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Urlaub im eigenen Land : Die Camper fühlen sich frei

  • -Aktualisiert am

Günther und Rotraud Wolf machen Urlaub auf dem Campingplatz in Offenthal. Bild: Maximilian von Lachner

Urlaub im eigenen Land und draußen liegt im Trend. Davon profitieren die Campinganbieter in Hessen, trotzdem geben sie nicht jeden Stellplatz frei.

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          Nur wenn die Ampel auf Grün steht, darf wieder einer unter die Dusche. So regelt Gerhard Schönweitz den Zugang zum Sanitärgebäude auf seinem Campingplatz im Dreieicher Ortsteil Offenthal. Ein Sensor zählt mit, sind fünf Personen im Gebäude, springt die Leuchte auf Rot.

          Die neue Ampel ist nur eine von vielen Maßnahmen, die Schönweitz eingeführt hat, um Mitarbeiter und Gäste vor einer Corona-Infektion zu schützen. Ein Spuckschutz trennt beide an der Rezeption, in Gebäuden muss eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden. Im Sanitärgebäude sind außerdem jedes zweite Waschbecken gesperrt und jede zweite Dusch- und Toilettenkabine geschlossen. Vor Betreten gilt: Hände desinfizieren. Und „lüften, lüften, lüften“, sagt Schönweitz.

          Das Camping-Flair leidet nicht

          Seit dem 15. Mai dürfen hessische Übernachtungsstätten und damit auch die Campingplätze wieder Gäste empfangen. Allerdings verlangt die Verordnung des Landes, dass die Betreiber geeignete Hygienemaßnahmen nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) ergreifen und darüber in Aushängen informieren. „Wer sich als Betreiber nicht dran hält, kann sich nicht rausreden und ist voll verantwortlich für das, was passiert. Und wir wollen ja nicht unter Quarantäne gestellt werden“, sagt Schönweitz. Eine Ansteckung auf seinem Platz könnte die ganze Saison ruinieren. Deshalb meldet sich nun jeder Gast vorab online an und muss bestätigen, dass er gesund ist und nicht aus einem Risikogebiet anreist. Auf dem Platz gilt für die Gäste das Gleiche wie überall: Abstand halten und Hygieneregeln beachten.

          Die Camper selbst sind davon unbeeindruckt. „Die Regeln kennt man ja schon aus dem Alltag“, sagt Rotraud Wolf. Sie ist mit ihrem Mann im Wohnmobil nach Dreieich gekommen. Der Stellplatz für ihr Gefährt ist groß, es gibt also genug Abstand zu den Nachbarn. Die Urlauberin hat nicht das Gefühl, eingeschränkt zu sein. Das Camping-Flair leide nicht: „Der Kontakt zwischen zwei Familien ist ja erlaubt, wir sitzen auch mal mit den Nachbarn zusammen und trinken was.“ Da die beiden Büdinger ohnehin nur spontan unterwegs sind, mussten sie wegen der Corona-Krise keine Pläne umwerfen. Mit dem Wohnmobil fühlen sie sich unabhängig. „Wir sind besser dran als Urlauber im Hotel, hier hat man mehr Freiheit“, sagt Wolf.

          Betrieb stufenweise hochfahren

          Die Umsetzung der RKI-Empfehlungen muss jeder Campingplatz an seine eigenen Gegebenheiten anpassen. Dazu formulierten weder das Land Hessen noch das RKI genaue Regeln. Schönweitz, auch Vorstandsmitglied des Verbands der Campingwirtschaft in Hessen (VCH), richtet sich deshalb nach den Empfehlungen des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD). Dieser habe umfangreich informiert. Eine Empfehlung war, den Betrieb stufenweise hochzufahren. Das bedeutete zum Beispiel im Campingpark Am Gederner See: Erst durften die Dauercamper kommen, dann die Autarken mit Dusche und Toilette an Bord. Inzwischen sind auch die Zeltcamper wieder willkommen, die auf die Sanitäranlagen angewiesen sind.

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