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Cardi Bs Song „WAP“ : Wenn Frauen gerne Sex haben

Rapperin Cardi B bei einem Auftritt 2019 Bild: dpa

Der Song „WAP“ von Cardi B und Megan Thee Stallion hat schon jetzt Rekorde gebrochen – und in Amerika eine Debatte entfacht. Dabei wird mit zweierlei Maß gemessen.

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          „Du f**** mit einer arschnassen Pussy“: So ungefähr könnte man die Zeilen im Refrain von Cardi Bs neuer Hitsingle „WAP“ (= Wet-ass pussy) übersetzen. Vor zwei Wochen wurde das dazugehörige Video auf Youtube veröffentlicht, 115 Millionen Mal wurde es seither angeschaut. Cardi B und ihre Kollegin Megan Thee Stallion haben mit dem Lied laut dem „Billboard Magazine“ einen Rekord gebrochen: Noch nie wurde ein Song innerhalb der ersten Woche so häufig gestreamt, in den Vereinigten Staaten allein 93 Millionen Mal. And counting…

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nun hat der Song für einige Furore gesorgt, denn sein Text ist wirklich explizit. Cardi B und Megan Thee Stallion rappen, grob zusammengefasst, von sehr feuchten Scheiden, so feucht, dass man einen Eimer und einen Wischmopp für das Vaginalsekret braucht. Sie beschreiben, welche Sexualpraktiken sie dabei besonders bevorzugen und machen nicht unbedingt dezente Vergleiche, wie den, dass jemand doch bitte sein großes Auto in ihrer winzigkleinen Garage parken solle. Im Video sind Cardi B und Megan Thee Stallion zu sehen, die durch eine Villa laufen, in der goldene Hintern und Brüste an den Wänden hängen, aus den Nippeln spritzt Wasser. Die beiden räkeln sich in verschiedenen Settings oder tanzen mit anderen Frauen. Es gibt auch Gastauftritte, von Kylie Jenner, die lasziv einen Flur entlanggeht, von den Sängerinnen Normani and Rosalía und den Rapperinnen Mulatto, Sukihana and Rubi Rose.

          So weit, so gewöhnlich. Dies ist schließlich nicht der erste Rapsong, in dem es um Sex, Stellungen, Praktiken und Vorlieben geht, und nicht das erste Musikvideo, in dem sich spärlich bekleidete Frauen schütteln. Trotzdem hat „WAP“ die Gemüter erhitzt. Konservative Stimmen in den Vereinigten Staaten fordern ein Verbot des Songs, von dem es übrigens eine jugendfreie Version gibt, in der es „gushy“ statt „pussy“ heißt (und die laut „The Vulture“ eigentlich trotzdem viel versauter ist als die unzensierte). Der republikanische Politiker James P. Bradley etwa schreibt auf Twitter: „Cardi B und Megan Thee Stallion zeigen, was passiert, wenn Kinder ohne Gott und ohne eine starke Vaterfigur aufwachsen. Als ich – versehentlich – ihren neuen Song hörte, wollte ich mir heiliges Wasser in die Ohren spritzen, und ich habe Mitleid mit künftigen Mädchengenerationen, wenn das ihre Rollenvorbilder sind.“

          Heiliges Wasser? Das aus den Ohren quillt? Sollte womöglich die Bibel, die menstruierende Frauen unrein nennt und ihnen empfiehlt, nicht das Haus zu verlassen, künftige Generationen von Mädchen adäquater beeinflussen? Kommentator Ben Shapiro hat ein ganzes Video aufgenommen, in dem er selbst das Video zu „WAP“ schaut, dazu den Songtext zitiert und das Ganze kommentiert. „Das ist ‚female empowerment‘“, sagt er immer wieder ungläubig und zitiert dann die Eingangszeile: „Da sind einige Huren in diesem Haus.“ Es ist für ihn und andere Kritiker schwer zu verstehen, dass Frauen, die halbnackt rappen und sich als Huren bezeichnen, gleichzeitig weiblichem Empowerment dienen. Sie finden es obszön und unanständig, wenn Frauen sich so präsentieren. Und klar, man kann das Video geschmacklos finden, den Text unanständig. Man muss es nicht mögen, wenn Menschen sich halbnackt in ihren Videos räkeln, wie es ja auch männliche Rapper oft tun.

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