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System-Check : Eine Woche mit der Apple-Watch

  • -Aktualisiert am

Bild: Lina Timm, Enrico Pallazzo

Ist die Smartwatch von Apple innovative Technik oder unnützes Spielzeug? Unsere Kolumnistin hat den Selbsttest über eine Woche lang gemacht. Ob sich die 399 Euro gelohnt haben? Ein Protokoll.

          4 Min.

          Eine Armbanduhr? Überflüssig. Für die Uhrzeit habe ich mein Handy, das teilt mir auch gleich neue spannende Dinge mit, wenn ich draufschaue. Ich brauchte keine Uhr – bis Apple seine Smartwatch ankündigte. Nennt mich Fangirl oder Innovations-Enthusiastin, aber das Ding wollte ich ausprobieren. Eine Woche lang habe ich sie jetzt schon am Arm durch die Gegend getragen.

          Freitag

          Ich schäle die Watch aus dem Paket – und scheitere gleich mal am Armband. Die Sportedition ist die günstigste, mehr konnte und wollte ich mir nicht leisten. Das Armband hat in dieser Version einen Halteknopf und ein Loch zum Durchfädeln, was mit einer Hand ganz schön friemelig ist; nach vier Versuchen sitzt sie endlich am Arm. Erster Eindruck: Joa. Haste halt einen Computer am Arm. Mit ganz schön kleinem Display. Aber ich habe auch schmale Handgelenke, die 38-Millimeter-Variante sieht gerade noch gut aus.

          Es bleibt keine Zeit, mich vernünftig in die Watch einzuarbeiten, ich suche seit Monaten eine Wohnung, heute ist Besichtigung. Auf dem Weg zeigt mir die Uhr immerhin schon mal den Termin an, beim Tap auf die Adresse kommt eine Miniversion einer Karte samt Routeneinzeichnung. Cool! Leider komme ich trotzdem zu spät. Einen freien Parkplatz kann die Uhr nicht anzeigen.

          Computer am Arm: Eine Woche lang hat unsere Autorin die neue Apple-Watch getestet.

          Samstag

          Heute geht es zum Kieser-Training, ich habe Schulterschmerzen vom vielen Sitzen im Büro. Jede Übung soll ich 90 Sekunden durchhalten, und ich hatte immer schon das Gefühl, dass meine Zählmethode „Eins, zwei, drei, vier ... neun“, während ich das Gewicht hochhebe und wieder absetze, nicht wirklich akkurat ist. Das Handy hatte ich nie dabei, viel zu unpraktisch. Aber die Uhr wird’s richten! Ich suche ein paar Minuten lang die Stoppuhr-App, vertippe mich dreimal, nein, NICHT der Timer. Ich habe wirklich keine dicken Finger. Aber für die Bedienung der Uhr sind sie nicht gemacht.

          Endlich, richtige App, wir können starten. Erste Erkenntnis: 90 Sekunden sind wirklich länger, als ich bisher dachte. Zweite Erkenntnis: Für das Kieser-Training bringt die Uhr rein gar nichts. Ihr Bildschirm geht normalerweise an, sobald ich den Arm hebe. Eigentlich klug und stromsparend. Wenn meine Hände aber gerade 40 Kilogramm Gewicht festhalten, bleibt der Bildschirm schwarz. Außerdem springt die Anzeige immer wieder zur normalen Uhr zurück, statt im Stoppuhr-Modus zu bleiben. Ich gebe entnervt auf und zähle wieder.

          Sonntag

          Mittags treffe ich mich mit einer Freundin, wir sitzen im Café, meine Uhr vibriert. Irgendein neuer Tweet. Aber auf die Uhr zu schauen, während wir Kaffee trinken, finde ich noch unhöflicher, als auf das Handy zu schauen. Denn auf die Uhr zu schauen, das hat dem Gegenüber bisher immer signalisiert, dass man sich gelangweilt hat oder gehen wollte. Der Blick auf das Smartphone wirkt da irgendwie harmloser. Als das Handy meiner Freundin piept, schaut sie kurz drauf, tippt eine Nachricht und erklärt danach, dass sie und ihr Freund noch einen Treffpunkt ausmachen mussten. Ach so, ja klar, was soll denn daran unhöflich sein?

          Sonntagnachmittag ist mein iPhone 6 leer. Dabei war es morgens doch noch auf 100 Prozent, und der Akku hielt bisher den ganzen Tag. Die Uhr hat es leergesaugt. Sie ist über Bluetooth mit dem Handy verbunden und holt sich so alle Daten vom Handy. Sie hat keine eigene Internetverbindung; sobald ich mich zu weit vom Handy entferne, ist die Watch gerade noch eine Armbanduhr, die die Uhrzeit anzeigt.

          Montag

          Ich verpasse nichts mehr. Wirklich gar nichts. Keinen Anruf, keine SMS, keinen Periscope-Stream. Die Uhr schiebt alle Benachrichtigungen auf mein Handgelenk hinüber, am Arm vibriert es dann. Das ist für Außenstehende dezent, für einen selbst irritierend. Auf dem iPhone kann ich angeben, welche Nachrichten ich auch auf der Uhr haben will. Ich schalte erst mal ziemlich viele ab.

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