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New Yorks Upper Westside : West Side Glory

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Und dennoch: Für die richtig großen Stars sei sein Wohnumfeld auch heute noch wenig reizvoll. Das Gebäude teilt er sich mit Berufseinsteigern, jungen Paaren und ein paar alteingesessenen Anwohnern. „Wer berühmt und gut betucht ist und in der Upper West Side leben möchte, würde sich eher am Central Park West niederlassen“, sagt er. Das ist die Straße, die direkt entlang der großen urbanen Oase führt und von der aus man einen Blick über den Park hinweg auf ein Panorama von Wolkenkratzern genießt, als wären diese weit entfernt und man selbst nicht auch von einem Häusermeer umgeben. Eine Illusion, die ihren Preis hat. Hier kosten Apartments ab zehn Millionen Dollar aufwärts. Einer aktuellen Studie der Immobiliengutachter Michael Samuel Inc. zufolge erzielt der Quadratmeter Wohnfläche 31.000 Dollar.

„Gaffen ist für Touristen“

In solch einem Luxus-Apartment wohnt Daniel Katz, Umweltaktivist und Mitbegründer der Rainforest Alliance, deren Regenwald-Frosch zahllose Kaffeepackungen besiegelt. In seinem sonnendurchfluteten Wohnzimmer könnte eine kleine Kindermannschaft gut Fußball spielen. Die Wandseite Richtung Central Park besteht ab Hüfthöhe durchweg aus Fenstern; spätestens zur Abenddämmerung ist der Ausblick magisch. „Ich wollte eigentlich nie in einem Fahrstuhlgebäude mit Portier wohnen“, erinnert sich Katz, „aber ich habe mich daran gewöhnt, und Portiers bieten auch eine Menge Sicherheit und Komfort.“ Der 53-Jährige lebte ursprünglich in Park Slope, Brooklyn, als er seine Frau kennenlernte, die Tochter eines Fernsehproduzenten, die bereits Upper-West-Side-Bewohnerin war. „Sie hat gewonnen! Jetzt leben wir schon 16 Jahre hier. Unglaublich.“

Seine beiden Kinder sind mit den Spielplätzen im Central Park aufgewachsen. Auch heute noch vergnügen sie sich regelmäßig im „Arthur Ross Pinetum“, einem kleinen Kiefernwald mit Schaukeln für die Kleinen und Klimmzugstangen für die Großen.

„Manchmal sieht man schon Prominente. Kevin Bacon und Kyra Sedgwick sind mir mal auf der Straße oder in der U-Bahn aufgefallen“, sagt Katz. „Es ist auch überhaupt nicht ungewöhnlich, wenn einem Jerry Seinfeld oder Dustin Hoffman im Central Park, im Restaurant oder bei einer Broadway-Aufführung über den Weg laufen. Aber die Schauspieler wollen ein normales Leben führen, und die meisten Leute verstehen das. Man mag vielleicht ein Gesicht erkennen, aber man gafft nicht. Gaffen ist für Touristen!“

Die Promi-Karawane zieht weiter

Alicia Schwartz ist Immobilienexpertin beim Portal „AddressReport“. Sie erklärt sich das der Upper West Side anhaftende Prestige mit der Exklusivität des angebotenen Wohnraums. „Die West und die East Side sind beide attraktiv für reiche Familien, mit dem Unterschied, dass die Westseite im Vergleich über weit weniger Immobilien verfügt. Das lockt Prominente an.“ Die Upper East Side – die 5th Avenue etwa, auf der Jackie Kennedy Onassis lebte – sei eher der Tummelplatz des alten Geldadels.

Mittlerweile geht der Trend, zumindest für jüngere Promi-Generationen, aber in eine andere Richtung. „Wenn man sich mal anschaut, wer da in der Upper West Side lebt, dann sind das alles ältere Berühmtheiten über 40“, so Alicia Schwartz. „Was in den Neunzigern die Upper West Side war, ist heute Brooklyn.“ Die Szene ist also weitergezogen. Im vergangenen Jahr hätten sich Ethan Hawke, Keri Russell oder Anne Hathaway in Brooklyn niedergelassen. Auch die Brownstone-Häuser im quirligen West Village, von denen gerade der „Friends“-Schauspieler David Schwimmer eines erworben und renoviert hat, sind bei dieser Klientel längst angesagter als die heute vielleicht etwas spießig anmutende, familienorientierte Atmosphäre der Upper West Side.

Heute überlegt auch Steve Leaphy, ob er vielleicht wieder nach Chelsea zieht, einem typisch gentrifizierten New Yorker Viertel mit heute über 300 Galerien. Früher joggte Leaphy in den Abendstunden an Prostituierten und Autowerkstätten vorbei. „Das Viertel hat sich komplett umgekrempelt. Es ist cooler.“ Sollte Daniel Katz sein Luxusapartment in der Upper West Side verlassen, würde er New York gleich ganz den Rücken kehren. „NYC ist ein phantastischer Ort, aber die Hundehäufchen auf den Fußwegen und die überfüllten U-Bahn-Züge gehen mir langsam auf die Nerven.“ Auch Leaphy meint: „Es ist nicht mehr hip hier in der Upper West Side. Wer heute richtig viel Geld hat und etwas cool sein möchte, würde sich einen Loft in TriBeCa kaufen oder ein Haus im West Village.“ Preisschild: zwölf Millionen Dollar.

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