https://www.faz.net/-hrx-a90zv

Bonnie Tyler im Gespräch : „Ich werde nie müde, diese Songs zu singen“

  • -Aktualisiert am

Sängerin Bonnie Tyler ist inzwischen 69, aber der Bühne möchte sie nach der Pandemie aber trotzdem wieder stehen Bild: dpa

In den Siebzigern wurde Bonnie Tyler mit Hits wie „It’s a Heartache“ zum Weltstar. Im Interview spricht sie über ihr neues Album, die Loyalität ihrer deutschsprachigen Fans – und den Moment, in dem sie die Musik an den Nagel hängen wollte.

          5 Min.

          Gut 45 Jahre ist es her, dass Bonnie Tyler – geboren am 8. Juni 1951 als Gaynor Hopkins in Neath – eher zufällig entdeckt wurde, als ein Talentsucher aus London sich in ihrer walisischen Heimat bei einem Konzert in den falschen Saal verirrte und statt der ursprünglich angepeilten Band auf ihren Gesang aufmerksam wurde. 1976 feierte sie mit „Lost in France“ ihren ersten Hit in Deutschland und Großbritannien, bevor ihr anderthalb Jahre und eine Stimmband-Operation später mit „It’s a Heartache“ der weltweite Durchbruch gelang. Als Rockröhre mit rauher Stimme und platinblonden Haaren wurde sie zum Inbegriff des Pop-Rocks der Achtziger Jahre, und auch wenn der Erfolg über die Jahrzehnte kleiner wurde, ist Tyler bis heute auf der ganzen Welt ein gefeierter Star. Ihre Konzerte sind regelmäßig ausverkauft, das Album „Between the Earth and the Stars“ landete 2019 in zahlreichen Ländern in den Charts. Nun erscheint mit „The Best Is Yet to Come“ (ab 26.2. im Handel) schon ihr nächstes Werk – und auch angepeilte Termine für die nächste Tournee gibt es schon (etwa am 25.7. im Schloss Oranienburg). Wir sprachen mit der 69-Jährigen vor einigen Wochen in ihrem Haus in Portugal am Telefon.

          Miss Tyler, Ihr neues Album heißt „The Best Is Yet to Come“. Ist der Name Programm?

          Na sicher! Als ich das Album aufgenommen habe, wusste ich natürlich nicht, was bevorsteht, denn wir wurden noch fertig, bevor die Corona-Pandemie uns alle erreichte. Aber dass es nun erst erscheint, finde ich ungemein passend. Denn das Beste kommt wirklich erst noch, für uns alle! Ich bin so dankbar, dass es tolle Wissenschaftler gibt, die so schnell Impfstoffe gefunden haben und uns allen Anlass geben, optimistisch nach vorne zu gucken. Ich bin mir sicher, dass wir in einigen Monaten wieder so richtig leben werden. Mir fehlen meine Zuschauer, meine Band und meine Crew, deswegen kann ich es kaum erwarten, das Gröbste hinter uns zu haben.

          Haben Sie unter den vergangenen zwölf Monaten sehr gelitten?

          Ach, ich möchte mich nicht beklagen. Am Ende werden es sicherlich anderthalb Jahre sein, die uns allen durch Covid quasi verlorengegangen sind, aber andere hat es natürlich viel schwerer getroffen als mich. Ich bin nach meinen letzten Auftritten vergangenes Jahr nach Portugal geflogen, wo wir ein Haus haben. Hier kann ich vom Fenster aus das Meer sehen, und der Lockdown ließ sich sehr viel angenehmer überstehen als in Großbritannien. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben schwimmen gelernt, ich habe kochen gelernt und habe den Alltag zu Hause genossen, denn ich sonst eigentlich nie habe. Und ich habe natürlich darauf geachtet, nicht einzurosten. Dreimal die Woche habe ich mit meinem Vocalcoach telefoniert und dafür gesorgt, dass meine Stimme fit bleibt.

          Sie feiern in diesem Jahr Ihren 70. Geburtstag, und auch finanziell könnten Sie es sich sicherlich erlauben, einfach die Füße hochzulegen ...

          Seit ich wieder mit meinem wundervollen Freund und Produzenten David Mackay zusammenarbeite, mit dem in den späten Siebzigern große Erfolge feierte, läuft es einfach super und wir haben ständig tolle neue Songs am Wickel. Deswegen haben wir nach meinem letzten Album „Between the Earth and the Stars“ 2019 gleich weitergearbeitet. Wann immer ich ein paar Tage Zeit hatte, bin ich nach London geflogen und wir haben neue Stücke ausprobiert. Das macht enorm viel Spaß, also warum sollte ich aufhören?

          Gab es in all den Jahren nie einen Moment, in dem Sie die Musik an den Nagel hängen wollten?

          Vielleicht in den Achtzigern mal. 1988 veröffentlichte ich den Song „The Best“ und verstand einfach nicht, warum das kein Hit wurde. Denn ich war felsenfest davon überzeugt, dass das ein großartiges Lied war. Als anderthalb Jahre später Tina Turner den Song coverte und damit auf der ganzen Welt die Top 10 stürmte, gab mir das mein Selbstvertrauen zurück. Ich hatte meinen Riecher für starke Nummern nicht verloren. Damals habe ich mir geschworen, dass ich weitermache, solange ich Freude an der Musik habe! Deswegen steht auch schon wieder die nächste Tour auf dem Programm. Sobald es wieder Livekonzerte gibt, komme ich nach Deutschland, Österreich, Südamerika, Skandinavien und wo immer man mich sehen will.

          Sind Sie manchmal eigentlich genervt davon, dass die Leute bei den Konzerten natürlich auch ihre großen Hits wie „It’s a Heartache“, „Total Eclipse of the Heart“ oder „Holding Out For a Hero“ hören wollen?

