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Der Wandertipp für Rhein-Main : Ein Symbol der Freundschaft

  • -Aktualisiert am

Malerisch: Ein architektonisches Juwel an der Wanderstrecke Bild: Thomas Klein

Fast wie einst: Seit der grundlegenden Sanierung der Sommerresidenz Fürstenlager ist der Geist der Empfindsamkeit wieder spürbar.

          5 Min.

          Wie Liebende sind die beiden L am Freundschaftsaltar miteinander verwoben. Als Zeichen inniger Bande sollte der Sandsteinblock verstanden werden, den das Erbprinzenpaar Ludwig X. und Luise von Hessen-Darmstadt 1783 hoch über dem Fürstenlager bei Bensheim-Auerbach aufstellte, gewidmet wahrer Freundschaft: „A la vraie amitié“.

          Es bedurfte erst dieser Sicht im Geist der Empfindsamkeit, um den tiefen Taleinschnitt am Rand der Bergstraße wiederzubeleben, nachdem hoffnungsfrohe Pläne, eine 1739 entdeckte Quelle zum „Gesundbrunnen“ auszubauen, mangels Heilkraft zerstoben waren. Allerdings soll sie ausgerechnet beim kränkelnden Ludwig wahre Wunder gewirkt haben – womit sich fügte, dass die Nähe zu dem Wässerchen dem Ideal entgegenkam, im Sinne Rousseaus im Einklang mit der Natur zu leben.

          Entsprechend pflegte das Landgrafen- und nachmalige Großherzogspaar einen vergleichsweise bescheidenen Aufwand, wenn es seit der Regentschaftsübernahme 1790 Sommer für Sommer ins Fürstenlager zog. Die Bediensteten wohnten in den gleichförmigen Mansardhäusern eines „Dörfchens“, etwas abgesetzt von dem zweistöckigen Herrenhaus, das heute gastronomisch genutzt wird. Etwas gewöhnungsbedürftig wurde ihm bei der Generalüberholung der gesamten, heute durch die Verwaltung der Schlösser und Gärten betreuten Anlage nach Jahrzehnten in gelblich-braunem Gewand das Grauweiß aller Gebäude übergestreift.

          Durch Stürme gerissenen Lücken

          Als Glücksfall für die Authentizität von baulicher und gärtnerischer Architektur erwies sich der Erhalt ursprünglicher Pläne und früher Zeichnungen. Auch die 1990 durch schwere Stürme gerissenen Lücken nutzte man, um mit dem Anpflanzen von Pappeln und Linden dem Original zu entsprechen. Nur die exotischen Gehölze entstammen vorwiegend dem modischen Zug der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts, Parks mit Ginkgos, Zypressen oder Mammutbäumen zu veredeln. Der älteste und heute mit 55 Metern vermutlich größte Europas kam schon 1852 als Geschenk des englischen Königshauses ins Fürstenlager, ein Begriff, den weiland der Volksmund formte.

          Die Bevölkerung durfte das 42 Hektar große Gelände frei betreten und der herrschaftlichen Familie beim „Lagern“ zusehen, wie in der kleinen Dauerausstellung im sogenannten Pisé- oder Fremdenbau am unteren Eingang nachzulesen ist. Selbst zwischen den Kindern bestand keine Kontaktsperre.

          Wegbeschreibung

          So man vom Bensheimer Bahnhof der Rodensteiner Straße (B 3 und B 47) nicht gleich links folgt, gelangt man geradeaus auf der Bahnhofstraße in das verkehrsberuhigte Zentrum mit seinen Adelshöfen und Fachwerkbauten. Dominiert wird es von der klassizistischen St.-Georg-Kirche.

          Auf der Hauptstraße erreicht man die große Kreuzung am Ritterplatz, wo die beiden Bundesstraßen auseinanderlaufen. Ringsum finden Autofahrer mehrere, relativ kostengünstige Parkhäuser. Dann folgt man kurz der B 47 (Nibelungenstraße) zur linksseitigen Kalkgasse, die man hinaufgeht. Oben wendet man sich mit der Markierung gelbes B und anderen Zeichen nach links und läuft zunächst zwischen Stadtpark und Weinbergen, dann über ein Pfädchen zwischen Wald und Häuserrand.

          Die Gebäude entpuppen sich, nach den Links-rechts-Abzweigen zu und auf die Ernst-Ludwig-Straße, als fast geschlossenes Ensemble der verspielten Jugendstil- und Landhausvillen Heinrich Metzendorfs aus den Jahren um 1900. Im weiteren Verlauf werden sie von gehobenen Domizilen neuerer Architektur abgelöst. Zu beachten sind später Links-rechts-Knicke wieder an den Rand von Weinbergen, bevor es schließlich mit dem befestigten Weg rechts in die beiderseits ansteigenden Rebzeilen geht.

          Das B vollführt einen Haken hinein. Geradeaus lässt sich der auch auslassen, bevor es an der Informationstafel in eine Linkskurve geht. Ausgangs davon bleibt der Buchstabe zugunsten der gelben 8 zurück. Sie weist rechts hinauf zum obersten Rand des Fürstenlagers. Links- oder rechtsherum, ist nun die Frage: Links kommt man zum 200 Meter entfernten Freundschaftsaltar und einem großartigen Aussichtspunkt über die Rheinebene.

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