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Von Mensch zu Mensch : Denken Sie etwas deutlicher!

Die Menschen verständigen sich mit Worten, Gesten, Mienen. Das war schon immer so. Aber muss es auch so bleiben? Oder können wir bald unsere Gedanken und Gefühle direkt senden?

          7 Min.

          Kommunikation hat sich in den vergangenen Jahrzehnten radikaler verändert als in den Jahrtausenden davor. Trotzdem ist es kaum zu glauben, mit welchen unfassbar altmodischen Mitteln sich die Menschen noch immer miteinander verständigen: Mit Fingern, die auf Displays tippen, bedienen sie ihre Smartphones, in Sprachen voller Missverständnisse reden sie mit ihren digitalen Assistenten, und immer noch verwenden sie Gesten, Blicke und andere Ausdrucksformen, die sie oft gar nicht dechiffrieren können. Nur die wenigsten Menschen halten diese Rückständigkeit für ein Problem; vom Silicon Valley aus betrachtet aber ist der Einsatz derart antiquierter Medien ein untragbarer Zustand: ineffizient, indirekt, langsam.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Und außerdem eine Frechheit gegenüber all jenen Menschen, die sich nicht mit den verfügbaren Mitteln artikulieren können, Patienten etwa, die unter ALS oder dem Locked-in-Syndrom leiden. Solche Behinderungen sind gewissermaßen eine Metapher, die der Forschung den idealistischen Anstrich liefert: Die Visionen, die unter Neurowissenschaftlern und KI-Forschern kursieren, erwecken den Eindruck, dass die gesamte Menschheit unter einer Art Locked-in-Syndrom leide; dass in den Hirnen der Menschen eine Unmenge von unsagbaren Gedanken gefangen sei, ein Potential, das nur darauf warte, endlich befreit zu werden. Bald können wir die Codes unserer inneren Kommunikation entziffern; und wenn wir die Gedanken besser lesen können, wird es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis wir auch lernen, sie zu schreiben. Der Traum von der Telepathie beginnt gerade, Wirklichkeit zu werden.

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