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Schweizer Uhrmacherkunst : Smarter Watch

Schrittzähler: Die Horological Smartwatch von Frédérique Constant schlägt Alarm, wenn man mehr Schlaf oder Bewegung braucht. Bild: Hersteller

Die Digitalisierung stellt auch die Funktion der klassischen Armbanduhr in Frage. Traditionsunternehmen fragen sich, was die Schweiz dem Silicon Valley entgegenzusetzen hat. Müssen sie die Uhr neu erfinden?

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          Von der Nordschweiz bis zum kalifornischen Ort Cupertino ist es an diesem Donnerstagabend Ende März nicht weit. Auf der Baselworld, der größten Uhrenmesse der Welt, soll es eigentlich um Schweizer Traditionsmanufakturen gehen. Aber in Halle 1, Stand A01, erinnert der Auftritt des Bulgari-Chefs Jean-Christophe Babin eher an eine Produktpräsentation, wie sie Apple-Chef Tim Cook zelebrieren würde, der die entscheidenden Tricks natürlich von Steve Jobs übernommen hat. Da ist der Wow-Moment. „Wir haben nicht einfach das Smartphone kopiert und es in eine Uhr verlagert“, sagt Babin auf der Bulgari-Bühne. Das neue Modell Diagono E-Magnesium ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bulgari und dem Sicherheitstechnologie-Unternehmen Wisekey. Die Diagono E-Magnesium ist mit einem Mikroprozessor ausgerüstet, um höchste Sicherheit der persönlichen Daten zu bieten.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schon geht es los mit dem passenden Video-Clip: Es werden Orte genannt wie die Militärbunker in den Schweizer Bergen, es öffnen sich Türen zu den Bulgari Resorts, zu einem Maserati. Die Uhr soll der Schlüssel zum E-Mail-Postfach sein, zum Tresor, zum Wohnhaus. Dann folgt der Claim, der die Zuhörer inspirieren muss. Er lautet: „Unlock the future.“

          Apple Watch eher Chance als Gefahr

          Klar, wer überlegt nicht, wie die Digitalisierung, von der behauptet wird, dass sie irgendwann in ihrem Ausmaß mit der Industrialisierung vergleichbar sein könnte, die Zukunft weiter verändern wird? Da stellt sich auch die Frage, welche Rolle eine Uhr am Handgelenk noch spielt. Die Traditionsunternehmen fragen sich deshalb jetzt, was die Schweiz dem Silicon Valley entgegenzusetzen hat. Und überlegen, ob die Uhr dazu neu erfunden werden muss.

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          Fangen wir oben an: Swatch ist mit einem Umsatz von fast neun Milliarden Euro der größte Uhrenkonzern der Welt. Entsprechend gelassen kann Nick Hayek, der Chef der Swatch-Gruppe, die Lancierung der Apple-Watch verfolgen. „Die Smartwatch ist keine Gefahr für die Schweizer Uhrenindustrie, sondern eine Chance“, sagt er. „Wenn es einen Boom im Markt für Smartwatches gibt, wird die Swatch-Gruppe davon profitieren.“ Hayek stößt ja selbst in dieses Segment vor - nur auf andere Art als Apple. Ähnlich wie für Bulgari-Chef Babin hat es auch für Hayek keinen Sinn, alle Funktionen eines internetfähigen Mobiltelefons in eine kleine Uhr zu pressen. „Wir wollen kein Telefon ans Handgelenk bring

          Hayek stecken natürlich nicht die düsteren achtziger Jahre in den Knochen, wie sie viele Hersteller mechanischer Uhren erlebt haben, als immer irgendwo eine Casio piepste. Die alte Schweizer Uhrmacherkunst erlebt erst seit Beginn dieses Jahrtausends eine Renaissance. Jetzt, da die Begeisterung für das, was eine Uhr ausmacht, schon wieder in eine andere Richtung gehen könnte, beschäftigen sich einige Hersteller lieber früher als später mit der Zukunft. Frédérique Constant zum Beispiel hat ein Joint Venture mit einem Unternehmen aus dem Silicon Valley gegründet. Über die AppMotionX behält man die Übersicht über das halbe Leben, den Bedarf an Schlaf und Bewegung, den Kalorienverbrauch. Mit der passenden Uhr, der Horological Smartwatch, kann man all das auch ändern. Dagegen ist die B55 von Breitling weniger etwas für Menschen, die ihren Körper als Tempel behandeln, sondern eher etwas für Vielflieger. Sie lässt sich über das Smartphone in die richtige Zeitzone stellen.

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