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In Mode und sozialen Medien : Das skurrile Comeback der Hexen

  • -Aktualisiert am

Die Schwestern Camilla und Giulia Venturini verwandeln sich mit künstlichen Nasen in Hexen und bewerben so ihr Taschenlabel Medea. Bild: Bunny Kinney

Sie ist Single, meist kinderlos, folgt ihrer eigenen Lust, hat magische Kräfte – und macht Männern Angst: Die Mode entdeckt eine besondere Frauenfigur wieder. Ganz ohne Besen.

          Wenn stimmt, was man bisher annimmt, also dass die Modefotografie so etwas wie Begehrlichkeit schaffen soll, dann lässt die Frühjahr-Sommer-Kampagne des italienischen Taschen-Labels Medea darauf schließen, dass die Hexe neuerdings so etwas wie ein Vorbild ist: Um ihre aktuelle Taschenkollektion in Szene zu setzen, buchten die Zwillingsschwestern Camilla und Giulia Venturini keine hübschen Models, sondern klebten sich selbst mit Hilfe der Make-up-Artistin Isamaya Ffrench je eine gigantische Nase ins Gesicht, übermalten ihre Augenbrauen mit zwei dünnen Strichen und färbten ihre Lieder bunt, bevor sie, mit ihren ebenfalls bunten Täschchen behangen, durch die Viertel um den Londoner Hyde-Park spazierten.

          Als Inspiration für ihre Kollektion nennen sie die Fassbinder-Ikone Hanna Schygulla, die Selbstinszenierung des Duos in der Kampagne erinnert allerdings eher an eine Kreuzung von Ruth Gordon in „Rosemary’s Baby“ und Anjelica Huston in „Hexen hexen“. Ganz verkehrt kann diese Assoziation nicht sein, denn die Schwestern bezeichnen sich in Interviews gerne als genau das: als Hexen.

          Auf den Straßen von New York und Washington

          Die Hexe erlebt derzeit ein großes Comeback. In der Mode, und insgesamt in der Popkultur. Sie ist, wie das Magazin „W“ vor einigen Monaten bemerkte, plötzlich überall: Man trifft sie auf den Laufstegen von Tom Ford, Prada, Rodarte, über Dior, Maison Martin Margiela bis zu Céline in langen schwarzen Kleidern, viel Chiffon, Tüll, mit weiten Hüten. Ebenso auf den Straßen von New York und Washington, wo sie sich in großen „Hexenrunden“ versammelt, um Männer wie Präsident Donald Trump oder den Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh mit Flüchen zu belegen. Im Internet, wo sie auf Instagram unter dem Hashtag #witchesofinstagram mit stolzen 2,7 Millionen Einträgen erscheint. Selbst auf dem Buchmarkt ist dieser Frauentypus, der angeblich dunkle Kräfte besitzt, der neue Star.

          In den vergangenen zwei Jahren sind Dutzende Essays erschienen, darunter „Witches, Sluts, Feminists“ von Kristen J. Sollee (2017), „Craft: How to Be a Modern Witch“ von Gabriela Herstik (2018), „Witches, Witch-Hunting, and Women“ von Silvia Federici (2018) und der in Frankreich viel beachtete Text „Sorcières. La puissance invaincue des femmes“ („Hexen. Die unbesiegte Kraft der Frauen“) von Mona Chollet (2018). Im Juni kommt das bereits im Vorfeld gefeierte „Waking the Witch. Reflections on Women, Magic, and Power“ der „Witch Wave“-Podcast-Queen Pam Grossman auf den Markt.

          Serien-Remakes wie das des Neunziger-Jahre-Klassikers „Charmed“ oder Netflix’ jüngstes „The Chilling Adventures of Sabrina“ und die Ankündigung einer Neuverfilmung von „Hexen hexen“ mit Anne Hathaway in der Rolle der Oberhexe schließen sich dieser Welle an. Eines der interessantesten Beispiele war zuletzt im Herbst Luca Guadagninos Neuinterpretation von Dario Argentos Siebziger-Jahre- Horror-Kultfilm „Suspiria“: Dakota Johnson landet dort als blauäugige Susie in einem als Tanzschule getarnten Hexenzirkel in Berlin, den die stets gruselige Tilda Swinton als Madame Blanc anführt.

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