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Die 37 Jahre alte Schauspielerin Felicity Jones war mit „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ für einen Oscar nominiert Bild: Ben Weller

Felicity Jones im Interview : „Es wird nicht alles wie vorher“

  • -Aktualisiert am

Seit Mittwoch ist Felicity Jones auf Netflix im Film „The Midnight Sky“ zu sehen. Im Interview spricht sie über ihr Verhältnis zum Himmel, die Arbeit mit George Clooney und ihr Vorbild Ruth Bader Ginsburg.

          5 Min.

          Mrs. Jones, wenn – wie bei Ihrem neuen Film „The Midnight Sky“ – George Clooney anruft und eine Rolle anbietet, reicht das für Sie dann schon für eine Zusage?

          Es schadet auf jeden Fall nicht, wie Sie sich vorstellen können. Allerdings habe ich schon auch das Drehbuch gelesen, das mich sehr berührt hat. Ich mochte die Astronautin, die ich spiele, gerade in ihrer Stille. Aber auch die Mischung aus Action und Science-Fiction einerseits und philosophischen Fragen andererseits gefiel mir ausgesprochen gut. Wie gehen wir mit Extremsituationen um, wie überstehen wir sie? Worauf kommt es uns im Leben wirklich an? Ich hätte beim Drehen nicht gedacht, dass mich all diese Dinge einige Monate später auch im realen Leben beschäftigen würden.

          Bietet der Film auch Antworten auf diese Fragen? Das wäre derzeit ja hilfreich ...

          In der Kunst sind die Fragen ja meistens wichtiger als die Antworten, und ich fürchte, da ist auch „The Midnight Sky“ keine Ausnahme. Tut mir leid. Aber dem Film wohnt ein Gefühl von Hoffnung inne. Vielleicht hilft das?

          Das Weltall, die Sterne, die unbekannten Weiten – ist das etwas, für das Sie sich interessieren?

          Ich gehörte nie zu den Kindern, die sonderlich viel in die Sterne geguckt haben. Aber mich hat das All immer visuell interessiert. Funkelnde Sterne und Planeten vor diesem dunklen Nichts als Hintergrund – das sieht einfach toll aus. Für einen Traum vom Astronauten-Dasein ist das aber natürlich zu wenig gewesen. Zum Glück, denn die Arbeit an diesem Film hat mir sehr eindrücklich vor Augen geführt, dass das kein Job für mich wäre. Eingesperrt zu sein in einem beengten Raumschiff in der Mitte des Nirgendwos – da würde ich meine Familie und Freunde viel zu sehr vermissen. Ich bin wohl doch eine sehr erdverbundene Person.

          Dann lassen Sie uns lieber über Ihren Regisseur und Kollegen Clooney sprechen. Was macht ihn als Filmemacher aus?

          Wenn er Regie führt, ist er der Boss, durch und durch. Er weiß genau, was er will, und ist ein echter Teamleader. Man entwickelt den dringenden Wunsch, Mr. Clooney alles recht zu machen, einfach weil man so viel Respekt vor ihm hat. Aber es ist auch wirklich leicht, bei ihm gute Arbeit abzuliefern, denn er schafft geradezu luxuriöse Bedingungen. Man muss sich nie darum bemühen, Zeit und Raum für sich selbst zu finden, denn dafür sorgt er schon von sich aus. Vermutlich auch, weil er selbst weiß, was Schauspieler brauchen. In jedem Fall übertreibe ich nicht, wenn ich sage, dass der Dreh zu „The Midnight Sky“ zu den besten Arbeitserfahrungen meines Lebens gehört.

          Sie hatten die Rolle gerade angenommen, als Sie feststellten, dass Sie schwanger sind. Daraufhin änderte Clooney prompt das komplette Drehbuch.

          Andere Regisseure hätten die Rolle womöglich umbesetzt oder um die Schwangerschaft herum gedreht, aber er hat sie einfach direkt in den Film integriert. Damit wurde er natürlich zu meinem persönlichen Helden. Und für mich machte es die Arbeit so viel angenehmer, dass ich ganz offen damit umgehen konnte und nichts verstecken musste. Aber es zeugt eben auch von seiner Reife und seinem Mut, so kurzfristig die Geschichte zu verändern und zu erkennen, dass sie mit einer schwangeren Protagonistin womöglich genauso gut oder sogar noch spannender funktioniert. Denn auf dem Weg zurück zur Erde wird für diese kleine Astronauten-Crew, die keine Ahnung hat, was sie erwartet, dieses ungeborene Baby plötzlich zu einem Symbol der Hoffnung.

          Stichwort Hoffnung: Wie blicken Sie dieser Tage in die Zukunft?

          Es ist wirklich nicht leicht, derzeit hoffnungsvoll und optimistisch zu bleiben, wenn man sich den Zustand der Welt ansieht. Was für eine seltsame Zeit, in der wir uns befinden, in jeder Hinsicht. Irgendwie scheint uns nichts anderes übrig zu bleiben, als zu akzeptieren, dass wir nicht wissen, was die Zukunft bringt. Aber gleichzeitig klammere ich mich an den Gedanken, dass sich das Universum stets in Richtung des Guten neigt und das auf lange Sicht auch für die aktuelle Lage gilt. Auf jeden Fall stellt die derzeitige Situation uns als Gesellschaft ganz schön auf die Probe.

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