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Die französische Impfkampagne setzt auf Humor – und Sex. Bild: Martin Fassnacht/Twitter

Impfkampagne in Deutschland : Make love, not bore

Wie können Impfmüde und Impfmuffel für den kleinen Pieks begeistert werden? Die Franzosen machen’s vor: Sex macht müde Muffel munter.

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          Was ist das Erste, was Sie tun wollen, wenn „das alles hier“ vorbei ist? Oder zumindest: wir „das alles hier“ etwas besser im Griff haben? Die Nadel war im Arm, zweimal, der Impfschutz hat sich über 14 Tage hinweg aufgebaut, und Sie sind frei, freier zumindest als zuvor. Und dann? Urlaub unter Palmen? Drinks mit Freunden? Heiße französische Küsse mit einem Fremden? Alles jedenfalls besser als ein Stelldichein mit David Hasselhoff – könnte man meinen.

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Mit Hasselhoff und anderen Prominenten wie Uschi Glas, Günther Jauch oder Reiner Calmund nämlich wird in Deutschland dafür geworben, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Dazu haben die Abgelichteten neckisch ihren Ärmel hochgezogen und zeigen das Impfpflaster, im Fall von David Hasselhoff – na klar – mit angespanntem Bizeps. Der Hashtag zu diesen Bildern lautet „ÄrmelHoch“, bei Hasselhoff würde auch #strong, #fit oder #boomer passen.

          Komischerweise kommt diese Kampagne (laut Wutbürgern „alles vom Staat finanziert“) gar nicht so berauschend bei den impfmüden Bürgern an. Merkwürdig: Wer will sich nicht impfen lassen, wenn es doch Alice Schwarzer auch mal gemacht hat? Wer schreckt nicht direkt auf und rennt ins nächstbeste Impfzentrum, wenn er das frechgelbe Pflaster keck auf Reiner Calmunds Arm kleben sieht?

          Nun fordert sogar die Ärztegewerkschaft eine kreativere Impfkampagne, und, ehrlich gesagt: Das will schon was heißen. Die Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna, sagte in einem Interview, es sei entscheidend, „nun auch all diejenigen zu erreichen, die bisher – aus welchen Gründen auch immer – noch zögern oder überzeugt werden wollen“. Da sei etwas mehr Kreativität bei den örtlichen Behörden gefragt. „Etwas“ ist ja bekanntlich ein dehnbarer Begriff. Schaut man sich zum Vergleich die französische Impfkampagne an, fällt auf, dass unsere Nachbarn entweder mehr Spaß haben, mehr Sex, mehr Humor – oder einfach bessere Werbung machen: Zwei attraktive, junge, mutmaßlich französische Menschen küssen sich heiß und innig, darauf der Schriftzug: „Ja, der Impfstoff kann erwünschte Nebenwirkungen haben.“

          Dabei hat unser Bundesgesundheitsministerium es einst gar nicht so verkehrt gemacht: „Besondere Helden“ hieß die Kampagne, die junge Menschen im vergangenen Jahr dazu aufrief, nichts zu machen, nur zu gammeln und Pizza zu essen und eben bloß zu Hause zu bleiben. Eigentlich eine ganz nette, wenn auch weltfremde Idee (manch ein junger Mensch muss ja, wer’s glaubt oder nicht, arbeiten gehen). Es folgte: ein Shitstorm der humorbefreiten Deutschen, klar.

          Die Politik hat daraus gelernt. Nun also agiert man ungefähr auf dem Niveau der durchschnittlichen Abendunterhaltung in den Öffentlich-Rechtlichen: ein bisschen Fußball (Emre Can), ein bisschen Schlager (David H.), ein bisschen Romantik für Ü70 (Uschi Glas), ein bisschen Quiz oder Talk (Günther Jauch), ein bisschen „Tatort“ (Jasna Fritzi Bauer). Vollkommen ungefährlich, könnte man meinen. Und was passiert? Auch das ist den deutschen Nörglern nicht recht. Nun wird gefragt, warum wir keine sexy Kampagne à la Frankreich haben.

          Wir hätten da einen Vorschlag, wie’s aufgehübscht werden könnte: Wie wär’s mit Einflussreichen, auf die junge Menschen tatsächlich hören? Wie wär’s mit sexy Influencern?

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