          Um Gottes Willen, nein. Ich werde nie müde, diese Songs zu singen. Das Publikum rastet dann verlässlich aus und kennt die kompletten Texte, das ist einfach toll. Darum geht es doch: die Leute glücklich zu machen. Meine Fans können sich da auf mich verlassen, denn nicht ist doch ärgerlicher als Konzerte, bei denen jemand ausgerechnet seine größten Hits nicht spielt. Abgesehen davon muss ich auch einfach sagen: Das sind alles verdammt starke Songs, die auch heute noch für Gänsehaut sorgen.

          Haben Sie eine Erklärung dafür, dass Sie ausgerechnet im deutschsprachigen Raum bis heute besonders erfolgreich sind?

          Die Fans in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind einfach sehr loyal. Als ich mit 26 Jahren meinen ersten Hit „Lost in France“ hatte, war Deutschland das erste Land, wo er in die Top 10 einstieg – und dort ein halbes Jahr lang blieb. Entsprechen viel Zeit habe ich auch mit meiner damaligen Band in Deutschland verbracht. Seither komme ich immer wieder gerne. Übrigens auch wegen des Essens!

          In den Neunziger Jahren produzierte sogar Dieter Bohlen einige Ihrer Alben.

          Der rockige Sound der Achtziger war damals irgendwann out, in der Popmusik waren Dance-Sounds angesagt. Das konnte Dieter gut, und er überredete mich dazu, mal eine neue Richtung einzuschlagen. Bei unserem ersten gemeinsamen Album „Bitterblue“ verwendete er ein Pseudonym bei den Songs, die er für mich schrieb, weil er wohl wusste, dass er jemand, den die Leute entweder lieben oder hassen. Erst als auch die Platte es in die Top 10 schaffte, kam heraus, dass er dahintersteckte.

          Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

          Na, klar, wir sprechen immer mal wieder, wenn ich in Deutschland bin.

          Sie waren eine der ersten westlichen Künstlerinnen, die durch die Sowjetunion tourten, Sie haben im Vatikan gesungen, beim Eurovision Song Contest und auf Kreuzfahrtschiffen. Was war für Sie selbst der bemerkenswerteste Moment Ihrer Karriere?

          Am unglaublichsten war eigentlich ein Auftritt bei der Grammy-Verleihung 1984 in Los Angeles. Da stand ich auf der Bühne und habe „Total Eclipse of the Heart“ gesungen, während in der ersten Reihe Michael Jackson, Quincy Jones und Diana Ross und auch hinter ihnen reihenweise Superstars saßen. Ich stand da in Stilettos und einem engen Lederkleid auf einer riesigen Treppe und musste live singen, war aber so nervös, dass mir fast buchstäblich die Spucke wegblieb. Am Ende war es ein unvergessliches Erlebnis. Allemal besser als ein früher Aufritt von mir in einem Park in Hamburg, wo es so sehr stürmte, dass die halbe Bühne über mir zusammenkrachte.

          Tylers neues Album „The Best Is Yet to Come“ erscheint am 26. Februar
          Tylers neues Album „The Best Is Yet to Come“ erscheint am 26. Februar : Bild: dpa

          Ihre großen Hits werden immer wieder auch in Film und Fernsehen verwendet. Verfolgen Sie da, welcher Song wo zum Einsatz kommt?

          Viele Songs habe ich ja eigens für Filme aufgenommen. „Holding Out For A Hero“ etwa ist damals zuerst auf dem Soundtrack von „Footloose“ erschienen. Und später auf diversen anderen, was ich nicht immer mitbekomme, mir aber natürlich häufig zugetragen wird. Einmal saß ich mit meinem Mann in einem Restaurant in New York, als vom Nachbartisch ein Typ mit Baseballmütze aufstand und zu uns rüber kam. Er berichtete, dass „Hero“ in einer Schlüsselszene seines neuen Films „Banditen!“ verwendet würde. Dass der Kerl Bruce Willis war, wurde mir erst viel später klar.

          All diese Erinnerungen und Anekdoten, wollen Sie die nicht eigentlich mal aufschreiben?

          Das wurde ich natürlich schon oft gefragt. Aber mir fehlt dafür einfach die Zeit. Mal sehen, vielleicht schreibe ich meine Autobiografie, wenn ich 80 werde. Das sind ja nur noch zehn Jahre!

          Weitere Themen

          Zwei junge Gründer über Geld, Ruhm und ihre Start-ups Video-Seite öffnen

          Quarterly Talk : Zwei junge Gründer über Geld, Ruhm und ihre Start-ups

          Geld, Ruhm oder Sinn – warum gründet man wirklich ein Start-up? Darüber reden wir mit zwei Deutschen, die es wissen müssen: Markus Witte, Co-Gründer von Babbel, der erfolgreichsten Sprachlern-App der Welt, und Verena Hubertz, Co-Gründerin der international beliebten Kochplattform Kitchen Stories.

          Topmeldungen

          F.A.Z.-Serie Schneller Schlau : Wird im Sommer das Wasser knapp?

          Eigentlich ist Deutschland ein wasserreiches Land. Doch Dürren bereiten jetzt schon Probleme – und die Lage wird schlimmer. An Bodendaten kann man ablesen, welche Regionen am meisten betroffen sind.
          Nicht alle zahlen hohe Steuern: Passanten gehen auf der Bahnhofstraße durch die Innenstadt von Hannover.

          IW-Studie : Wer trägt welche Steuerlast?

          Allen Steuertarifkorrekturen zum Trotz: Auf die unteren 70 Prozent entfallen 21 Prozent der Einkommensteuer – wie schon 1998. Damit zahlen 30 Prozent aller Haushalte in Deutschland fast 80 Prozent dieser Abgabe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.