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New Yorks Upper Westside : West Side Glory

  • -Aktualisiert am

Luftblick auf New Yorks Upper Westside: Wer es sich leisten kann, hier zu leben, der hat es geschafft. Häufig genug handelt es sich um Prominente aus dem Showbusiness Bild: mauritius images

Kein New Yorker Stadtteil zieht die Reichen und Berühmten so sehr an wie die Upper West Side. Was ist an diesem Viertel bloß so attraktiv? Zwei Hausbesuche in der Prominenten-Hochburg.

          Prominente lieben New York. In keiner anderen Stadt können sie so gut untertauchen und trotzdem mittendrin sein. Niemand gafft, stalkt oder fragt nach Selfies oder Autogrammen – es sei denn, er ist Tourist aus Europa.

          Ein Stadtteil hat es den bekannten Gesichtern ganz besonders angetan: die Upper West Side. Das zeigte jetzt eine Studie des New Yorker Verbraucherportals für Wohnungssuchende, „AddressReport“, das bestimmte Lagen auswertet, etwa in Bezug auf Kriminalität, Verkehrsanbindung, Ratten- oder eben auch Prominentendichte.

          Keine New Yorker Neighborhood zählt mehr bekannte Namen als diese 50 Querstraßen westlich des Central Park zwischen Columbus Circle und Cathedral Parkway, wo einst John Lennon lebte, wo Bernsteins „West Side Story“ spielt und Woody Allen seine Mia Farrow besuchte, damals, als alles noch gut war. Heute leben hier Schauspieler wie Robert DeNiro, Al Pacino, Denzel Washington, Matt Damon, Michael J. Fox und Musiker wie Bono, Cyndi Lauper und Sting.

          Woran liegt der Reiz der West Side?

          Was macht diese Lage so beliebt bei den Stars? Sind es die schicken Restaurants? Kaum, denn angeblich ist die Upper West Side eine kulinarische Wüste. Ist es die Nähe zur größten Grün-Oase Manhattans, dem Central Park mit über 20.000 Bäumen? Dann wäre die Upper East Side, das Pendant auf der östlichen Seite des Parks, genauso prädestiniert. Hier leben jedoch laut „AddressReport“ weit weniger Celebrities als im Westen. Ist es der exklusive Wohnraum? Die edlen Boutiquen?

          Wo die Promis wohnen

          Steve Leaphy lebt seit 25 Jahren in der Upper West Side. Er ist nicht prominent, sondern Angestellter der Stadt New York. Seinen richtigen Namen möchte der 58-Jährige dennoch nicht nennen, daher ist dieser geändert. Sein Apartment in der West 94th Street, Ecke Broadway liegt zehn Fußminuten vom Central Park entfernt. Dass sein Viertel die höchste Promi-Dichte in ganz New York City hat, überrascht ihn nicht. „Wenn man eine Familie mit Kindern hat, ist das hier oben ein angenehmes Lebensumfeld. Breite Fußwege, viele Bäume, um die Ecke der Park. Künstler und Schauspieler würden sich nicht in der Upper East Side niederlassen wollen. In der West Side ist einfach mehr los“, sagt er.

          Eine Markise ziert den Eingangsbereich seines 1929 erbauten Apartmentblocks mit 147 Wohnungen. „Norman Mailer stach hier 1960 mit dem Taschenmesser auf seine Frau ein“, erzählt Steve Leaphy. Wenn er durch das mondäne Foyer geht, nickt er dem Empfangsportier in Livree zu. Dann steigt er in einen von drei Fahrstühlen und lässt sich in den 17. Stock befördern. Dort lebt er in einem bis zur Decke mit Büchern gefüllten „Classic Six“-Apartment, einem New Yorker Wohnungstyp aus der Vorkriegszeit mit Wohn,- Ess- und Dienstmädchenzimmer, zwei Schlafzimmern und Küche. Zwei Bäder und ein WC im einst für die Hausangestellte vorgesehenen Zimmer, das praktischerweise an die Küche angrenzt, gibt es auch. Im Wohnzimmer erinnert ein alter Steinway-Flügel an seine verstorbene Frau, die darauf spielte.

          Opfer der Gentrifizierung

          „Als unser zweiter Sohn unterwegs war, wurde unsere Wohnung in Chelsea zu klein für uns“, erinnert sich der studierte Jurist. „Wir überlegten, nach Brooklyn, Park Slope oder innerhalb Chelseas umzuziehen. Aber die Wohnungen in der Upper West Side hatten einfach eine familienfreundlichere Größe. Es gab viele Parks, den Riverside Park am Hudson und den Central Park. Dazu ein paar gute öffentliche und viele private Schulen. Das war einfach ideal für uns.“

          Damals, 1989, wohnten noch viele Dichter, Verleger und Künstler im Haus. „Die Upper West Side galt als Zufluchtsort für Linksintellektuelle. Die Mieten waren erschwinglich, und der Ort war politisch und philosophisch aufgeladen. Die Künstler sträubten sich gegen die Unterwanderung durch mehr Kapital, durch Yuppies und Anwälte.“ Die Yuppies und Anwälte, das waren Leute wie Steve Leaphy. Sie brachten Geld mit und stellten entsprechend höhere Ansprüche an ihren Wohnraum. Das sorgte für Spannung. Auch weil es die Immobilienpreise in die Höhe trieb. Heute ist Leaphys Apartment an die zwei Millionen Dollar wert. „Ich kenne einen Anwohner aus dem 15. Stock, der von Anfang an dabei war und 36.000 Dollar für sein Apartment bezahlt hat. Jetzt könnte er es für fast vier Millionen verkaufen“, erzählt er.

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