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Der Wandertipp : Im Zeichen des Sandsteins

  • -Aktualisiert am

Seit ihrer Sanierung leuchtet die Freudenburg am Main wieder in den schönsten Sandsteinfarben. Sie besitzt mit 32 Metern Höhe und einem Sockelgeschoss von 15 Metern im Quadrat einen der größten Bergfriede überhaupt. Bild: Thomas Klein

Seit ihrer Restaurierung erstrahlt die Freudenburg über Freudenberg am Main wieder in farbenfrohem Sandstein. Als Werkstoff war er bereits vor 3000 Jahren begehrt und fand auch in rheinischen Domen Verwendung.

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          Burg für Burg werden seit Jahren die Gemäuer am Mainviereck zwischen Wertheim und Miltenberg saniert. Vom Bewuchs befreit, der Sandstein ausgebessert und gesäubert, überragen sie wieder respektheischend die steilen Uferhänge. Wo etwa die Freudenburg kaum aus den Bäumen schaute, wirkt sie durch ihren stufenartigen Aufbau jetzt fast wie eine Pyramide mit der Spitze des sich verjüngenden Bergfrieds. Bei knapp 15 Metern Kantenlänge im Quadrat ließ ihn um 1195 das Würzburger Hochstift gegen seinen Intimfeind, das Erzbistum Mainz, als einen der größten errichten.

          Trotz mehrfachen Besitzerwechsels blieb die faktisch uneinnehmbare Feste immer begehrtes Unterpfand und wurde bis ins 16. Jahrhundert den wehrtechnischen Erfordernissen angepasst. Auch das zu ihren Füßen erwachsene Freudenberg bezog man seit der Aufwertung zur Stadt 1287 durch lange Verbindungsmauern in das Sicherungssystem ein. Vollständig bewahrt, sind sie ebenfalls freigestellt, während am Main jetzt auch der ärgste Feind in Schach gehalten wird – das stets wiederkehrende Hochwasser.

          Durch Erhöhen des Damms und der Möglichkeit, mobile Wände aufzusetzen, sieht sich die Gemeinde gegen ein „Zweijahrhunderthochwasser“ gewappnet: Zugleich nutzte man die Chance, die Uferpartie mit Wegen, Freisitzen und einem Gasthof aufzuwerten. Nur den beengten Verhältnissen dürfte nie ganz zu entrinnen sein: Zwischen Fluss und Steilhang bleibt gerade Platz für schmale Häuserzeilen und eine Durchgangsstraße. Selbst die barocke Laurentiuskirche musste traufseitig plaziert werden. Einzig das erhöht stehende Rathaus aus dem 16. Jahrhundert blickt stolz zur Mainfront.

          Ansonsten bestimmte Sandstein das Bewusstsein. Noch heute sieht man zu beiden Ufern die für Steinbrüche aufgerissenen Flanken. Praktischerweise hielt der mächtige Rücken von Bürgstadter Berg und Wannenberg auch ausgestreute Brocken bereit. Erst waren es Menschen der späten Bronze- und Keltenzeit, die sich für kilometerlange Ringwälle bedienten, woran ein rekonstruierter Torbau erinnert, dann zogen im 11. Jahrhundert Steinmetze auf, um Säulen und Trommeln etwa für rheinische Dome zu schlagen.

          An einigen zurückgelassenen der Heunefässer oder -säulen genannten Werkstücke sind noch Vorzeichnungen erkennbar. Wie wurden sie gen Tal befördert? Später, da ihre Bedeutung vergessen ging, machte sich des Volkes Phantasie seinen Reim darauf. Wer anders als riesenhafte Hünen (früher Heunen) sollte die gewaltigen Felsen bearbeitet und fortbewegt haben?

          Wegbeschreibung:

          Bei Anreise mit der Bahn entsteigt man rechtsmainisch in Kirschfurt dem Zug. Es gibt dort zwar auch einen Parkplatz, weitaus mehr Stellfläche bietet jedoch der lange Streifen an der Freudenberger Seite. In beiden Fällen gibt der Uferweg flussabwärts die Richtung vor – Markierung F1.

          Die auch bei Radlern beliebte Strecke gleitet in Vegetation hinein, links Wiesen, rechts ein dichter Baum- und Strauchvorhang am Wasser, nicht ohne gelegentlich Geschwader an Nilgänsen und Enten freizugeben. 20 Minuten später kehren wir ihnen nach links den Rücken und wechseln über Straße und Parkplatz in den Wald.

          Aus dem Gestein wurde auch ein drei Kilometer langer Ringwall von prähistorischen Völkern geschichtet. Das mörtellos aufgesetzte Osttor wurde auf Basis von Grabungen um 1990 rekonstruiert.
          Aus dem Gestein wurde auch ein drei Kilometer langer Ringwall von prähistorischen Völkern geschichtet. Das mörtellos aufgesetzte Osttor wurde auf Basis von Grabungen um 1990 rekonstruiert. : Bild: Thomas Klein

          Rampenartig gewinnt man links aufwärts an Höhe, fortgesetzt, wenn nach einem Kilometer scharf rechts zum blauen M abgebogen wird (F 1 bleibt zurück). Der für den Mainwanderweg stehende Buchstabe geht auf Distanz zu seinem Sujet, selbst Blickkontakte verhindert der abwechslungsreiche Baumbestand. Dagegen sind die Sichtverhältnisse an der westlichen Bergseite über Miltenberg und Bürgstadt vor dem Mainknie umso beeindruckender – erst von der kleinen, 1954 gestifteten Marienkapelle mit hölzerner Madonna, dann von der eine Etage höher liegenden Centgrafenkapelle. Für sie wechseln wir kurz nach dem Kapellchen links hinauf zum gelben Quadrat und dem rotem N des Nibelungensteigs. Mit der nahen Haarnadelkurve wenden diese nach rechts und führen in direkter Linie zur gotisierenden Centgrafenkapelle. Auch sie, 1629 begonnen, aber wegen des Dreißigjährigen Kriegs unvollendet geblieben, ist vollständig restauriert, ohne ihren halbruinösen Zustand zu verändern.

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