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Flohmarkt nach Corona-Pause : Entspanntes Trödeln am Osthafen

  • -Aktualisiert am

Vintage: Auf dem Flohmarkt gibt es auch wirklichen Trödel für Audiophile, so wie diese Ware hier Bild: Albermann, Martin

Der Frankfurter Flohmarkt hat wieder geöffnet – viele Händler und Käufer sind aber noch nicht zurück. Dabei braucht manch ein Anbieter den Umsatz dringend.

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          Ein Paar grüne Gummistiefel, Autoreifen, Gemälde, Toaster, bemalte Vasen und Perserteppiche bedecken den Asphalt der Lindleystraße und färben das sonst karge Industriegebiet im Frankfurter Osthafen zumindest für diesen Samstagvormittag bunter. Von engem Treiben kann hier aber nicht die Rede sein: Zwischen den Ständen bleibt viel Platz, nur wenige Menschen stöbern gemütlich durch die Waren. Alles wirkt ein wenig verschlafen.

          Sophie Lang hat den Beginn des Frankfurter Flohmarktes nach der fast achtmonatigen Zwangspause lange herbeigesehnt. Seit 2005 besucht sie fast jeden Samstag den Flohmarkt, wie sie erzählt, und ist auch gleich zur Wiedereröffnung da, schaut sich dies und das an und unterhält sich mit den Händlern zu einem Kaffee aus dem Pappbecher. Über die Jahre habe sie sich mit Händlern angefreundet und komme immer, um mit ihnen zu plaudern.

          Aber sie nehme auch jedes Mal etwas mit nach Hause. Diesen Samstag sind unter anderem goldenes Salatbesteck und große Matrjoschka-Puppen dabei. „Unsere Wohnung ist voll“, sagt sie und lacht. Sie erzählt, einmal habe ihr ein Händler Silberbesteck zur Geburt ihres einen Sohnes geschenkt. Mit einigen Händlern und Käufern tausche sie sich auch über eine Whatsapp-Gruppe aus.

          Lohn als Küchenhilfe reicht nicht

          Sabir Taufik, einer ihrer Flohmarkt-Bekannten, verkauft Trödel und Krimskrams seit 2004, schon seit 1996 ist sein Freund Ahmed dabei. Taufik ist auf den Umsatz, den er auf dem Flohmarkt macht, nach seinen Worten angewiesen. Er arbeitet als Küchenhilfe in einer Kantine, der Lohn reiche aber nicht aus, um seine Familie zu unterhalten. In der Corona-Zeit habe sich einiges an Sachen angesammelt, aber irgendwann seien die Garage und der Bus, in dem er seinen Trödel lagere, voll gewesen. Einiges mussten sie  zum Sperrmüll geben, wie er sagt. Ware beziehe er vor allem durch Haushaltsauflösungen.

          Hingucker: Unter diesen Uhren findet sich manches Schätzchen aus den Siebzigern, sofern das Werk noch intakt ist
          Hingucker: Unter diesen Uhren findet sich manches Schätzchen aus den Siebzigern, sofern das Werk noch intakt ist : Bild: Albermann, Martin

          Das Geschäft an diesem Samstag bezeichnet er als eine Enttäuschung. Trotz des guten Wetters seien weniger Leute als sonst da. Touristen und Kundschaft, die bereit seien, mehr zu zahlen, machten sich rar. Es sei Optimist, aber vor der Zukunft habe er dennoch Angst: Er glaubt, dass es im Herbst wegen Corona abermals zu einem Lockdown kommen werde und der Flohmarkt wieder schließen müsse. Auch bei anderen Händlern hat sich über die vergangenen Monate viel angesammelt. Adrean Funckes Keller sei zum Bersten gefüllt, allein 130 Tassen lagerten dort. Ihr gehe es bei dem Flohmarkt nicht um Geld, sie versuche einfach ihren Trödel loszuwerden und habe Spaß dabei.

          Alte Objektive und das pure Leben

          Ein Händler, der Playmobil-Figuren, Silberbesteck und alte Objektive verkauft, genießt das „pure Leben“ auf der Lindleystraße. Für Spezialisten, die in der Regel vor 9 Uhr kämen, um Silber und Uhren zu kaufen, halte er oft die besonderen Stücke zurück, für Familien, die erst von 12 Uhr an auftauchten, baue er die Playmobil-Ritterburg auf.

          Willy Lufudu ist auf Holzfiguren und Masken aus dem Kongo spezialisiert: Seit 15 Jahren verkauft er seine Ware auf dem Flohmarkt und kennt die Vorlieben seiner Kunden in Frankfurt dementsprechend gut, wie er sagt. Einer der Sammler ist an diesem Tag zu ihm gekommen, um zu zeigen, dass er auch nach der langen Flohmarkt-Pause noch an Lufudus Ware interessiert ist. In Berlin habe er auch über den Lockdown hinweg nach afrikanischen Figuren suchen können, für die Händler in Frankfurt aber war der Verkauf nicht möglich.

          Er beklagt, Frankfurt lasse seinen Flohmarkt „so gehen“. Die Atmosphäre auf der Lindleystraße reiche nicht an jene am Schaumainkai heran, und auch die Ware hier sei eher Ramsch als richtiger Trödel. Sophie Lang vermisst ebenfalls den Flair des Sachsenhäuser Marktes, der erst wegen der Sperrung des Mainkais und jetzt wegen Corona nicht betrieben wird.

          Textiler: Auf dem Flohmarkt zeigt sich, was ein Wühltisch ist
          Textiler: Auf dem Flohmarkt zeigt sich, was ein Wühltisch ist : Bild: Albermann, Martin

          Einige Studenten aber, die sehr erfolgreich Schallplatten ergattert haben, mögen die ruhige Atmosphäre. Gegen 12 Uhr wird es etwas belebter, so langsam mischen sich Essensgerüche mit der trockenen Sommerluft.

          Auch die Händlerin Heidi Rehwinkel findet es angenehm, dass der Flohmarkt etwas leerer ist. Warum so wenige Stände aufgeschlagen haben, verstehe sie aber nicht: Die HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt, die den Flohmarkt organisiert, habe es den Verkäufern sehr einfach gemacht, einen Stand zu mieten. Trotz der Startschwierigkeiten sei sie sich aber sicher, dass der Flohmarkt bald wieder richtig anlaufen werde.

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