker auf, zum Beispiel Reba McEntire oder Tyler, the Creator. Jennifer Hudson aber – drei Top-Ten-Alben, zwei Grammys – ist nicht für ein Konzert gekommen. Die Oscar-Gewinnerin („Dreamgirls“) greift zwar zum Mikrofon, nicht jedoch als Jennifer Hudson: Hier ist sie Aretha. Ja, die Aretha.

          Die Dreharbeiten zum Film „Respect“ über das Leben der Soullegende Aretha Franklin, der im Dezember in den deutschen Kinos zu sehen sein wird, sind in vollem Gang. An diesem Abend wird die große Bühne in Duluth zur Cobo Hall in Detroit. Dort, in der Stadt ihrer Kindheit und Jugend, wo ihr Vater C.L. Franklin Pastor in einer Baptistengemeinde war, gab die damals 23 Jahre alte Aretha Franklin am 16. Februar 1966 ein umjubeltes Konzert. Martin Luther King Jr. überreichte ihr eine Urkunde, die diesen Tag in Detroit, an dem 12.000 Fans live dabei waren, dauerhaft zum „Aretha Franklin Day“ machte.

          Nicht irgendein Film

          In Duluth sind nun rund 300 Statisten im Einsatz – gerade genug für den Ausschnitt des Publikums, der später im Film zu sehen sein wird. Die Stimmung in der zugigen Halle ist gut, auf den hinteren Rängen sitzen neben drei Journalisten vor allem Maskenbildnerinnen und Garderobieren. Vorne auf der Bühne hat Gilbert Glenn Brown, der Darsteller des Bürgerrechtlers, bei seiner Rede immer wieder Texthänger. Aber spätestens als Jennifer Hudson sich in ihrem hellblau glänzenden Kleid mit fransigen Federn am Flügel niederlässt und „(You Make Me Feel Like) A Natural Woman“ zum Besten gibt, sind alle Anwesenden wieder aufmerksam.

          Eine Stunde zuvor hat sich Hudson Zeit für ein Interview genommen. Die wenigsten Schauspieler haben während wochenlanger Dreharbeiten noch Lust auf Gespräche mit der Presse. Aber „Respect“ ist für Hudson nicht irgendein Film. 15 Jahre nach ihrem Durchbruch mit dem Musical-Film „Dreamgirls“ und weiteren Nebenrollen in Filmen wie „Sex and the City“, „Black Nativity“ und „Cats“ hat sie nun ihren bislang größten Leinwandauftritt – und verkörpert zudem eine Freundin, die sie schon lange verehrt. „2004, kurz nachdem ich bei der Talentshow ‚American Idol‘ mitgemacht hatte, durfte ich in Merrillville, Indiana, im Vorprogramm von Ms. Franklin auftreten“, erinnert sich Hudson an ihre erste Begegnung. „Nach dem Konzert konnte ich sie kurz kennenlernen, ihr Blumen überreichen und ein Foto mit ihr machen.“ Aretha Franklin legte Wert darauf, nicht jovial mit dem Vornamen angesprochen zu werden. Daran änderte sich auch später nichts, als die beiden sich anfreundeten. Hudson hält sich bis heute daran, nicht immer, aber meistens.

          Beide haben ihre Wurzeln in der Kirchenmusik

          „Dass es einen Film über ihr Leben geben würde, stand schon einige Jahre vor ihrem Tod fest“, sagt Hudson über Franklin, die im August 2018 an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb. „Sie hat noch persönlich entschieden, dass ich die Hauptrolle spielen soll. Das ist sicher eine der größten Ehren, die mir in meinem Leben bislang zuteil wurden.“ Scott Bernstein, der hauptverantwortliche Produzent von „Respect“, hatte seit 2014 versucht, ein Biopic über Franklin zu organisieren. „Natürlich war die wichtigste Frage dabei, wer Ms. Franklin angemessen verkörpern könnte, und sie selbst hatte dazu jede Menge und immer wieder wechselnde Ansichten“, sagt er in einer Drehpause in Atlanta. „Letztlich aber hatte sie genauso wenig Zweifel daran wie ich, dass Jennifer die einzige echte Anwärterin auf die Rolle war. Nicht nur wegen ihrer Freundschaft, sondern auch, weil wir jemanden brauchten, der ihre Lieder singen konnte.“

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