https://www.faz.net/aktuell/stil/trends-nischen/anglizismus-das-wort-home-office-wird-nur-im-deutschen-gebraucht-16727926.html

Beliebter Anglizismus : Wo das Homeoffice zu Hause ist

  • -Aktualisiert am

Von zu Hause arbeiten: Das wird in Deutschland gerne Homeoffice genannt. Bild: Patrick Slesiona

Niemand in England „macht Homeoffice“. Wir Deutschen aber lieben Anglizismen so sehr, dass wir sie zur Not selbst erfinden. Warum arbeiten wir nicht einfach von zu Hause?

          1 Min.

          Homeoffice ist das Wort der Stunde. Fast alle, die nicht in „systemrelevanten Berufen“ tätig sind, arbeiten derzeit von zu Hause, vom heimischen Schreibtisch, Sofa oder Balkon. Und fast alle staunen, wie gut das geht. In Newslettern und sozialen Medien finden sich zahlreiche Bilder, die das neue Leben dokumentieren: Bilder von Betten, auf denen das Notebook zwischen Katze und Kleinkind versteckt ist, Bilder von Zweijährigen, die auf Schreibtischen sitzen, Bilder von Hunden, Orchideen, Kochtöpfen oder Kissen, die neuerdings zum Arbeitsleben gehören.

          Auch aus England und den Vereinigten Staaten erreichen uns diese Newsletter und Bilder – aber etwas fehlt. Es ist das Wort „Homeoffice“. Die Kleinkinder, Katzen, Laptops sind da, aber nirgends ist die Rede von „Homeoffice“. Stattdessen arbeiten die Kolleginnen „from home“, sie arbeiten „remotely“, oder sie erwähnen „remote working“.

          Man stutzt. Und schaut nach, und währenddessen fällt einem ein: Das „Home Office“ ist in Großbritannien das Innenministerium. Zwar scheint es sowohl dort als auch in den Vereinigten Staaten den Begriff „home office“ für ein kleines Heimbüro zu geben – idiomatisch jedoch in dem Sinne, wie wir das Wort benutzen, ist es nicht. Niemand in England „macht Homeoffice“.

          Wir Deutschen lieben Anglizismen. Wir lieben sie so sehr, dass wir sie zur Not selbst erfinden: Handy, Oldtimer, Talkmaster, Beamer, Public Viewing – das sind nur wenige unserer hauseigenen Kreationen, die „native speaker“ ins Grübeln bringen. Homeoffice würde zwar noch eher verstanden als Basecap oder Smoking. Dennoch: Warum arbeiten wir nicht einfach von zu Hause?

          Vielleicht, weil niemand so richtig weiß, wie man „zu Hause“ schreibt. „Zuhause“ groß und zusammen, „zuhause“ klein und zusammen oder auch „zu hause“? Andererseits gilt das auch für „Homeoffice“: im Deutschen groß und zusammen. Weder „Home Office“ noch „home office“. Auch nicht so einfach.

          Katja Scholtz ist Übersetzerin und Lektorin beim Mare-Verlag.

          Weitere Themen

          Frieren in der Studentenbude

          Heute in Rhein-Main : Frieren in der Studentenbude

          Erneuter Lockdown an der Goethe-Uni nicht ausgeschlossen. Das Konzept Homeoffice steht auf dem Prüfstand. Und schön gestochene Tattoos gehen in Frankfurt unter die Haut. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Verspätungen der Bahn : Warum kommt die Bahn so oft zu spät?

          Die Deutsche Bahn hat große Ambitionen. Doch derzeit ist die Lage so desaströs wie selten zuvor. Das liegt an politischen Fehlern und einem hochkomplexen System. Wenn nicht jedes Rädchen ins andere greift, spüren es Kunden sofort. Eine Reise zu denen, die diese Rädchen bedienen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.