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Ciani-Sophia Hoeder : Wie politisch können Haare sein?

  • -Aktualisiert am

Wie möchten Sie RosaMag weiterentwickeln?

In der ersten Zeit sind wir sehr stark von eigenen Erfahrungen ausgegangen, jetzt, da RosaMag etabliert ist, geht es darum, möglichst viele unterschiedliche Themen und Lebensrealitäten von schwarzen Menschen in Deutschland abzubilden. Das ist ja eine heterogene Gruppe. Wir richten uns aber auch an Menschen, die sich dafür interessieren, was es bedeutet, schwarz zu sein. Wir wollen einen Raum schaffen, ohne erhobenen Zeigefinger.

Wie viele Leserinnen hat RosaMag?

Wir haben 50.000 Leser*innen. Wir stehen aber nicht unter dem Druck, schnell zu wachsen. Wir haben drei fest angestellte Mitarbeiterinnen und viele freie Autorinnen. Unsere Planung geht davon aus, dass wir kein Millionenpublikum ansprechen wollen. Wir sind kein Frauenmagazin, das die ultimativen Tipps für den perfekten Orgasmus, für Mode und Beauty bringt und damit eine möglichst breite Leserschaft anspricht – um viele Anzeigenkunden zu akquirieren. Wir wollen in der Nische bleiben, die wir besetzt haben. Das gibt uns auch Freiheiten.

Welche Themen werden besonders häufig geklickt?

Alle Bereiche gleichermaßen. Unsere Mischung: 50 Prozent Kultur- und Lifestyle-Themen, die andere Hälfte sind Politik- und Gesellschaftsthemen. Wir kooperieren mit Partnern wie jetzt.de oder der digitalen Plattform Edition F. Von ihnen werden häufig Gesellschaftsthemen übernommen.

Gibt es Überlegungen, RosaMag so anzulegen, dass es auch schwarze Männer anspricht?

Es ist toll, wenn Männer das RosaMag lesen, natürlich! Wir haben tatsächlich einige Angebote bekommen, es in diese Richtung zu entwickeln. Aber für uns ist der prägende Gedanke: Man kann als schwarzer Mensch diskriminierende Erfahrungen machen und als Frau. Danach sind unsere Inhalte ausgerichtet. Und ich finde es wichtig, schwarze Frauen ganz explizit als Zielgruppe anzusprechen und sie zu empowern.

Wie finanziert sich das Magazin?

Ich hatte mich mit der Idee beim Media Lab Bayern beworben, das Journalist*innen und Gründer*innen unterstützt, fördert und vernetzt. Einige Monate entwickelte ich das Projekt im Rahmen des „Ideen-Inkubators“. Heute finanzieren wir uns über Steady, die Mitgliedschaftsplattform für unabhängige Medien. Zudem machen wir viele Workshops für Unternehmen und Organisationen, teilen unser Wissen mit Menschen und regen dazu an, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wo strukturelle Ungerechtigkeiten liegen.

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Perspektiven von Jugendlichen : Eine Generation, viele Träume Bild: Neven Allgeier

Wie erleben Sie diese Ungerechtigkeiten?

Um ehrlich zu sein, habe ich viele Jahre lang Momente von Ausgrenzung oder internalisiertem Rassismus zum Teil verdrängt, zum Teil nur kurz wahrgenommen. Dann hörte ich auf, meine Haare zu glätten, und erlebte viel häufiger Situationen, in denen ich wegen phänotypischer Merkmale angesprochen, auch beleidigt wurde – bis hin zum N-Wort, das ich mit einem Mal öfter hörte als zuvor in meinem Leben. Ich hatte also vorher weniger Ausgrenzung erlebt. Es ist tatsächlich ein Schritt, den man bewusst machen muss: Wenn man anfängt, sich mit Ausgrenzung zu beschäftigen, lässt man den Schutzwall weg, und plötzlich wird einem klar, in wie vielen Momenten es Ungerechtigkeit in der Gesellschaft gibt. So wie es Frauen geht, egal welcher Hautfarbe, die anfangen, genauer hinzusehen, und dann feststellen: Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung sind leider nach wie vor eine Forderung und nicht Fakt. Aber durch Genervtsein verändert sich nichts. Jeder vierte Mensch in Deutschland hat eine Migrationsgeschichte. Mich interessiert, Inhalte zu schaffen, die alle ansprechen. Denn es gibt eine journalistische Pflicht, alle anzusprechen.

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