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Drogen : Wollen wir uns noch berauschen oder nur noch optimieren?

  • -Aktualisiert am

Früher war mehr Exzess: Heute geht es um feines Dosieren und präzise Wirkungen Bild: Quaterly

Kokain, LSD und Amphetamine werden in Industrieländern immer bewusster in kleinsten Mengen zur Steigerung der Leistung eingesetzt. Dazu kommen legale Mittel wie Ritalin und Modafinil – und verstärkt Elektroimplantate.

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          Drogen verändern bekanntlich die Persönlichkeit. Meist vorübergehend. Allerdings sieht es so aus, als würde das 21. Jahrhundert mit seiner Aussicht auf das transhumane Maschinenzeitalter unsere Matrix schon so umprägen, wie es in dieser Tiefe vielleicht nur die Menschen der Renaissance erlebt haben. Welche Substanzen werden wir also in dieser Transformationsära zu uns nehmen? Schon jetzt konsumieren mehr und mehr Menschen der Industrieländer bekannte Drogen deutlich anders als früher. Und es kommen weiter neue Mittel dazu.

          Wer Paul Austin, dem Kopf des Third Wave Movement, eine Weile zuhört, der ahnt, dass Millionen Menschen im Sommer of Love von 1967 und lange danach synthetische Drogen einfach nur falsch benutzt haben. Austin, 28, ehemaliger Tech-Unternehmer aus Brooklyn, vertritt diese These nicht nur, seit er 2015 das Third Wave Movement gegründet hat. Er lebt sie. Die Kernbotschaft seiner Organisation lautet: Es gibt drei universelle Schritte in der Drogengeschichte. Erstens die traditionelle Nutzung von Rauschmitteln in fast allen Kulturen, etwa von Kat, Meskalin und Haschisch. Zweitens der exzessive Konsum dieser und anderer Substanzen in der Gegenkultur der sechziger und siebziger Jahre. Und schließlich, drittens, heute, der kluge, weil nicht mehr ruinöse Umgang mit Drogen aller Art, nämlich das Microdosing. Das bedeutet, nur ein Zehntel der normalen Rauschdosis einzunehmen. Der Microdoser entfernt gewissermaßen den Rausch aus dem Rausch, zumindest den Exzess. Paul praktiziert das wie auch viele Software-Entwickler im Silicon Valley mit LSD, andere benutzen Methylenedioxymethamphetamin, kurz MDMA, oder Psilocybin, den Wirkstoff psychedelischer Pilze. Microdoser nehmen Substanzen zur dauerhaften Optimierung. "Das ist nicht so viel, dass es zu visuellen Veränderungen kommt", sagt Paul, "aber es stellt sich eine Wirkung im Gehirn ein."

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