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Besuch am Set von „Respect“ : „Es war immer klar, dass es keine zweite Aretha gibt“

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Dass aus dem Film eine Playback-Show würde, habe nicht zur Debatte gestanden. Zu einem gemeinsamen Auftritt der beiden Sängerinnen 2018, bei der die Besetzung der Rolle verkündet werden sollte, kam es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr; ein halbes Jahr später sang Hudson stattdessen auf Aretha Franklins Beerdigung. „Es war immer klar, dass es keine zweite Aretha gibt. Aber es war wichtig, jemanden zu finden, der die Essenz ihrer Lebensgeschichte nachvollziehen und vor allem nachempfinden konnte“, sagt Produzent Bernstein. „Entscheidend war, dass Jennifer genau wie Ms. Franklin ihre musikalischen Wurzeln in der Kirchenmusik hat.“ Dass zudem beide die Sonnen- und Schattenseiten des Lebens kennen, stellt der Produzent in den Raum, ohne weiter ins Detail zu gehen.

Die optische Ähnlichkeit hält sich in Grenzen

Worauf er anspielt: Aretha Franklin wurde, so deutet es der Film „Respect“ an, von einem Bekannten ihres Vaters vergewaltigt und schwanger, später wurde sie von ihrem ersten Ehemann Ted White misshandelt. Ihr Vater wurde 1979 in Detroit von mehreren Schüssen niedergestreckt, wovon er sich bis zu seinem Tod fünf Jahre später nicht mehr erholte. Jennifer Hudson wiederum verlor 2008 ihre Mutter, ihren Bruder und ihren Neffen, die von ihrem früheren Schwager ermordet wurden.

Brenda Nicole Moorer als Brenda Franklin, Hailey Kilgore als Carolyn Franklin,
Saycon Sengbloh als Erma Franklin und Jennifer Hudson als Aretha Franklin im Film „Respect“.
Brenda Nicole Moorer als Brenda Franklin, Hailey Kilgore als Carolyn Franklin, Saycon Sengbloh als Erma Franklin und Jennifer Hudson als Aretha Franklin im Film „Respect“. : Bild: Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

Die optische Ähnlichkeit zwischen Franklin und Hudson hält sich dagegen in Grenzen – das stellte Clint Ramos, den Kostümdesigner von „Respect“, vor Herausforderungen. „Natürlich verbindet diese beiden Ausnahmesängerinnen vieles, vom Aufwachsen in der Kirche bis zu den ganz allgemeinen Erfahrungen des Schwarzseins in den Vereinigten Staaten. Aber von ihrer Physiognomie her sind sie wirklich sehr verschieden“, sagt Ramos. Er hatte allein für die Protagonistin 85 verschiedene Kostüme zu verantworten. „Die teilweise dank Foto- und Videoaufnahmen ikonischen Outfits von Aretha aus den sechziger Jahren existieren heute ja nicht mehr.“ Er habe sich Freiheiten nehmen können, gerade weil Aretha Franklin und Jennifer Hudson sich in Körpergröße und Figur stark unterscheiden. „Jennifer wirkt viel schwebender und leichtfüßiger als Aretha, deswegen sollten die Kostüme helfen, ihr mehr Bodenhaftung zu geben.“

Von den Fünfzigern bis zum legendären Kirchenkonzert 1972

Die Regisseurin Liesl Tommy, die ebenfalls vom Broadway kommt (für das Stück „Eclipsed“ war sie als erste schwarze Regisseurin für einen Tony Award nominiert) und nun ihr Spielfilmdebüt gibt, schwärmt von ihrer Hauptdarstellerin. „Ihre Stimme mit dem gefühlt grenzenlosen Tonumfang ist das eine“, sagt sie. „Dieses gottgegebene Gesangstalent macht mich immer wieder sprachlos. Aber ich glaube, dass Jennifer das Publikum nicht zuletzt mit ihrer Emotionalität umhauen wird. Aretha Franklin konnte unglaublich reserviert und schüchtern und dann wieder enorm aufbrausend und kraftvoll sein. Jennifer gelingt es mit ihrem Spiel, das gesamte Spektrum abzudecken.“

Der Film beschränkt sich auf die Jahre von Franklins Kindheit in den Fünfzigern bis zum legendären Kirchenkonzert 1972, bei dem das Livealbum „Amazing Grace“ entstand.
Der Film beschränkt sich auf die Jahre von Franklins Kindheit in den Fünfzigern bis zum legendären Kirchenkonzert 1972, bei dem das Livealbum „Amazing Grace“ entstand. : Bild: Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

Dass sich der Film auf die Jahre von Franklins Kindheit in den Fünfzigern bis zum legendären Kirchenkonzert 1972 beschränkt, bei dem das Livealbum „Amazing Grace“ entstand, sei ihre Idee gewesen, sagt die Regisseurin in einer späten Mittagspause am Set in Duluth – abends um 20 Uhr ist dort erst der halbe Drehtag vorbei. „Ich bin kein Fan von filmischen Biografien, die von der Geburt bis zum Tod reichen. Die wirken meist so, als arbeite da nur jemand den Wikipedia- Eintrag ab, um bloß keinen wichtigen Punkt zu vergessen.“ Wenn man sich auf einen bestimmten Lebensabschnitt konzentriere, sei es leichter, in die Tiefe zu gehen.

Die Entscheidung für die beiden Jahrzehnte, auf die sich „Respect“ nun beschränkt, war dabei schnell getroffen. „Die meisten von uns haben die späte Aretha Franklin vor Augen, mit einer endlosen Reihe von Hits, selbstbewusst und um ihr Können wissend“, sagt Liesl Tommy. Ihr sei es dagegen wichtig gewesen, die vorausgegangene Entwicklung zu zeigen. „Dass es da ein unsicheres junges Mädchen gab, das zwar die vielleicht größte Stimme aller Zeiten besaß – aber trotzdem zunächst ihre eigene Stimme finden musste.“

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