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Bei der Arbeit: Dennis Pomplitz in der Goldenen Krone Bild: Privat

Barkeeper gibt Sprechstunde : „Am Ende war ich echt gut dabei“

Dennis Pomplitz bietet als Barkeeper in der Goldenen Krone in Darmstadt eine Telefon-Sprechstunde an. Ein Interview über ein bisschen Normalität, verzweifelte Gäste und die Krise der Branche.

          2 Min.

          Herr Pomplitz, am Freitag haben Sie in der Goldenen Krone in Darmstadt zum dritten Mal eine Barkeeper-Telefonsprechstunde abgehalten. Wie war es?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Sehr angenehm. Ich sitze freitags von 20 bis 21 Uhr am Telefon für persönliche Gespräche. Danach machen wir eine Live-Show, bei der die Gespräche auf Facebook gestreamt werden. Diesmal haben viele ehemalige Mitarbeiter angerufen, die von früher erzählt haben. Eine Frau war ganz traurig, weil sie gerne noch arbeiten würde. Sie kann wegen Corona aber nicht mehr, weil sie zur Risikogruppe gehört.

          Haben auch schon Gäste angerufen?

          Ja, die habe ich teilweise direkt an der Stimme erkannt. Einmal hat ein ganzer Stammtisch angerufen. Die bezeichnen die Krone als ihr Wohnzimmer. Sie haben zu Hause das Telefon auf Lautsprecher gestellt und gesagt, dass sie die Getränke vermissten und sich jetzt mit Billigbier vom Supermarkt begnügen müssten. Ansonsten gab es interessante Anrufe von weit weg, einer hat aus Kiel angerufen, weil er über einen Radiosender von der Aktion gehört hatte. Ein anderer Herr hat erzählt, dass er gerade bei einer Dame zu Hause war, die er attraktiv fand. Er wusste sich nicht zu helfen, weil er ziemlich schüchtern ist. Deswegen hat er mich um Rat gebeten, während er sich auf dem Balkon verkrochen hatte, angeblich um frische Luft zu schnappen. Und eine Lehrerin hat angerufen, die mit einer Schülerin Probleme hatte, weil sich deren Eltern trennen. Da war ich etwas überfordert. Aber ich habe mein Bestes gegeben, um produktive Ideen vorzubringen.

          Sie sind 25 Jahre alt und arbeiten seit drei Jahren als Barkeeper. War es Ihnen am Anfang klar, dass es zum Job gehört, sich mit Leuten zu unterhalten?

          In keinster Weise. Ich bin davon ausgegangen, dass ich den Leuten ein paar Bierflaschen hinstelle und abkassiere. Aber das ist vielleicht ein Drittel der Arbeit.

          Zumindest am Wochenende ist in der Krone immer die Hölle los gewesen. Wann kommt man da zum Plaudern?

          Am ehesten zwischen Sonntag und Dienstag, da arbeiten wir in der Kneipe zu zweit. Einer zapft, einer hat Zeit für die Gäste. Und wir haben im ersten Stock eine kleinere Bar, da ist es immer etwas gemütlicher und persönlicher.

          Was hört man da so für Geschichten?

          Viele schöne, manchmal auch nicht so schöne. Einmal musste ich vier Stunden allein arbeiten, weil sich mein Kollege um eine Kundin gekümmert hat, der es psychisch überhaupt nicht gutging. Es war viel los, und ich stand alleine da. Aber am Ende ging es der Frau besser.

          Glauben Sie, dass Kneipen vielen Menschen als sozialer Anlaufpunkt fehlen?

          Das ist für viele ein Problem, gerade für alleinstehende Menschen um die 40, die nach Feierabend sonst immer für ein paar Bier in die Krone kommen und plauschen. Die trifft das am meisten, weil sie sonst nicht viele Kontakte haben. Wir haben einen Stammgast aus Frankfurt, der sonst täglich kommt. Der hat auch schon angerufen, wir haben jetzt per Whatsapp Kontakt. Ihm geht es wirklich beschissen. Es ist hart mitzubekommen, wie das die Leute runterzieht.

          Das gilt wahrscheinlich auch für Kollegen aus der Branche.

          Ich habe von mehreren Kneipenbesitzern in Darmstadt gehört, dass sie von der staatlichen Hilfe gerade so die Miete zahlen können, aber kein Geld mehr für Essen haben. Viele fühlen sich hintergangen, weil sie investiert haben, um die Hygienevorgaben zu erfüllen, und dann trotzdem geschlossen wurden. Wir hatten im Sommer ein sehr gutes Hygienekonzept, die Polizei war oft für Kontrollen da und immer begeistert. Wir sind bereit, wenn es wieder losgeht: Wir nutzen den Hof, das Lager, die Garderobe und die Tanzflächen, damit Leute Abstand halten können. Aber wir rechnen eher mit Februar, März. Viele unserer Aushilfen kriegen bis dahin nicht mal Kurzarbeitergeld.

          Und Sie?

          Ich schon. Mir fehlt vor allem der Rhythmus im Tagesablauf. Das Barkeepertelefon bringt mir diese Normalität wenigstens ein bisschen zurück. Ich habe wieder Kontakt mit den Gästen, es ist nicht dasselbe, aber es kommt schon nah ran.

          Trinken Sie auch mal einen mit?

          Ich habe schon mit Anrufern Schnaps getrunken. Am Freitag habe ich auch gelegentlich was getrunken. Am Ende war ich echt gut dabei.

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