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Komm! Ins Offene!

Was wird aus dem Mann, wenn er die Macht abgibt?

23.01.2020
Text: CAROLIN WIEDEMANN
Fotos: JELKA VON LANGEN

Im Facebook-Stream erscheint eine Calvin-Klein-Werbung: Das Model auf dem Schwarzweißfoto reckt das Kinn über die schulterlangen, zerzausten blonden Haare, seine Lippen sind geschwungen wie die von Brigitte Bardot, der Blick ist von James Dean, die Jeansjacke öffnet sich über der flachen Brust, Muskeln zeichnen sanft den nackten Bauch. „Ist das ein Junge?“, lautet der erste Kommentar unter dem Bild. Keine Antwort.

In diesem Artikel wird es darum gehen, was das ist: ein Junge, ein Mann, was das heute ist, sein soll, darf, will. Und was aus ihnen werden könnte, den Männern. Und da geht es natürlich auch um Frauen, denn die braucht es, sonst gäbe es keine Männer. Damit ist nicht gemeint, dass Mann und Frau sich brauchen, damit es Nachwuchs, also überhaupt auch neue Männer gibt – die Aufgabe der Fortpflanzung übernehmen womöglich irgendwann die Labore. 

Eine Geschichte aus der aktuellen Ausgabe des Magazins der F.A.Z. „Frankfurter Allgemeine Quarterly“

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Wenn es keine Frauen gäbe, dann gäbe es keine Männer, dann könnte man einfach immer Mensch sagen, wenn man ein Exemplar dieses Lebewesens vor sich hat. Das hat man übrigens andersherum lange genug getan: Man hat Mensch gesagt, wenn es nur um Männer ging. Männer haben Menschenrechte deklariert, und zwar erst einmal nur für sich selbst. 

Mann zu sein definiert sich vor allem darüber: nicht Frau zu sein. Die Binarität der Geschlechter ist noch immer eine Grundstruktur unserer Gesellschaft. Kaum eine andere Kategorie ordnet unser Denken so sehr wie die des Geschlechts. Andere Eigenschaften nehmen wir selten so schnell wahr; sie bleiben uns auch nicht gleichermaßen in Erinnerung. Welche Haarfarbe hatte die Person, die das Aspirin in der Apotheke verkauft hat? Darauf haben Sie vielleicht nicht geachtet. Aber ob es ein Mann oder eine Frau war, wissen Sie bestimmt noch. Läuft ein Mensch an Ihnen vorbei, so nehmen Sie, ganz unbewusst, sein Geschlecht wahr – und falls Sie die Person nicht einordnen können, fällt Ihnen das auf, wird es Ihnen bewusst. „Ist das ein Junge?“   

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