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Penélope Cruz im Interview : Sie berauscht sich lieber an der Arbeit

  • -Aktualisiert am

Penélope Cruz bei der Premiere von „Offenes Geheimnis“ bei den Filmfestspielen in Toronto. Bild: AFP

Penélope Cruz spielt die Hauptrolle in „Offenes Geheimnis“. Im Interview erzählt sie, wie sie mit einer Panikattacke am Set umging und was sie noch lieber drehen würde als Dramen.

          5 Min.

          Kommt sie, oder kommt sie nicht? Ein Interviewtermin mit Penélope Cruz kann so nervenaufreibend sein wie ihre Filme. Sie gehört zu den Schauspielerinnen, die nicht oft mit Journalisten sprechen. Auf den Filmfestspielen in Cannes wird dann doch ein Interview mit ihr bestätigt. Anlass ist Asghar Farhadis Regiearbeit „Offenes Geheimnis“, der Eröffnungsfilm des Festivals, der ab dem 27. September auch in den deutschen Kinos läuft. In den Hauptrollen: Penélope Cruz und ihr Ehemann Javier Bardem.

          Eine halbe Stunde noch, dann soll es losgehen. Treffpunkt: die Dachterrasse eines Hotels mit Blick auf die Croisette. Unten tragen die Damen Tüten aus Luxus-Boutiquen wie Trophäen, das Wasser an der Côte d'Azur glitzert so blau wie auf nachkolorierten Postkarten. Langsam beginnt das Bangen. Man erinnert sich an Anekdoten von Interviews, die in letzter Minute abgesagt wurden. Aber mit mehr als einer Stunde Verspätung ist sie plötzlich da – ein Presse-Lunch mit einem Werbepartner war etwas außer Kontrolle geraten. Sie trägt ein schulterfreies weißes Cocktailkleid und abenteuerlich hohe High-Heels. Neun Jahre klassisches Ballett-Training am spanischen Nationalkonservatorium zahlen sich bei diesem Balanceakt aus. Ein grandioser Auftritt, aber sie zieht sich für die Interviews noch einmal um. Soll man einer so lustigen, spontanen, herzlichen Frau böse sein?

          Gemeinsamer Durchbruch

          „Hola!“ Dann wechselt sie ins Englische mit dem typisch harten spanischen Akzent. Den hat sie sich nie abtrainiert, auch nicht nach zahlreichen Filmprojekten in Amerika. Inzwischen ist er eine Art Markenzeichen.

          Erst einmal will sie über ihren neuen Film reden, sie schwärmt von der Zusammenarbeit mit dem iranischen Regisseur. „Offenes Geheimnis“ ist sein erster spanisch-sprachiger Film. „Vor fünf Jahren hat Asghar Javier und mich angerufen und uns in groben Zügen die Geschichte umrissen“, sagt Cruz. „Ein Jahr später schickte er ein kurzes Treatment, im Jahr darauf die erste Drehbuchfassung. Er ist dann tatsächlich eine Zeitlang nach Spanien gezogen, um die Sprache zu lernen.“ Auch gedreht wurde in Spanien. Penélope Cruz spielt eine Frau, die zur Hochzeit ihrer Schwester in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Die Feiern enden abrupt, als ihre Tochter entführt wird. Emotionalen Halt und praktische Hilfe gibt ihr die Jugendliebe Paco, gespielt von Javier Bardem.

          In „Offenes Geheimnis“: Eine ausgelassene Stimmung herrscht bei der Hochzeit von Lauras (Penélope Cruz) Schwester Laura - doch dann verschwindet Lauras Tochter Irene spurlos
          In „Offenes Geheimnis“: Eine ausgelassene Stimmung herrscht bei der Hochzeit von Lauras (Penélope Cruz) Schwester Laura - doch dann verschwindet Lauras Tochter Irene spurlos : Bild: 2018 Teresa Isasi / PROKINO Film

          Penélope Cruz und Javier Bardem – ein besonderes Paar, auf der Leinwand und im wahren Leben. Anfang der Neunziger lernten sie sich kennen, dann kamen sie zusammen, 2010 heirateten sie. In „Jamón, Jamón“ standen sie zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera, als Liebespaar. In Deutschland kam der Film 1992 unter dem plakativen Titel „Lust auf Fleisch“ in die Kinos. Bardem erinnert sich, dass die junge Penélope ihren Eltern damals sicherheitshalber das Drehbuch nicht zeigte, weil sie befürchtete, sie würden ihr wegen der vielen freizügigen Szenen verbieten mitzuspielen. „Der Film hat eine besondere Bedeutung für Javier und mich“, sagt sie. „Damit begannen unsere Karrieren, das war unser Durchbruch.“

          Spielen bis der (Not-) Arzt kommt

          In Woody Allens Liebeskomödie „Vicky Cristina Barcelona“ soll es zwischen Cruz und Bardem nicht nur im Film geknistert haben. Doch darüber verlieren die beiden öffentlich kein Wort. Ihr Privatleben ist tabu. Penélope Cruz zündet ein paar verbale Nebelkerzen, spricht über die schöne Rolle – mehr nicht. Sie warte immer auf Komödien-Angebote, doch gute Drehbücher seien leider nicht so leicht zu finden. „Noch einmal eine Rolle wie in ,Vicky Cristina Barcelona' zu spielen würde ich mir sehr wünschen“, sagt sie. „Ich bin oft in Dramen zu sehen und möchte unbedingt mehr Komödien drehen.“

          Mit ihrem Mann hat sie zwar schon neun Filme gedreht, aber nur in vier davon hatten die beiden auch gemeinsame Szenen. Neben „Jamon, Jamon“ und „Vicky Cristina Barcelona“ sind das „Loving Pablo“ und „Offenes Geheimnis“. Für diesen Film hat sie wieder einmal alles gegeben. Und das bedeutet buchstäblich: Spielen, bis der Arzt kommt. Als sie in einem Auto eine Panikattacke mit Nervenzusammenbruch darstellen sollte, wurde die Kunst schnell zur Realität. „Wir haben die Szene mehrmals wiederholt“, sagt sie. „Und ich wollte das so authentisch wie möglich spielen. Bei einer Panikattacke atmet man ja anders als gewöhnlich. Vermutlich habe ich deshalb einfach zu wenig Luft bekommen. Als ich dann aus dem Auto aussteigen wollte, bin ich in Ohnmacht gefallen. Ein Rettungswagen kam, und die Sanitäter stellten fest, dass mein Blutzucker extrem hoch und mein Blutdruck extrem niedrig waren. Deswegen hat mein Körper schlapp gemacht.“

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