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Besuch am Set von „Respect“ : „Es war immer klar, dass es keine zweite Aretha gibt“

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Mit Unterstützung der noch lebenden Verwandtschaft

Von der langen Suche nach dem passenden Sound und den richtigen Songs zeichnet der Film ein ebenso klares Bild wie von der in jeder Hinsicht schwierigen Beziehung zu Ted White (gespielt von Marlon Wayans), der Franklin als Ehemann, Manager und Produzent bis zur Scheidung 1969 begleitete. Die Ehe und die Berichte über Whites gewalttätige Übergriffe wollten die Filmemacher aber nicht zu sehr in den Mittelpunkt rücken. „Mir war es wichtig, dass der Film nicht vom brutalen Ehemann handelt, sondern von ihrem Weg, der von diesem Ehemann wegführt“, sagt Produzent Bernstein.

Regisseurin Tommy fügt hinzu: „Ich bin es leid, auf der Leinwand zu sehen, wie Frauen verprügelt werden. Daher hatte es für mich oberste Priorität, dieses Thema zwar nicht auszublenden, aber so davon zu erzählen, dass es in keiner Weise re-traumatisierend ist.“ Dass der heute 90 Jahre alte White darum bat, ein paar Aspekte seiner Beziehung zu Franklin im Film außen vor zu lassen, stellte die Filmemacherin laut eigenen Angaben vor keine größeren Probleme.

Grammy-Gewinnerin und Oscar-Preisträgerin Jennifer Hudson sieht der Soulmusikerin Aretha Franklin zwar nicht sehr ähnlich – trotzdem war sie für das Filmteam „die einzige echte Anwärterin auf die Rolle“.
Grammy-Gewinnerin und Oscar-Preisträgerin Jennifer Hudson sieht der Soulmusikerin Aretha Franklin zwar nicht sehr ähnlich – trotzdem war sie für das Filmteam „die einzige echte Anwärterin auf die Rolle“. : Bild: AP

Der Unterstützung der noch lebenden Verwandtschaft Franklins konnte sich das „Respect“- Team sicher sein. Das Vertrauen sei auf beiden Seiten groß gewesen, sagt Tommy, wohl auch, weil zwei schwarze Frauen für das Erzählen der Geschichte verantwortlich waren: sie und Drehbuchautorin Tracey Scott Wilson. „Aretha war immer unglaublich authentisch, darum musste es der Film auch sein. Es war wichtig zu wissen, was es heißt, ein kleines schwarzes Mädchen gewesen zu sein, dem die Großmutter jeden Samstag die Haare machte.“ Es habe keine Fragen gegeben, die sie der Familie nicht stellen durften. Ihre Cousine Brenda, die Aretha Franklin 50 Jahre lang als Backgroundsängerin begleitete, stand dem Film als Beraterin zur Seite.

Franklin und ihr Werk haben nicht an Bedeutung verloren

„Respect“ thematisiert auch Franklins Rolle in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Ihr Vater zählte zu den Beratern und Wegbegleitern Martin Luther Kings und war 1963 einer der Mitorganisatoren des Walk to Freedom, der bis dahin größten Massendemonstration in den Vereinigten Staaten. Aretha Franklin sang bei Kings Beerdigung und setzte sich unter anderem für die Freiheit der inhaftierten Aktivistin Angela Davis ein. „Für mich war sie eine Superheldin – und eine Revolutionärin“, sagt Scott Bernstein. „Die Themen, über die sie in den sechziger Jahren sang und sprach, von Rassismus über Diskriminierung von Frauen bis zu gesellschaftlichem Hass, bestimmen heute noch unsere Welt. Ms. Franklin und ihr Werk haben kein bisschen an Bedeutung verloren.“

Für Jennifer Hudson ist klar, was Aretha Franklins größtes Vermächtnis ist. „Ihre Stimme und ihre Lieder waren es, womit sich Aretha ausdrückte. Sie war oft in sich gekehrt und nie sehr gesprächig. Wenn man sie kennenlernen, etwas über sie erfahren wollte, musste man ihr zuhören, wenn sie sang.“ Entsprechend groß war die Herausforderung für Hudson als Darstellerin, gerade auf der Bühne. „Während der langen Wochen der Vorbereitung wusste ich manchmal wirklich nicht mehr, wie ich vorgehen soll“, sagt sie mit etwas Abstand, mehr als ein Jahr nach dem Ende der Dreharbeiten.

„Ich erinnere mich noch, wie Ms. Franklin mich einmal fragte, wie ich sie denn nun spielen würde. Aber auf meine Gegenfrage, welche Wünsche sie denn an mich habe, bekam ich keine Antwort.“ Ihr sei klar gewesen: Sie wollte Aretha Franklin Respekt zollen, sich vor ihr verneigen – aber sie nicht imitieren. „Am Ende habe ich Wege gefunden, meine eigene Persönlichkeit zurückzuschrauben, weil ich in jeder Hinsicht lauter und expressiver bin, als es Aretha Franklin mit ihrer ruhigen, subtilen Art war.“ Dabei habe sie aber nie den Zugang zu ihren persönlichen Gefühlen verloren. „Die brauchte ich, um an ihre emotionale Wucht heranzukommen.“

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