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System-Check : Tabletten nicht vergessen!

  • -Aktualisiert am

Bild: Hans-Jörg Brehm

Es gibt für alles eine App, für das Wetter genauso wie für das Busticket. Manche versprechen sogar, uns gesund zu machen. Unsere Kolumnistin berichtet aus ihrem Alltag mit diesen Apps. Dieses Mal: Hilfe für vergessliche Patienten.

          Mein Hausarzt mag mich nicht. Davon bin ich überzeugt. Gut, ich habe nie explizit nachgefragt, aber ich stelle mir Ärzte vor wie Lehrer früher in der Schule. Meiner Vorstellung nach mochten Lehrer mich, wenn ich meine Hausaufgaben gemacht habe; dementsprechend mögen Ärzte mich, wenn ich meine Medikamente einnehme. Wahrscheinlich überbewerte ich es, und unterm Strich ist beiden Berufsgruppen völlig egal, was ich tue. Aber der Arzt hat sich in seiner Sprechstunde doch extra noch drei Sekunden Zeit genommen, auf das Rezept „3×/Tag, alle 8h“ zu kritzeln!

          Trotzdem schaffe ich es nicht, meine verordneten Medikamente dann einzunehmen, wenn ich es soll. Das ist weder böser Wille noch gar Rebellion – viel profaner. Ich vergesse es. Am ersten Tag klappt es noch, da schmerzen Bauch, Hals oder Wasauchimmer wohl zu sehr. Aber spätestens an Tag zweieinhalb bleiben in der Packung genauso viele Tabletten zurück wie Löcher in meinem Gedächtnis. Mit Glück liegt die Packung morgens neben dem Haustürschlüssel auf der Kommode, und ich kann sie gar nicht übersehen. Mittags blitzt in meinem Kopf kurz der Gedanke daran auf, aber da liegt sie immer noch auf der Kommode, und ich bin bei der Arbeit. Abends ist die Packung zwar wieder in Reichweite, mein Kopf schläft nur leider schon. Ergebnis: Eine Tablette statt drei am Tag, oder zwei innerhalb von vier statt acht Stunden. Das kann nicht gesund sein.

          Das Smartphone ist die Lösung

          Die Lösung für dieses Problem habe ich nach dem letzten Arztbesuch in meinem Smartphone gefunden. Es kann nämlich klingeln. Diese Erkenntnis ist nicht bahnbrechend, aber das Klingeln lässt sich auch programmieren. Gleich mehrere Apps nutzen die „Push-Funktion“ und erinnern mit einer Nachricht daran, die Pillen einzunehmen. Eine Suche im App Store ergibt: Mittlerweile gibt es etwa ein Dutzend Medikamenten-Erinnerungs-Apps. Bei der Frage: „Welche ist die beste?“ hilft nur Ausprobieren. Folgende vier machen im Grunde das Gleiche, unterscheiden sich aber in Details:

          Der Arzneiwecker bietet neben einem semioriginellen Namen auch eine Medikamente-Datenbank. Kurze Suche, Einnahmezeit und -länge eintippen, fertig. Auch mehrere Tabletten pro Medikament am Tag sind möglich. Kommt eine Erinnerung, kann ich sie via Antippen quittieren, muss dann aber noch ein Kommentarfeld wegklicken. Wofür soll das sein? „Tablette groß, lässt sich immer noch schwer schlucken, aber hilft nun mal“? Unnötig. Die App finanziert sich über Werbung im Bildschirm, ist dafür aber gratis.

          Kein Schnickschnack

          Die App Easy Pill hingegen verzichtet auf Schnickschnack. Für 1,79 Euro gibt es keine Datenbank, aber hübsches iOS-Design. Die Einnahmezeit lässt sich erst auf den zweiten Blick genauer einstellen (oben rechts statt Feldern die Listenansicht auswählen). Auch hier kann ich Intervalle und Mehrfacheinnahmen eingeben.

          Die App Medico ist für 0,89 Euro die App für Verschwiegene. Sie lässt sich per PIN schützen, der Text für die Push-Nachricht anpassen. Gut für alle, die in der Bar ihr Handy auf den Tisch legen und trotzdem nicht wollen, dass jeder mitbekommt, welches Medikament sie gerade nehmen. Außerdem warnt die App, wenn der Medikamentenvorrat ausgeht.

          Das Rundumprogramm bietet MyTherapy. Ein „Tagebuch“ kann ich mit „Aufgaben“ füllen, die nicht nur Medikamente (mit Datenbank), sondern auch Aktivitäten, Ernährungs- und Symptomabfragen beinhalten. Leider muss ich für jede Tablette, die ich am Tag einnehme, eine eigene Erinnerung eintragen, auch wenn es das gleiche Medikament ist. Und die Gratis-App will zu Beginn meine Mail-Adresse für eine Registrierung verraten bekommen.

          Vergleichbare Apps für Android

          Die Tatsache, dass ich nur ein iPhone besitze, schränkt meine journalistische Ausgewogenheit etwas ein und lässt mich in diesem Fall nur iOS-Apps testen. Eine Suche im Google Play Store führt aber ebenso zum Erfolg: Apps wie „MediSafe“ oder „Remeds“ (beide kostenlos) und „Medikamente Wecker“ (3,46 Euro) funktionieren genauso, sind aber bislang alle nur auf Englisch erhältlich.

          Die iOS-Apps erfüllen alle zuverlässig ihre Aufgabe: Sie erinnern mich zuverlässig daran, meine Tabletten zu nehmen. Leider jeweils nur exakt ein Mal. Was allen fehlt, ist ein „Nervmodus“: halbstündlich neue Nachrichten mit Vibrationsalarm, bis ich die Tablette wirklich eingenommen habe - das würde sogar einem Fall wie mir zu exaktester Medikamententherapie verhelfen. Aber ein Anfang sind die Apps - und machen nicht nur mich gesund, sondern auch meinen Hausarzt glücklich. Bestimmt.

          Die App Easy Pill kostet 1,79 Euro für iOS und punktet mit einem hübschen Design. Die App MyTherapy - eine Erinnerung und ein Tagebuch für Medikamente. Das alles ist gratis für iOS zu haben.

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