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Nach erstem Frauenduo auf ISS : Wie männlich ist der Weltraum?

Suzanna Randall: Eine von zwei Kandidatinnen für den Flug zur Internationalen Raumstation ISS Bild: Jan Roeder

Die Nasa fremdelte lange mit der weiblichen Biologie. So vermuteten Ingenieure, weiblicher Urin sei schleimbasiert und könne im All Leitungen verstopfen. Raumanzüge in der richtigen Größe sind heute noch ein Problem.

          4 Min.

          Der historische Termin scheiterte an einem banalen logistischen Problem. Als im März der erste rein weibliche Weltraumspaziergang mit den Amerikanerinnen Anne McClain und Christina Koch stattfinden sollte, waren auf der Internationalen Raumstation nicht genügend Raumanzüge mittlerer Größe vorhanden. Also absolvierte Kollege Nick Hague den Außeneinsatz mit der 40-jährigen Koch. Offenbar hätte es stundenlange Arbeit erfordert, den zweiten Anzug für einen Einsatz vorzubereiten – das war den Aufwand dann doch nicht wert. „Wenn es die Option gibt, einfach die Leute auszutauschen, ist die Mission wichtiger als ein cooler Meilenstein“, erklärte eine Sprecherin der Nasa.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Das Problem passender Raumanzüge hat eine lange Geschichte. Als im Zuge der Space-Shuttle-Missionen auch immer mehr Frauen ins All reisten, entschied sich die Nasa für einen modularen Ansatz. Seitdem existieren frei kombinierbare Teile für Arme, Beine, Torso, Hände und Füße in verschiedenen Größen: XS, S, M, L, XL. Allerdings lag diesem Ansatz die Annahme zugrunde, dass Frauen dieselben Anzüge passen wie kleineren Männern. Anatomische Unterschiede, wie breitere Hüften und schmalere Schultern, blieben dabei unberücksichtigt.

          Frauen im All? Um Männern Gesellschaft zu leisten

          Damit, dass Weltraumspaziergänge mit schlecht sitzenden Anzügen erheblich schwieriger zu absolvieren sind, mussten die Frauen leben. Genauso mit den Nachteilen, die zu große Anzüge ihnen bereits bei den irdischen Qualifikationstests einbrachten. Einsparungen in den neunziger Jahren führten zudem dazu, dass die Größen S und XS abgeschafft wurden. Eine Weiterentwicklung der Raumanzüge flog 1998 erstmalig in den Größen M und L, 2001 wurde die Größe XL hinzugefügt. Im Jahr 2002 gab die Nasa bekannt, dass die Entwicklung für einen Raumanzug der Größe S für kleinere Frauen aus Kostengründen eingestellt werden muss. An Bord der ISS gibt es derzeit je zwei Anzüge der Größen M, L und XL, wobei nur in der Größe „large“ beide Anzüge gleichzeitig einsatzfähig sind.

          Dieser Text ist aus dem neuen F.A.Z. Quarterly

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          Weitere Informationen

          Aktuell sind von 38 aktiven Nasa-Astronauten zwölf Frauen, rund 30 Prozent. Die Nasa möchte den Anteil qualifizierter Frauen und Kandidaten aus ethnischen Minderheiten erhöhen. Dafür lassen sich nicht nur politische Gründe anführen. Medizinische Experimente bei Weltraumaufenthalten profitieren von möglichst vielfältigen Daten. Weitere Vorteile: Frauen verbrauchen weniger Ressourcen, sind leichter und nehmen weniger Raum ein.

          Die Russen schickten schon 1963 mit Walentina Tereschkowa eine Frau in den Weltraum. Die Amerikaner waren dagegen mit den Vorbereitungen für ihre Apollo-Mondmissionen beschäftigt und scherten sich wenig um Geschlechtergerechtigkeit. Die kulturelle Rollenerwartung an Frauen als Mutter und Hausfrau war eindeutig, in den amerikanischen Medien wurde als einzig denkbarer Grund für einen Aufenthalt von Frauen im All diskutiert, dass sie den Männern dort Gesellschaft leisten könnten. Dennoch bewarben sich bereits in den sechziger Jahren auch Frauen bei der Nasa. Die Anforderungen, wie eine hohe Anzahl von Flugstunden und das Vorliegen eines technischen Abschlusses in relativ jungem Alter, schlossen sie aber faktisch aus. 1978, sechs Jahre nachdem in den Vereinigten Staaten mit dem „Equal Employment Opportunity Act“ Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt auf der Grundlage etwa von Hautfarbe oder Geschlecht ausgeschlossen werden sollte, nahm die Nasa die ersten sechs Amerikanerinnen in ihr Raumfahrtprogramm auf. Damit ergaben sich eine Reihe neuer technologischer Herausforderungen. So musste erstmalig eine Toilette in einem Raumschiff installiert werden, nachdem sich die Astronauten vorher in Plastikbeutel erleichtert hatten. Nasa-Ingenieure offenbarten dabei erstaunliche Wissenslücken bezüglich der weiblichen Biologie, beispielsweise vermuteten sie, der weibliche Urin sei schleimbasiert und könne daher Leitungen verstopfen.

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