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Boxhotel in Hannover : Kein Fenster zum Hof

Oliver Blume, Erfinder des Boxhotels in Hannover, steht in einem seiner kleinen Hotelzimmer. Bild: dpa

Ein Unternehmer will mit Kampfpreisen das Hotelgewerbe aufmischen. Seine fensterlosen Hotelzimmer stehen aktuell in der Kritik. Wie fühlt sich eine Nacht in einer Box ohne Tageslicht an?

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          Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, von denen sich im Laufe der Zeit herausgestellt hat, dass sie zwar ganz nett sind, aber man sie streng genommen nicht braucht: Spazierstöcke zum Beispiel, oder Schlafhauben. Hinsichtlich Krawatten und Untertassen sei an dieser Stelle die Prognose gewagt, dass es ihnen auf mittlere Sicht ähnlich ergehen wird. Eine fast unangetastete Stellung in der alteuropäischen Tradition besitzt hingegen das Fenster. Ein Raum ohne Fenster taugt nach gängiger Vorstellung allenfalls als Abstellkammer. Denn ohne ein Fenster fehlt es dem Menschen an Licht, an Luft, an Leben.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Oliver Blume aus Hannover schert sich nicht um solche Konventionen. „Ich bin ein sogenannter Rulebreaker“, erklärt er. Der Unternehmer, der nach eigenen Angaben auch „sehr stark in der Zukunftsforschung engagiert“ ist, hat sich „das Konzept Hotel“ angesehen und dieses radikal „auf das Thema Schlafen“ reduziert. Fenster passten da am Schluss nicht mehr hinein. Und so hat Blume zuerst in Göttingen und dann in Hannover zwei „Boxhotels“ eröffnet, in denen die Gäste in winzigen fensterlosen Kabinen nächtigen. Demnächst möchte der Unternehmer mit Kampfpreisen die ganze Branche in Deutschland umpflügen. Noch in diesem Jahr will er Hotels in Leipzig, Hamburg und Bremen eröffnen.

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