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Fliegende Surfer : Ist das die Zukunft des Wassersports?

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Tragflügel begegnen einem mittlerweile überall. Sie werden nicht nur unter den Booten, sondern auch seitlich, wie sichelartige Fühler, angebracht. Werden sie von der Seite nach innen unter den Rumpf gebogen, erinnern sie dann an die flossenartigen Fortsätze am Maul eines Mantarochens.

Das Foiling Dinghy aus Potsdam: die Flügeljolle für jedermann

Aus Potsdam kommt eines der interessanten kleinen Segelboote, das Foiling Dinghy, mit dem man abheben kann. Der Schiffbauingenieur Thilo Keller und seine Partnerin Catarina Jentzsch haben diese Flügeljolle erfunden. Sie ist einfach zu segeln und hat selbstjustierende (automatic cam control) Foils – in Rochenstellung – unter dem Rumpf. Mit ihrem Start-up Advanced Sailing Technologies hoffen die beiden, diese Technik für viele Segler attraktiv zu machen. Ein komplett ausgestattetes Foiling Dinghy mit kleinem Trailer kostet ungefähr 13.000 Euro.

Eine größere Einrumpf-Segelyacht, auch mit Rochen-Foils, die zwar in einer Rennklasse teilnehmen darf, aber nicht ausschließlich für Profis konzipiert ist, geht demnächst bei Bénéteau in Frankreich in Serie. Rennbegeisterte Segler können das zehn Meter lange Boot für ungefähr 200.000 Euro vorbestellen. Die Foils heben es zwar nicht ganz aus dem Wasser, aber der Auftrieb reduziert den Wasserwiderstand deutlich, so wird das Boot erheblich schneller.

Ein offenes, sehr sicheres Kielboot mit nach außen gebogenen Sichelfoils, das fliegen kann, ist die Quant 23, die man auch bei Stickl am Gardasee segeln lernen kann.

Aber nicht nur Segler wollen fliegen, die Wellen einfach unter sich wegbügeln. Unter beinahe jedes Wassergefährt kann man Foils schrauben. Elegantes Schweben über der Oberfläche ist angesagt. Profis wie Robby Naish, Kultwindsurfer aus Hawaii, der Kite-Weltmeister Kevin Langeree und Stand-up- Paddel-Weltmeister Kai Lenny sind schon im Tiefflug unterwegs. Sie sind von der neuen, abgehobenen Art des Surfens und Kitens begeistert. Man braucht etwas Übung, aber bald erreicht man schon bei leichtem Wind und niedrigen Wellenhöhen extreme Geschwindigkeiten – Big Waves und Starkwind sind fürs Fliegen gar nicht nötig.

Wer etwas weniger gefährlich abheben möchte, nimmt ein Tragflügelkajak – wie das norwegische Flyak –, etwas Kraft in den Armen braucht man aber schon, um die Abhebegeschwindigkeit zu erreichen. Und zurück zu den Anfängen des Foilens im Insektenstil geht es vielleicht mit einem Nachbau kurioser experimenteller Erfindungen, die bereits vor vielen Jahren mit Muskelkraft und seltsamen Körperbewegungen betrieben wurden und die an eine Art Cross-Trainer auf dem Wasser erinnern, wie etwa das Pumpabike von Mike Puzzey oder das Pogofoil.

Schneller über den Wellen: eine neue Dimension des Windsurfens mit dem Flow Foil 1250.

Will man einfach nur fliegen, sich nicht anstrengen, lässig auf einem Surfbrett vor einem Strand an der Côte d’Azur eine gute Figur machen, dann gibt es sehr schnelle Surfboards mit Foils und Elektro- Antrieb, wie zum Beispiel das Fliteboard oder das Lift eFoil. Und Alain Thébault, der Pilot der futuristischen Hydroptère? Er hat sich ein Tragflügelwasserkapseltaxi, das Seabubble, ausgedacht, das auf den Flüssen und Kanälen der verstopften Städte eine Alternative zum Auto sein könnte; so wie auch die autonom schwebende Hydrospace-Fähre, ein Konzept des Designers Cas Dahmen vom Royal College of Art in London.

Hydrospace und Seabubbles sehen auf jeden Fall nach einer Zukunft über den Wellen in Zeiten steigender Meeresspiegel aus. Einzig Plastiktüten, die leider inzwischen wie riesige Quallenschwärme durch die Weltmeere treiben, könnten die schnellen Tragflügelgeschosse ausbremsen.

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