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Abiturienten nähen Masken : „Wir haben auch Bienchen und Blümchen“

Noah Singer und Jara-Sophia Forschner: „Maske muss Mode“ Bild: Privat

Abiturienten aus Weinheim haben ein Modelabel gegründet und nähen in ihrer Corona-Freizeit nun auch Masken – die sollen nicht nur cool aussehen, sondern auch gut für die Umwelt sein.

          2 Min.

          Herr Singer, Sie und Ihre Freunde gehen eigentlich noch zur Schule. Jetzt nähen Sie in Ihrer Freizeit Masken. Wie kam es dazu?

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Die Idee mit den Masken ist ja nicht neu. Aber das, was anfangs auf dem Markt war, waren Klinikmasken. Oder – und ich will jetzt nicht anmaßend klingen – Masken, die ohne viel Geschmack genäht waren, die wie Omas Tischtuch aussahen. Meine Freundin Jara hatte dann die Idee, dass wir coole Masken nähen könnten. Wir wollten die Maske zu einem modischen Accessoire machen. Unser Slogan: „Maske muss Mode“.

          Ein Modelabel hatten Sie aber schon vorher?

          Genau, wir haben das Label Van Heyden mit dem Ziel gegründet, nachhaltige und attraktive Kleidung für Jugendliche herzustellen. Die hat ja oft einen Öko-Ruf, und wir wollten sie irgendwie cool machen.

          Ist nachhaltige Mode durch die „Friday’s for Future“-Bewegung nicht angesagter geworden?

          Auf jeden Fall, aber wir haben uns auch angeschaut, was bei Leuten in unserem Alter gehypt wurde die vergangenen Jahre: Supreme, Nike, Off-White, Stone Island. Die wollen alle nicht nachhaltig rüberkommen – und es ist den Käufern auch egal. Wenn ich sehe, wer aus meiner Klasse an den Demos teilgenommen hat – das waren nur ein paar, die da auch wirklich hinter standen. Wir gehen alle in die 13. Klasse eines Wirtschaftsgymnasiums. Und wir wollten eine Nische füllen: nachhaltig sein und cool.

          Was für Maskendesigns haben Sie sich überlegt?

          Es gibt verschiedene Motive. Besonders beliebt sind die lustigen Masken, die kommen in allen Altersklassen super an: Da haben wir Einhörner und kleine Hunde. Und Bienchen und Blümchen! Unser Ziel war: in die düstere Stimmung ein bisschen Fröhlichkeit reinbringen. Wir haben aber auch klassische Masken entworfen, die sind schlicht schwarz oder blauweiß-gestreift.

          Das Büro von "Van Heyden" : Hier nähen Noah Singer, Jara-Sophia Forschner, Luca Heyden, Luca Keil und Nico Schmitt

          Seit wann nähen Sie Ihre Masken?

          Am 22. April haben wir angefangen. Vier von uns schreiben Abi in diesem Jahr. Wir treffen uns morgens um acht oder neun im Büro und lernen zusammen bis zum Mittag. Dann kommt meine Freundin dazu, und sie und ich nähen die Masken zusammen. Zwei von uns fahren in der Zeit die Masken aus, die bestellt wurden. Und einer kümmert sich um den Online-Shop oder um Plakate, die dürfen wir zum Beispiel bei uns in der Schule aufhängen. Dann müssen wir noch viel Logistik machen, also: Briefe beschriften und verschicken, es kommen aus ganz Deutschland Bestellungen rein.

          Wie viele Masken haben Sie schon verkauft?

          Wir nähern uns der Vierstelligkeit!

          Sie haben an diese Zeitung geschrieben: „Das, was man gerade über Schüler liest, haben wir satt.“ Was stört Sie an der derzeitigen Berichterstattung?

          Dass sie extrem negativ war. „Schüler am Lern-Limit“ hieß es da zum Beispiel. Ich hätte gerne etwas Hoffnungsstiftendes gelesen, wenn es um Schüler und Corona geht. Na klar, für uns alle ist es nicht toll, dass die Schule ausfällt. Das ist nicht falsch – es ist ein Lernen ins Ungewisse. Aber wir wünschen uns weniger Jammern! Die positive Seite hat gefehlt – und uns selbst sehen wir als positives Beispiel.

          Ihre Abi-Prüfungen wurden doch sicher auch verschoben?

          Ja. Stand jetzt finden die Prüfungen etwa einen Monat später statt. Vor zwei Tagen hätte ich eigentlich meine letzte Prüfung geschrieben. Ich find’s auch total blöd.

          Wenn Sie mit dem Abitur durch sind und die Maßnahmen womöglich weiter gelockert werden – was wollen Sie dann als Erstes tun?

          Schwierige Frage. Zum See fahren und schwimmen vielleicht, mit meiner Freundin.

          Was planen Sie nach dem Abitur?

          Ich werde ein duales Studium anfangen, ein Freund geht zur Bundeswehr. Die anderen beiden wollen auch studieren, und meine Freundin fängt dann die zwölfte Klasse an.

          Und Ihr Modelabel Van Heyden wollen Sie weiter betreiben?

          Das wollen wir weitermachen, auf jeden Fall. Wir werden auch so lange Masken machen, wie sie benötigt werden.

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