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Verschwörungstheorien : Spiel mir das Lied vom Wendler

Michael Wendler Anfang des Jahres in der RTL-Tanzshow „Let's Dance“ Bild: dpa

Schlagerstar Michael Wendler verlässt die Jury von „Deutschland sucht den Superstar” – und verbreitet in seiner Begründung Corona-Verschwörungstheorien. Sein Manager kämpft in einer Livesendung zum Thema mit den Tränen.

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          Es klingt wie eine Szene aus einer Telenovela: Michael Wendler, Schlagersuperstar und Reality-TV-Größe, steht an der Reling des Schiffs, auf dem die Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ gedreht wird, und hat ein nachdenkliches Gespräch mit seinem Manager. Er werde wahrscheinlich nicht weitermachen, soll Wendler gesagt haben. Sein Manager findet das komisch, nimmt die Absage aber nicht ganz ernst.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Doch Michael Wendler macht ernst. Nach Xavier Naidoo verlässt ein weiterer Juror das RTL-Format „Deutschland sucht den Superstar”, um stattdessen auf Telegram Verschwörungstheorien zu verbreiten. Michael Wendler, Schlagerstar und Mann von Laura Müller, hat die Jury auf eigenen Wunsch verlassen – wie er selbst in seiner Instagram-Story verkündete.

          Dort spricht Wendler am Donnerstag in seine Selfie-Cam, der faltenglättende Filter „Suomi_Skin” ist drübergelegt und lässt sein Gesicht merkwürdig Babypopo-rosa schimmern: „Ich werfe der Bundesregierung bezüglich der angeblichen Corona-Pandemie und deren resultierenden Maßnahmen (sic!) grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung und des Grundgesetzes (sic!) vor.” Ihn hat wohl niemand darauf hingewiesen, dass das Grundgesetz die deutsche Verfassung ist. Wendler fährt fort, er tue das nicht allein, sondern zusammen mit zahllosen anderen, er nennt einige Namen von Rechtsanwälten. „Nahezu alle Fernsehsender, inklusive RTL, machen sich mitschuldig, sind gleichgeschaltet, politisch gesteuert. Ab sofort erreicht ihr mich unter meinem neuen Kanal auf Telegram.”

          Die Plattform Telegram sei die einzige Möglichkeit, „zensurfrei Meinung auszutauschen”. Alle anderen Portale seien zensiert, wichtige Informationen würden gelöscht. „Seid schlau. Folgt mir sofort.” Wendler, der den gesamten Text von einem Zettel, auf den er immer wieder schaut, abgelesen hat, steht am Ende da wie ein Krieger, der die Wahrheit verteidigen muss, schaut mit Modelblick in die Selfie-Cam, den man in anderem Kontext wohl als „sexy-serious” bezeichnen könnte. „Danke”, haucht er ganz zum Schluss noch gen Kamera, so wie jemand, der weiß, dass er das einzig Richtige tut – und das gegen alle Widerstände. Fehlt eigentlich nur noch die Emotion-Faust oder pathetisch im Wind wehendes Haar.

          Was Michael Wendler da verbreitet, sind die gleichen verschwörungstheoretischen Narrative, die auch Xavier Naidoo, der dafür aus der DSDS-Jury gegangen wurde, oder der vegane Koch Attila Hildmann verbreiten. Der Ausstieg Wendlers aus der Sendung kam für viele äußerst überraschend. Aber RTL reagierte schnell: Am Donnerstagabend lud Oliver Pocher in seiner Sendung „Gefährlich ehrlich“ zu einer Ausgabe über Michael Wendler ein. Pocher und Wendler galten in der Trash-TV-Szene lange als Erzfeinde, schließlich hatte Pocher den Sänger in diversen Musikvideos aufs Korn genommen. Dann traten sie aber zusammen in einer RTL-Show gegeneinander an, und im Mai öffnete sich Michael Wendler in Pochers Podcast  – und sprach etwa über seine Schulden, dazu später mehr.

          „Ähhhh, Wahnsinn!”, leitet Pocher das Gespräch am Donnerstagabend auch gewohnt tiefsinnig ein. Doch was Wendler-Manager Krampe dann erzählt, ist dramatisch. „Auch für mich ist das ein Schock. Es hat sich über einen längeren Zeitraum angedeutet.” Eigentlich sei es in der letzten Zeit sehr gut gelaufen für Michael Wendler, der immer erfolgreicher geworden sei.

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