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Neues Restaurant in Düsseldorf : „Phoenix“ steigt auf

  • -Aktualisiert am

Es leuchtet wieder: Im Düsseldorfer Dreischeibenhaus ist das Restaurant „Phoenix“ frisch eröffnet. Bild: Steve Herud

Erst wurde hier das Wirtschaftswunder mit angekurbelt, nun klappern die Teller. „Zur Entspannung“ hat ein Unternehmer das Düsseldorfer Dreischeibenhaus zu einem Restaurant umgebaut.

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          Patrick Schwarz-Schütte hat viel zu tun. Erst seit kurzem ist der Düsseldorfer Unternehmer auch Gastronom. Im Dreischeibenhaus, seit 1960 Architektur-Ikone des deutschen Wirtschaftswunders in Düsseldorf und nach langer Sanierung nun in neuem alten Glanz, wurde gerade sein erstes Restaurant eröffnet. Wo einst das Dauerklingeln der Thyssen-Telefonzentrale den Raum erfüllte, klappern neuerdings nur leise Porzellanteller. Hier soll das „Phoenix“, benannt nach dem ursprünglichen Erbauer, der Phoenix-Rheinrohr AG, ein neuer Treffpunkt werden.

          Auch der gestalterische Stil erinnert an die sechziger Jahre. Zur Zeit finden hier 70 Personen Platz, bald wird ein eigener Fine-Dining-Bereich im Zwischengeschoss eröffnet, und im Sommer sollen die Terrassen im 22. Stock geladenen Event-Gästen neben Delikatessen auch Düsseldorf von oben näher bringen. So eine Maschine muss erst mal zum Laufen gebracht werden.

          Unternehmer mit Kultstatus

          „Eigentlich sollte das hier alles zur Entspannung dienen, aber für ein Hobby frisst es zu viel Zeit“, sagt Schwarz-Schütte lachend. „Am Anfang muss man alles selbst machen. Alle Prozesse, Probleme und Mitarbeiter verstehen. Wenn ich dann sehe, dass es läuft, kann ich aber auch delegieren. Ansonsten wäre ich nicht so weit gekommen.“

          Als Unternehmer hat Patrick Schwarz-Schütte im Rheinland beinahe Kultstatus. Als er das vom Vater gegründete Familienunternehmen Schwarz Pharma 2010 veräußerte, schenkte er jedem Mitarbeiter, vom Fließbandarbeiter bis zum Abteilungsleiter, als Dankeschön 10.000 Euro. Weh getan hat den Schwarz-Schüttes die Sonderzahlung von 43 Millionen Euro wohl kaum, immerhin zählen sie zu den reichsten Familien Deutschlands.

          Könnte auch selbst am Herd stehen: Patrick Schwarz-Schütte, hier vor dem Dreischeibenhaus, ist nun auch Gastronom.

          Der entspannte Rheinländer, mittlerweile Chef der Investment-Gruppe Black Horse, will auch als Gastronom an unternehmerische Erfolge anknüpfen. Mit dem Dreischeibenhaus hat er 2011 nicht nur ein Denkmal gekauft, sondern sich selbst auch eines gesetzt - das schürt Erwartungen. „Indirekt steht hier überall mein Name drauf, und ich möchte selbst dafür sorgen, dass die Qualität stimmt. Deshalb habe ich mir auch keinen Pächter gesucht.“ Unterstützt wird er im „Phoenix“, dessen schummrig gepolstertes Interieur als Bar-Kulisse der Serie „Mad Men“ dienen könnte und in Zusammenarbeit mit den Berliner Architekten Etienne Descloux und Irina Kromayer entstand, von 35 Mitarbeitern, unter ihnen acht Köche unter kulinarischer Leitung von Florian Hartmann. Auf dessen Menükarte stehen etwa Fjordforelle mit Avocadosalsa, geschmorte Kalbsbacke mit Rahmpolenta oder Zanderfilet mit Blutwurst-Kartoffelstampf.

          Schwarz-Schütte hat schon neue Pläne

          Patrick Schwarz-Schütte wird ihnen über die Schulter schauen, denn er ist selbst ein guter Koch. Die Leidenschaft wurde aus der Not geboren, wegen des schlechten Essens im Internat. „Es gab immer nur Nudeln, Kartoffeln und Brot, auf Dauer sehr trist.“ Ausgerechnet Johannes Mario Simmel brachte ihn darauf, selbst zu kochen: „Es muss nicht immer Kaviar sein“, für ihn die Mutter aller Kochbücher, erblickte im gleichen Jahr das Licht der Welt wie das Dreischeibenhaus. „Ein bisschen Crime, ein bisschen Sex, ein bisschen Kochen - es war der reinste Schund, aber es wurde darin gekocht, das habe ich geliebt.“

          Wenn die Familie am Sonntag zum wöchentlichen Brunch eintrudelt, zaubert er wahlweise Lammkarree, Kalbsrücken, Rehkeule oder einen Wildschweinbraten. Auch Fisch ist mal dabei. Mit seinen Schulkameraden hat er früher Forellen geklaut oder mit dem Luftgewehr Kaninchen geschossen. Und als ein Mitschüler zu Weihnachten von seinem Vater per Postbeutel einen Hasen geschickt bekam, wusste er, was zu tun war. „Den haben wir dann auch noch gar gekriegt.“ Auch heute jagt Schwarz-Schütte selbst gelegentlich, unterstützt von seinen Söhnen. In Westfalen möchte er mit einer Rinderzucht anfangen - auch, um eine geschlossene Lieferkette aufzubauen, bei der man nachvollziehen kann, woher das Stück Fleisch tatsächlich kommt. „Außerdem ist mir wichtig, alle Teile eines Tieres zu verwenden. Dann gibt es halt mal Ravioli mit Rehfüllung oder einen tollen Fond aus der Schulter.“ Schließlich arbeitet man heute ganzheitlich.

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