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Starregisseur im Gespräch : Wie wollen Sie Trumps Wiederwahl verhindern, Judd Apatow?

  • -Aktualisiert am

Der König der erfolgreichen Hollywood-Komödien: Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Judd Apatow (sitzend) am Filmset. Bild: 2020 Universal Studios

Regisseur Judd Apatow gilt als Komödienkönig des Kommerz-Kinos. Im Interview spricht er über lustige Filme über Covid-19 oder die Trump-Regierung - und erklärt, warum er für Amerika mit dem Schlimmsten rechnet.

          7 Min.

          Er gilt als Komödienkönig des Kommerz-Kinos. Judd Apatow ist der Mann hinter „Jungfrau, 40, männlich, sucht . . .“, „Beim ersten Mal“ oder „Dating Queen“. Er ist Drehbuchautor, Regisseur und produziert reihenweise amerikanische Schenkelklopfer von „Brautalarm“ bis „Anchorman“. Vielleicht liegt sein Erfolg daran, dass seinen Protagonisten immer etwas Ungelenkes, Ungelacktes anhaftet, eine berührende Menschlichkeit. Apatow arbeitete gern mit denselben Schauspielern zusammen, der „Apatow-Gang“, und förderte die Karrieren von Seth Rogen, Steve Carell, Paul Rudd, Jason Segel oder Lena Dunham. Mit „King of Staten Island“ lieferte der 53-Jährige jetzt sein neues Werk ab, über die Selbstfindung eines tattooverrückten Losers.

          Mister Apatow, warum meinten Sie, dass ausgerechnet die Geschichte eines jungen Mannes, dessen Vater beim Feuerwehreinsatz im World Trade Center ums Leben kam, das Zeug zu einer erfolgreichen Komödie hat, zumal der betroffene Pete Davidson seine Figur auch noch selbst verkörpert?

          Ich starte meine Filme nie mit der Prämisse, dass am Ende eine große Komödie rauskommen muss. Ich interessiere mich einfach für gute Geschichten, und alle guten Geschichten tragen auch immer etwas Humor in sich. Pete Davidson selbst . . .

          Der neue Apatow – „The King of Staten Island“: Pete Davidson in seiner Rolle als Scott Carlin.
          Der neue Apatow – „The King of Staten Island“: Pete Davidson in seiner Rolle als Scott Carlin. : Bild: 2020 Universal Studios

           . . . der in den Vereinigten Staaten durch die Kult-Comedy „Saturday Night Live“ zum Star wurde . . .

          . . . Pete hat ja selbst eine Karriere als Komiker verfolgt, trotz – oder gerade wegen – seiner traurigen Geschichte. Die Frage ist, aus welcher Perspektive man sein Leben sieht. Pete hatte lange Schwierigkeiten, diese persönliche und gleichzeitig nationale Tragödie zu verarbeiten. Als er mir davon mal erzählte, spürte ich, dass unter diesem Schicksalsschlag ein wertvoller Film verborgen liegt, der zeigt, wie eine Familie weitermacht und lernt, all die Trauer und all den Schmerz hinter sich zu lassen.

          Sie erzielen Traumumsätze mit ihren Komödien, obwohl die vor tragischem Potential strotzen: Ein 40-Jähriger, der noch nie Sex hatte, ein junger Mann, der eine Krebsdiagnose erhält, eine zerrüttete Ehe – das sind ja nicht unbedingt Schenkelklopfer-Stoffe.

          Wir alle versuchen, unser Leben auf die Reihe zu bekommen und dabei so wenig wie möglich zu leiden. Das kann entweder eine schrecklich ernste Anstrengung sein, oder man versucht es eben mit etwas Humor. Letztendlich wollen wir alle glücklich sein, aber je düsterer es im Leben aussieht, desto spannender ist auch die Geschichte auf dem langen Weg zum Glücklichsein. Jeder von uns versucht, eine erfolgreiche Beziehung zu führen, jeder denkt über seine Sterblichkeit nach – warum also soll man über solche Themen keine Komödien machen können?

          Sie wuchsen auf Long Island auf. Wie war das, die Heimatstadt New York so stark unter der Corona- Epidemie leiden zu sehen?

          Ach, es traf mich genauso, wie Kalifornien so stark betroffen zu sehen, wo ich jetzt die meiste Zeit lebe. Während die Lage in New York langsam unter Kontrolle zu sein schien, wurde es hier in Los Angeles täglich schlimmer. Die Situation ist beängstigend, und unsere Regierung demonstriert ihre absolute Unfähigkeit, mit dieser Notlage umzugehen. Ich befürchte, dass wir die schlimmste Zeit noch vor uns haben, leider.

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