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System-Check : Tu es endlich!

  • -Aktualisiert am

Bild: Hans-Jörg Brehm

Es gibt für alles eine App, für das Wetter genauso wie für das Busticket. Manche versprechen sogar, uns gesund zu machen. Unsere Kolumnistin berichtet aus ihrem Alltag mit diesen Apps. Dieses Mal: Motivationshilfen gegen akute Unlust.

          3 Min.

          Sie lesen gerade meine zwölfte Kolumne. Naja, theoretisch. So viele habe ich in dem einen Jahr zumindest geschrieben. Wenn Sie bislang noch keine davon gelesen haben - dann haben Sie bis hierhin viele Zeilen verpasst, in denen mein Fitness-Scheitern Sie ein wenig hätte erheitern können. Ich bin im vergangenen Jahr oft gescheitert an den Aufgaben, die mir Gesundheitsapps gestellt haben. Reden wir über Motivation.

          Motivation ist idealerweise das, was einen morgens aus dem Bett wirft. Das neue Projekt, die Gehaltsabrechnung oder auch nur die Sonne, die nach fünf Regentagen durchs Fenster scheint. Das motiviert. Scheitern, muss ich sagen, gehört nicht dazu. Nachdem mich Apps bislang also häufig ausgelacht haben, kommt jetzt eine, die sagt, sie motiviert mich. Alles soll leichter gehen, und zwar auch ohne Sonnenschein. Ja, bitte!

          Welches Ziel habe ich eigentlich?

          PACTi motiviert mich erst einmal zu dem Gedanken, die App sofort wieder zu deinstallieren. Die Grundidee klingt eigentlich cool: PACTi versucht es auf die harte Tour. Wenn ich mein Ziel nicht erreiche, muss ich zahlen - an eine Hilfsorganisation. Ein Vertrag mit mir selbst, der irgendwie wehtun soll (Geld), aber irgendwie auch nicht (Gutes tun). So weit, so edel. Gut umsetzen sollte man so eine schöne Idee aber schon. Die App will zuallererst Daten von mir haben. Viele Daten. Geburtsdatum, Mailadresse, komplette Kontodaten - selbst, wenn ich gar nicht um Geld spielen will. Na bravo.

          Zum Start schlägt mir die App ein paar Ziele vor, die ich doch mal erreichen könnte. „Gewicht verlieren“? Nein, danke. „Regelmäßig Sport treiben“ (mache ich ohnehin seit Neuestem), „Mit Rauchen aufhören“ (Nichtraucher), „Wettlauf“ (hä?), „Gewicht halten“ (ich habe WIRKLICH kein Gewichtsproblem!) und „individuelles Ziel“. Dann wohl das. Soll das Ziel einmalig oder fortlaufend sein? Hmm. Name des Ziels? Hmmm. Welches Ziel habe ich eigentlich?

          PACTi ist zu alltagsuntauglich

          An Motivation mangelt es mir durchaus, nur eben nicht in diesen Bereichen. Es gibt im nächsten Schritt Kategorien. „Familie & Beziehungen“ steht da, oder „Heimwerken & Basteln“. Basteln? Lass mal. Aber früh aufstehen wollte ich schon immer. Mir mehr Zeit nehmen für Freunde und, so doof das klingt, für mich. Ich arbeite viel und gern, habe aber ein Problem mit dieser Work-Life-Balance. Motivieren muss ich mich dafür vielleicht weniger als zwischendurch daran erinnern. Durch die freie Eingabe des Ziels erlaubt die App das zumindest, zusätzlich kann ich einen Schiedsrichter angeben, der entscheidet, ob ich’s geschafft habe. Habe ich das nicht, zahle ich 20 Euro. Wählbar sind einige Organisationen von „Brot für die Welt“ bis zu „Tierärzte ohne Grenzen“.

          Top motiviert frühstücke ich schon am nächsten Tag ganz entspannt in der Frühlingssonne mit meiner Freundin und möchte PACTi das danach direkt mitteilen. Geht nicht. Ich soll einen Bericht schreiben, aber nicht jetzt, sondern später. Ich kann ihn auch nicht vor dem angegebenen Datum schreiben. So gut die Spendenidee ist: Das ist mir alles zu kompliziert, zu früh zu viele Daten, zu alltagsuntauglich.

          Simpel und durchgesignt, das gefällt mir

          Das Stichwort „Motivation“ fördert im App Store aber noch anderes zutage. Eine App, die nur einen Audioplayer hat. Sie spricht mit mir, etwa so: „Diese Aaaapp wurde entwickelt. Um dir zu helfen. Motivierter. In deinem Leben. Zu werden. . . Die Inhalte. Dieser Aaaapp. Werden dir helfen. Alte Hindernisse und Blockaden. Zu entfernen. Die dich bisher. Davon abgehalten haben. Dein Potential. Zu nutzen.“ Brrrrrrrrr, danke, nein.

          Nächste App: „Balanced“. Simpel und durchdesignt, das gefällt mir schon besser. Die Ziele reichen von „Take a deep breath“ über „Cook something new“ bis hin zu „Call an old friend“. Mein Lieblingsziel: „Unclutter your life.“ Sein Leben etwas entrümpeln, das sollte man häufiger mal machen. Drei Taps, schon ist das Ziel eingestellt. Am ersten Tag habe ich meine Freundin gesehen, bin in die Sonne gegangen, habe ein wenig gelesen - nur das „great photo“, das habe ich nicht gemacht. Am nächsten Tag bekomme ich eine Nachricht. „Are you balanced?“ Ich mache das Foto und fühle mich gut dabei.

          Was ich erledigt habe, rutscht nach unten. Auf Wiedervorlage. Hat etwas von einer nie zu erledigenden To-do-Liste. Aber schöne Dinge tun, das sollte man vielleicht auch nie erledigt haben.

          Die euphorisierende Wirkung hält immerhin ein paar Tage an, dann ignoriere ich die Push-Nachrichten wie die meisten anderen. Aber immerhin: Ich habe ein paar mehr Leute gesehen, ich habe es mir ein bisschen häufiger als bisher gutgehen lassen und diese Kolumne gleich viel ausgeglichener geschrieben. Ich würde in der nächsten sogar mal wieder scheitern. Warum? Weil ich motiviert bin. Nicht von Ruhm oder Ehre - da warte ich ohnehin noch drauf. Sondern von der Erkenntnis, dass mein Smartphone mir mein Leben ab und zu eben doch ein bisschen gesünder und besser macht.

          Beliebte Motivationsapps

          Eins, zwei, los - starten mit der App „Balanced“ gratis und für iOS.

          Die App „Pacti“ ist gratis für iOS für alle erhältlich, die mehr Motivation wollen.

          Die App „Motivation“ feuert einen gratis und für iOS an, es endlich zu tun.

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