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System-Check : Eine Woche mit der Apple-Watch

  • -Aktualisiert am

Montag probiere ich auch das erste Mal, mit meiner Uhr zu reden. „Wie ist das Wetter in Salzburg am Wochenende?“ funktioniert ganz gut, die Uhr zeigt die Wetter-App. Aber für jeden Sprachbefehl muss ich erst mal den Knopf lange drücken. Freihändig geht hier nix. Anrufe kann ich mit der Uhr sogar annehmen, da klingt’s dann allerdings ziemlich blechern.

Dienstag

Ich habe mein Aktivitätenziel wieder nicht erreicht. Ich soll zwölf Stunden am Tag stehen, geschafft habe ich sechs. „Aktivitäten“ ist eine der Apps, die die Uhr mitliefert. Es gibt die Parameter „Bewegen“, „Trainieren“ und „Stehen“. Bei den ersten beiden weiß ich gar nicht, was sie so genau messen, das Stehen-Ziel ist völlig illusorisch und lässt sich nicht mal verändern. Ich kann lediglich die Kalorienzahl unter „Bewegen“ einstellen – und schraube sie gleich mal ordentlich herunter. Welchen Sinn hat eine App, deren Messung ich nicht verstehe?

Mittwoch

Ein paar Apps gibt es schon zusätzlich für die Watch. Ich lade zwei Fitness-Apps herunter – Runtastic und Cyclemeter. Beide sind eigentlich nur eine Fernsteuerung für das Handy, aber immerhin, ich kann vom Handgelenk aus starten und stoppen. Yay. Ich fahre mit dem Rad zur Arbeit, starte beide Apps, will zwischendurch schauen, wie schnell ich bin, und muss dafür den Arm heben. Schließlich geht das Display sonst nicht an. Für alle Parameter muss ich auf der Uhr nach unten scrollen, dafür brauche ich die zweite Hand. Das Fahrrad schlingert, ich greife schnell zurück zum Lenker. Na prima. Warum hat diese Uhr keine Vorlesefunktion?

Nachmittags halte ich einen Vortrag und komme erstmals mit der Pulsmessung in Berührung. Als ich manuell messen will, stelle ich fest, dass die Watch die Tage über alle zehn Minuten meinen Puls automatisch gemessen hat. In den Datenmengen auf der Health-App im Handy kann ich exakt ablesen, wie mein Puls vor dem Vortrag angestiegen ist, bis auf 121, und dann wieder rapide abgefallen. Unheimlich, so getrackt zu werden.

Donnerstag

Ob die Watch wohl noch mehr kann, als mich zu benachrichtigen und zu erschrecken? Ich lade mir „Lifesum“ herunter. Die App verspricht, mich gesünder zu machen. Gut: Ich kann direkt auf der Watch eingeben, was ich gegessen und getrunken habe. Über das iPhone kann ich dann nachtragen, was genau ich gegessen habe. Viele Lebensmittel sind schon mit Kalorienangaben hinterlegt, sehr praktisch! Die Uhr erinnert mich auch, mal wieder ein Glas Wasser zu trinken. Endlich mal was Nützliches.

Freitag

Ich bin auf einer Hochzeit eingeladen und habe ein Problem. Das Armband der Watch lässt sich simpel austauschen – aber leider habe ich nur eins. Ein zusätzliches in Silber soll noch einmal 169 Euro kosten. Nein, danke. Dafür gibt es ganze Uhren – und der Screen wäre immer noch schwarz. Ein Computer am Arm ist insgesamt eher unpassend zum türkisfarbenen Chiffon-Kleid.

Samstag

Ich habe bis hierhin ein paar Mal überlegt, die Uhr wieder zurückzuschicken. Es hat Tage gedauert, bis ich in die Funktionen eingestiegen bin, meist tippe ich immer noch etwas verloren herum. iPhone und iPad waren sofort intuitiv nutzbar, dieses Ding irgendwie nicht. Nach ein paar Tagen hat nun auch der erste Berufsnerd aus meinem Umkreis seine Watch bekommen. Uhr an Uhr kann man sich eigentlich kleine Malereien schicken, Smileys und sogar den eigenen Herzschlag. Wir probieren es eine halbe Stunde, mein Gekritzel kommt an, seins nicht. Warum? Keine Ahnung.

Mein Fazit

Mein Handgelenk ist in dieser Woche von den Tech-Enthusiasten fasziniert begutachtet worden, dem Rest ist die Uhr nicht aufgefallen. Macht sie mich nun gesünder? In jedem Fall kann ich jetzt jedem Arzt zu jeder Zeit meinen Puls mitteilen. Auch die „Lifesum“-App sieht ganz durchdacht aus. Der Rest? Nun ja. Braucht wohl noch ein, zwei Versionen.

Ich behalte die Uhr, ich hab ja keine andere. Die Uhrzeit zeigt sie immerhin ganz zuverlässig an.

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